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Ufo-Bericht der US-Geheimdienste:Gibt es Aliens oder nicht?

Looming US intelligence report to address UFOs

Auf diesem Video eines Navy-Piloten, veröffentlicht vom US-Verteidigungsministerium, ist ein nicht identifizierbares Objekt zu sehen.

(Foto: AFP)

Warum ein neuer Geheimdienstbericht über angebliche Ufo-Sichtungen Verschwörungsmythen befeuern könnte.

Von Nicolas Freund und Paul-Anton Krüger

Der Pilot Kenneth Arnold hatte etwas gesichtet, das er einfach nicht identifizieren konnte: neun kreisförmige Objekte, die sich angeblich mit Überschallgeschwindigkeit bewegten, 1947 war das, nahe dem Mount Rainier bei Seattle. Seine Beobachtungen dieser unbekannten Flugobjekte, kurz Ufos, waren der Ursprung des Mythos um fliegende Untertassen, gesteuert von außerirdischen Lebewesen. Die US-Regierung war skeptisch, begann aber trotzdem eine geheime Studie, getrieben von der Sorge, es könne sich um unbekannte Waffensysteme der Sowjetunion handeln.

Jetzt gibt es einen neuen Bericht der US-Geheimdienste, und eine der Motivationen dafür ist ähnlich: Die Dienste sollen schließlich verhindern, dass unbekannte Technologien Russland oder China einen militärischen Vorteil verschaffen, der die nationale Sicherheit bedrohen könnte. Sogenannte Hyperschall-Waffen zum Beispiel, die sich mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit fortbewegen. Russland hat auch die Forschung an exotischen Trägersystemen wieder aufgenommen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus Mangel an Geld eingestellt worden war.

Obama räumte neulich ein, es gebe da unerklärliche Aufnahmen

Belege für außerirdisches Leben finden sich auch in dem neuen Report nicht, das haben Regierungsmitarbeiter verschiedenen US-Medien gesagt. Allerdings fehlen in einigen der 120 Fälle schlüssige Erklärungen für die Beobachtungen, die überwiegend Piloten des US-Militärs in den vergangenen 20 Jahren gemacht und teils per Video dokumentiert haben. Damit könne man, das mussten die Regierungsvertreter dann doch einräumen, nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass es sich um Raumschiffe von Außerirdischen handelt.

Zwar lassen sich die meisten Sichtungen auf natürliche Phänomene zurückführen oder beispielsweise auf Wetterballone. Aber wie der frühere US-Präsident Barack Obama jüngst in einer Talkshow einräumte: "Es gibt Aufnahmen und Dokumentationen von Objekten im Himmel, von denen wir nicht genau wissen, was sie sind." Extreme Beschleunigungen und abrupte Richtungswechsel gehören zu den Beobachtungen, bei denen Physik und natürliche Erklärungen an ihre Grenzen stoßen.

Die Sache mit den Ufos ist seit den späten 1970er-Jahren vor allem in den USA auch ein zentraler Bestandteil von Verschwörungsmythen. 1980 veröffentlichten die Autoren Charles Berlitz und William Moore das Buch "Der Roswell-Zwischenfall", in dem sie behaupteten, 1947 sei in der Wüste von New Mexico ein Ufo abgestürzt, und die US-Regierung habe den Vorfall verheimlicht. Dieser Mythos hält sich bis heute hartnäckig und wurde zur Zeit seines Erscheinens schnell mit wirklichen Geheimoperationen der US-Regierung verknüpft, dem Watergate-Skandal etwa, Drogenexperimenten der CIA oder geheimen Waffengeschäften mit Iran.

So entstanden Mythen von vertuschten Kontakten mit Außerirdischen, von Computerchips, die unschuldigen Bürgern eingesetzt werden sollen, und einer korrupten Schattenregierung. Auf letztere bezog sich Ex-Präsident Donald Trump immer wieder in seinen haltlosen Tiraden, und die Vorstellung von heimlich implantierten Chips hat auch in Deutschland unter einigen Impfskeptikern verfangen.

Jahrzehntelang Angst vor kommunistischer Unterwanderung - das hinterlässt Spuren

Die amerikanische Historikerin Kathryn Olmsted beschreibt in ihrem Buch "Real Enemies" die 1990er-Jahre als einen Höhepunkt der paranoiden Stimmung, die wegen solcher Mythen entstanden war. Die jahrzehntealte Angst der Amerikaner vor einer kommunistischen Unterwanderung habe teilweise den Nährboden für ihre Leichtgläubigkeit bereitet. Sogar der damalige US-Präsident Bill Clinton soll sich ihr zufolge bei Amtsantritt nach Ufos erkundigt haben. Und 71 Prozent der Amerikaner sollen damals der Meinung gewesen sein, die Regierung wisse mehr über Ufos, als sie zugebe.

Das Internet und die Popkultur, in der viele solche Mythen und Verschwörungsmythen ihren Niederschlag fanden, wirkten wie ein Katalysator für die Paranoia. Und es dürfte die Verschwörungsmythen weiter befeuern, dass dem Kongress Ende Juni zwar eine Version des Berichts vorgelegt werden soll, die zur Veröffentlichung freigegeben ist - ein Anhang mit Details aber unter Verschluss bleibt. Mutmaßlich dient das dazu, geheimdienstliche Methoden oder als top secret eingestufte Militärtechnologie zu schützen. Es kann Kritiker aber auch in ihrem Glauben bestärken, die Regierung halte Erkenntnisse über Außerirdische unter Verschluss.

© SZ/moge
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