Vatikan:Der Papst vergibt

Vatikan: Zwei Argentinier: Präsident Javier Milei und Papst Franziskus am Montag im Vatikan.

Zwei Argentinier: Präsident Javier Milei und Papst Franziskus am Montag im Vatikan.

(Foto: Vatican Media/Reuters)

Zwei Argentinier unter sich: Früher hat Javier Milei den Papst geschmäht und beschimpft. Als Präsident leistet er Abbitte - und hofft auf einen Besuch von Franziskus in diesem Jahr.

Von Marc Beise, Rom

Nach Privataudienzen beim Papst gibt es keine gemeinsame Pressekonferenz, wie das bei Politikertreffen üblich ist, und auch kein offizielles Statement des Vatikans. Deshalb achten Beobachter als Erstes auf die Dauer der Audienz. 30 Minuten sind üblich beim katholischen Kirchenoberhaupt, bis zu 50 Minuten kommen vor. Die Begegnung der beiden Argentinier Jorge Mario Bergoglio, 87, und Javier Milei, 53, dauerte beachtliche 70 Minuten. Und das wird noch getoppt durch die Erkenntnis, dass dabei nicht wie sonst oft viel Zeit für die Übersetzung abgezogen werden muss. 70 Minuten pur also, und danach gab es Bilder, auf denen gelacht wurde. Als Geschenk kredenzte Milei dem Papst unter anderem dessen, so heißt es, Lieblingssüßigkeiten: in Schokolade gehüllte "Alfajores", die mit Karamellcreme ("Dulce de leche") gefüllt sind. Soweit alles gut.

Die Begegnung mit dem Präsidenten Argentiniens gehörte zu den wichtigsten Terminen des Papstes überhaupt, und sicher zu den emotionalsten. Seit März 2013, fast elf Jahre schon, ist Franziskus Stellvertreter Christi auf Erden mit ständigem Wohnsitz im Vatikan-Staat in Rom - seitdem war er nicht einmal wieder in Argentinien. Franziskus ist alt, seine Gesundheit angegriffen. Er hat deshalb angekündigt, in Zukunft noch weniger zu reisen als er das zuletzt ohnehin gemacht hat. Aber dass er noch einmal gerne heimischen Boden betreten würde, weiß jeder.

Ein Papst-Besuch würde auch Glanz auf ihn werfen, hoffte Milei

Wer einmal Papst wird, kommt von Rom nicht mehr los, aber alle Nicht-Italiener leiden auch daran und wollen den Kontakt mit der alten Heimat halten. Unter Papst Johannes Paul II. war der Vatikan polnisch gefärbt, Papst Benedikt XVI. hatte seine deutsche Community um sich. Franziskus blüht auf unter Südamerikanern. Und umgekehrt: Auch wenn der Papst als religiöser Führer von 1,4 Milliarden Katholiken den Blick weltweit schweifen lassen muss, bleibt doch die Heimat unvergessen. Namentlich der polnische Papst hat - häufig im Geheimen, wie man heute weiß - massiv Einfluss auf die politischen Geschehnisse in dem Land genommen, das damals noch von Kommunisten regiert wurde. Und er hat den Systemwechsel nach 1989 aktiv begleitet.

Auch der argentinische Papst wird die Lage in seinem Heimatland aufmerksam beobachten - und was er da sieht, kann ihn nicht freuen. Nicht nur, dass die Wirtschaftslage katastrophal ist. Ausgerechnet dieser Papst, der immer wieder zügelloses Unternehmertum geißelt, hat nun mit einem Präsidenten zu tun, der sich selbst als "Anarcho-Kapitalisten" bezeichnet hat und sein Land einer ultraliberalen Rosskur unterziehen will. Der für die sozialen Ambitionen des Papstes früher nur Hohn und Spott übrig hatte, der ihn "Hurensohn" nannte und "Repräsentant des Bösen auf Erden".

Allerdings muss auch der Staatspräsident gerade lernen, dass es gar nicht so einfach ist, umzusetzen, was er im Wahlkampf lauthals versprochen hat; seine Liberalisierungspläne für die Wirtschaft hängen fest. Ein Papst-Besuch würde Glanz auch auf ihn, den Präsidenten, lenken. Also leistete Milei im Vorfeld Abbitte und warb um das Kirchenoberhaupt.

Schon am Sonntag kam es am Rande einer Heiligsprechung im Petersdom zu einer herzlich wirkenden Begegnung. Franziskus war spöttisch aufgelegt ("Waren Sie beim Friseur?"), Milei und seine Schwester durften ihn umarmen und herzen. Über das Treffen am Montag wurde zunächst Stillschweigen bewahrt, und alle Welt wartete auf die Antwort auf die Frage der Fragen: Reist der Papst dieses Jahr nach Argentinien? Wenn ja, wird das eine ganz große Sache werden - für Argentinien, aber auch für den Vatikan.

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