Bundeskanzlerin Weitere Reaktionen auf das Interview

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, sieht in den Äußerungen Trumps vor allem eine protektionistische Konzentration auf kurzfristige Interessen der USA. "Der Westen als eine normative Einheit und politische Einheit, davon ist, glaube ich, tatsächlich in seinem Denken nichts vorhanden", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Das sei "ein bedrohliches Novum für Europa und die Welt".

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die USA vor einer Abschottung durch Strafsteuern etwa für im Ausland produzierte Autos gewarnt. "Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer", sagte der SPD-Vorsitzende der Bild. Zudem würden sich amerikanische Autobauer umgucken, wenn auch Zulieferteile, die nicht in den USA produziert würden, mit Strafzöllen belegt würden, konterte Gabriel den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Dieser hatte beklagt, dass zu viele deutsche und zu wenige US-Autos in New York zu sehen seien.

Gabriel äußerte zudem Zweifel daran, ob Trump seine Pläne etwa für Strafsteuern auf aus Mexiko importierte Autos überhaupt umsetzen könne: "Ich würde mal abwarten, was dazu der von Republikanern dominierte Kongress sagt. Das sind eigentlich Politiker, die das Gegenteil von Herrn Trump wollen."

Leserdiskussion Trump und Deutschland - kein guter Start?
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Trump und Deutschland - kein guter Start?

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung kritisiert der neue US-Präsident Merkels Flüchtlingspolitik, äußert sich abwertend zur EU, nennt die Nato "obsolet", droht deutschen Autoherstellern mit Strafzöllen - und hebt seine deutschen Wurzeln hervor.

Der britische Außenminister Boris Johnson begrüßte Trumps Äußerungen zu einem möglichen amerikanisch-britischen Handelspakt für die Zeit nach dem Brexit. "Ich denke, es sind sehr gute Nachrichten, dass die USA ein gutes Freihandelsabkommen mit uns abschließen wollen und dass sie es schnell machen wollen", sagte Johnson. Es müsse jedoch ein Deal sein, der die Interessen beider Seiten berücksichtige. In dem Interview mit der Londoner Times und der Bild-Zeitung hatte Trump gesagt, er wolle Großbritannien nach dem Brexit innerhalb weniger Wochen ein "faires" Abkommen anbieten.

Der scheidende französische Präsident François Hollande erklärte in Paris, Europa setze auf eigene Interessen und Werte: "Es braucht keine Ratschläge von außen, was es tun sollte." Hollande äußerte sich bei der Verleihung des höchsten französischen Ordens an die scheidende US-Botschafterin in Paris, Jane Hartley.

US-Außenminister John Kerry verteidigte die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel: Es sei unangebracht, dass sich Trump in die Politik anderer Staaten so direkt einschalte, sagte Kerry am Montag dem Fernsehsender CNN. Trump hatte Merkels Flüchtlingspolitik als "katastrophalen Fehler" bezeichnet. Kerry dagegen sagte nun: "Ich denke, dass sie sehr mutig war." Zwar habe es in Deutschland Probleme gegeben. Dies gelte aber für jedes große westliche Land, das Werte und Prinzipien habe und notleidenden Menschen helfe.