Plagiatsvorwurf:Laschets schneller Kniefall

Armin Laschet bei der Präsentation seines Buches im Jahr 2009 in Düsseldorf

Mit Plagiatsvorwürfen sieht sich etwa Unionskanzlerkandidat Armin Laschet konfrontiert. Dabei hätte Deutschland über drängendere Fragen zu diskutieren.

(Foto: imago stock&people/imago stock&people)

Der Kanzlerkandidat der Union entschuldigt sich für eine nicht genannte Quelle in seinem Buch. Es geht um vier nicht vollständig übernommene Sätze auf 286 Seiten Text.

Von Roland Preuß

Armin Laschet versucht es am Freitag mit dem schnellen Kniefall, jeder weiß, wie rasch ein paar abgeschriebene Passagen den Politiker-Ruf ruinieren können. In seinem Buch "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" von 2009 gebe es offenkundig Fehler, die er verantworte, schreibt der Unionskanzlerkandidat in einer Stellungnahme, die er auf Twitter veröffentlichte. "Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt", heißt es da. Laschet bittet um Entschuldigung und versichert, er werde unverzüglich die Prüfung des Buchs auf weitere Fehler veranlassen. Erleidet nun Laschet den Baerbock-Effekt, steht es demnächst 1:1 bei der Plagiatejagd?

Zunächst geht es bei Laschets Buch um wenige Sätze und Satzteile, die Passagen aus einem wissenschaftlichen Vortrag vom Juli 2008 verdächtig ähnlich sehen. Der Politologe und Entwicklungshilfe-Experte Karsten Weitzenegger hatte damals über Zusammenhänge zwischen Migration und Entwicklungshilfe gesprochen. Drei Sätze und weitere Satzteile davon sind auch in Laschets Buch auf den Seiten 260 und 261 weitgehend wörtlich zu lesen. Der Plagiatsexperte Martin Heidingsfelder, der Plagiatsprüfungen gegen Honorar anbietet, hatte Weitzenegger auf die Übereinstimmungen aufmerksam gemacht, dieser veröffentlichte den Befund auf Twitter.

"Mir ging es erst mal um die Urheberrechtsverletzungen", sagt der Plagiatejäger

An der kritisierten Stelle erläutert Laschet das Konzept des "Brain Gain" in der Migration, das auch 2009 schon jahrelang diskutiert worden war, nämlich, dass Herkunftsländer von der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte profitieren können, wenn diese später zurückkehren und ihr Wissen im Heimatland einsetzen. In Fachkreisen war das damals bekannt, im Buch allerdings könnte man auf die Idee kommen, dass es Laschets Analyse ist. Dennoch: Es handelt sich um vier nicht einmal vollständig übernommene Sätze auf 286 Seiten Text. Bei der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock waren anfangs ähnlich kurze Schnipsel bemängelt worden, allerdings waren im Laufe der Wochen immer weitere solcher ungekennzeichneter Stellen aufgetaucht, einschließlich pointierter Formulierungen der früheren Grünen-Minister Joschka Fischer und Jürgen Trittin.

Laschets Buch ´Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance"

Drei Sätze und weitere Satzteile auf den Seiten 260 und 261 in Laschets Buch sollen von einem Vortrag des Politologen und Entwicklungshilfe-Experten Karsten Weitzenegger übernommen sein.

(Foto: Roberto Pfeil/dpa)

Heidingsfelder selbst wollte am Freitag im Fall Laschet nicht von einem Plagiat sprechen. "Ich erlaube mir da überhaupt kein Urteil, ich habe Fragen dazu", sagt er der Süddeutschen Zeitung. "Mir ging es erst mal um die Urheberrechtsverletzungen." Heidingsfelder betreibt Plagiatsprüfungen als Geschäftsmodell, auf der Startseite seines Internetauftritts bietet er "die Überprüfung der Dissertationen aller promovierten Parlamentskandidaten (...) zu besonders günstigen Konditionen an", allerdings noch mit Bezug auf das "Wahljahr 2020". Auf die Frage, ob er Laschets Buch im Auftrag Dritter geprüft habe, sagte Heidingsfelder: "Ich mache dazu keine Aussagen - es geht um die Sache."

Nach SZ-Informationen bediente sich Armin Laschet für sein Buch auch aus dem "Integrationsbericht der Landesregierung" von 2008, in einem Fall sind mehrere Sätze durchgehend fast wörtlich übernommen worden. Die Quelle allerdings nennt der CDU-Politiker im Literaturverzeichnis des Buches, und für den Bericht hatte er im Vorwort selbst verantwortlich gezeichnet. Es sei ihm damals darum gegangen, die Arbeit des ersten Integrationsministeriums Deutschlands darzustellen und bundesweit für eine neue Integrationspolitik zu werben, schreibt Laschet in seiner Stellungnahme, deshalb sei auch "auf Ausarbeitungen des Ministeriums Rückgriff genommen" worden, was auch aus der Danksagung hervorgehe. Dort, am Ende des Buches, lässt sich zudem herauslesen, dass Laschet die gut 280 Seiten nicht alleine gestemmt hat, jedenfalls bedankt er sich dort bei Menschen, die "wichtige Inhalte beigetragen" haben, oder bei einer Mitarbeiterin, die "das ganze Buch" konzeptionell und inhaltlich von Anfang an mitgestaltete.

© SZ/bac
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