Bundesverdienstkreuz für Afghanistan-Einsatz:"Ihr Land verneigt sich vor Ihnen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brigadegeneral Jens Arlt bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Schloss Bellevue.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brigadegeneral Jens Arlt bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Schloss Bellevue.

(Foto: Michael Sohn/AP)

Er stehe für das Beste der Bundeswehr: Jens Arlt, Kommandeur der Evakuierungsmission in Afghanistan, bekam von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Von Sara Maria Behbehani, Berlin

Als Mitte Juli die, wie man damals dachte, letzten Bundeswehrsoldaten nach dem 20-jährigen Einsatz am Hindukusch zurückkamen, war es eine stille Heimkehr. Bei ihrer Landung waren da kein Bundespräsident und keine Verteidigungsministerin. Zwei Monate später ist vieles anders - in der Bevölkerung, in der Politik, bei den Soldaten. Denn dazwischen liegt jener Evakuierungseinsatz, wie es ihn in der Geschichte der Bundeswehr und in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat.

Eine Operation, bei der die deutschen Soldaten mehr als 5300 Menschen in Sicherheit brachten. In einer Zeit, in der Bilder der Verzweiflung um die Welt gingen. Brigadegeneral Jens Arlt war der Kommandeur dieser Rettungsmission. An diesem Freitag erhielt er zur Würdigung seines Einsatzes das Bundesverdienstkreuz. Im Schloss Bellevue überreichte ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, im Beisein von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die Auszeichnung.

"Herr General, Sie stehen für das Beste der Bundeswehr", sagte Steinmeier in seiner Ansprache und fügte wenig später hinzu: "Ich danke Ihnen - Ihr Land verneigt sich vor Ihnen." Der 52-jährige General, der unter beachtlichem eigenen Risiko die Rettungsmission zu koordinieren und zu verantworten hatte, ist allerdings nicht der Einzige, dem eine Ehrung zuteil wird. Allen Soldatinnen und Soldaten des Evakuierungseinsatzes wird die Einsatzmedaille der Bundeswehr verliehen.

Nach Afghanistan gibt es schwierige, bittere Fragen, sagt Steinmeier

Steinmeier scheute nicht davor zurück, auch jene Fragen zu stellen, die nach der Operation offenbleiben. Selbst diese eine nicht, ob nun alles Leid und alle Mühen, alle Verwundungen an Körper und Seele und alle verlorenen Menschenleben der vergangenen zwanzig Jahre umsonst gewesen sein sollen. "Es sind schwierige, es sind auch bittere Fragen", sagte er. "Es fällt mir nicht leicht, sie auszusprechen, und ich habe keine einfachen, schnellen Antworten."

Auch auf die deutsche Bevölkerung und ihren Umgang mit der Bundeswehr richtete der Bundespräsident an diesem Tag seinen Blick. Über Gefechte, Tod und Krieg, spräche die Gesellschaft nur selten und wenn, dann meistens kritisch. "In dieser Sprachlosigkeit liegt die Gefahr einer gegenseitigen Verständnislosigkeit zwischen Soldat und Gesellschaft", sagte er. "Vielleicht aber blickt die deutsche Gesellschaft, die in den vergangenen Monaten die Ereignisse in Afghanistan so aufmerksam mitverfolgt hat wie selten zuvor, seit dieser Evakuierungsmission mit wacheren Augen auf die Bundeswehr."

Arlt selbst betonte, dass es eine Ehre gewesen sei, diesen Verband zu führen. Die Auszeichnung erfülle ihn mit Stolz, doch es sei eine Teamleistung gewesen. Er nahm den Orden an "stellvertretend für alle, die ich führen durfte". Zuvor hatte sich Steinmeier mit einigen anderen an der Mission beteiligten Soldatinnen und Soldaten getroffen. Und er hob in seiner Rede hervor, was einer der Menschen gesagt hatte, die mit dem Brigadegeneral in Kabul gewesen waren: "Wir wären mit ihm in die Hölle gegangen und hätten den Teufel herausgeholt - und wir hätten das auch geschafft!"

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