SZ-Serie "Bester Dinge":Mücken und ihre Tücken

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(Foto: Armin Weigel/Picture Alliance)

Wissenschaftler testen im Südwesten Deutschlands die "insektenfreundliche Beleuchtung". Eine gute Idee, sich mit den geschundenen Tieren zu versöhnen.

Von Martin Zips

Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen. Einerseits hält er sich Insekten mit stinkenden Kerzen und Sprühmitteln vom Leib. Andererseits pflanzt er sich Blumen auf den Balkon, besingt Bienen und Glühwürmchen und fährt zur "Earth Night" sogar seine Jalousien herunter. Nur damit die Falter draußen auch mal ihre Ruhe haben, vom Licht. Aber schon am nächsten Tag sitzt der Mensch wieder im grellen Scheinwerferschein des Fußballstadions, bekämpft Unkraut mit Chemie oder sammelt auf seiner Windschutzscheibe in der Abenddämmerung viele kleine Tiere ein.

Wissenschaftler der Forschungsgruppe Lichtverschmutzung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei haben heuer ein 440 000-Euro-Projekt gestartet. In drei Naturschutzgebieten im Südwesten Deutschlands testen sie "insektenfreundliche Beleuchtung" (kurz gesagt: dimmbares LED-Warmweiß in Kästen, in die es keine Mücke reinzukrabbeln schafft). Nicht nur Naturschützer, auch die lichtproduzierende Industrie ist sehr begeistert. Ja, ist es nicht wirklich mal an der Zeit zu überlegen, ob Fahrzeuge mit Windschutzscheiben überhaupt noch zeitgemäß sind? Und kann man nicht auch im Dunkeln herrlich Fußball spielen? Handelt es sich bei dem angeblich so lichtfeindlichen Nordkorea in Wirklichkeit nicht gar um ein Insektenparadies?

Also: Geben wir unseren Freunden eine Chance. Verbieten wir insektenfeindliche Filme wie "Indiana Jones" (so viel Getier starb völlig sinnlos während der Dreharbeiten) oder die Geschichten vom maikäfermordenden Onkel Fritz bei Wilhelm Busch. Dimmen wir das Licht. Es gibt so viele Dinge, die man auch im Dunklen machen kann.

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© SZ/afis
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