SZ-Kolumne "Bester Dinge":37 Jahre später, 6000 Kilometer weiter

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(Foto: imago/Panthermedia)

Im Jahr 1984 schickt eine Oberschülerin in Japan eine Flaschenpost ab - als Teil eines wissenschaftlichen Projekts, das längst als abgeschlossen gilt. Bis ein Mädchen aus Hawaii genau hinschaut.

Von Thomas Hahn, Tokio

1984 regierte in Japan der nassforsche Premierminister Nakasone. Es war die hohe Zeit der Sumo-Legende Chiyonofuji. Und Mayumi Kanda war eine Teenagerin, die die Oberschule mal mit mehr, mal mit weniger Vergnügen besuchte. Sie war seinerzeit Mitglied im Naturwissenschafts-Klub der Schule in ihrer Heimatstadt Chōshi und als solches an einem spannenden Projekt beteiligt. Per Flaschenpost wollten die Nachwuchsforscherinnen und -forscher den Wegen des Kuroshio, der Meeresströmung im westlichen Pazifik, auf den Grund gehen. 750 Flaschen mit Rücksendeformularen warfen sie im Rahmen des Projekts nahe der Insel Miyakejima ins Meer. Mayumi Kanda war dabei, schaute den Flaschen nach und hoffte auf ein Wiedersehen.

Rund 50 Flaschen tauchten in den Jahren danach wieder auf. In Japan, auf den Philippinen, in China, Amerika. 2002 fand jemand noch eine auf der japanischen Südinsel Kikaijima. Danach gab es keine Meldungen mehr. Ende des Projekts. Dachten alle.

Im Juni 2021 - in Japan regierten das Coronavirus und der matte Premierminister Suga - fand Abbie Graham, 9, aus Keaau auf Hawaii am Strand von Paradise Park zwischen Muscheln und Sand einen schmutzigen Gegenstand. Die Eltern sagten, sie solle den Müll liegen lassen. Aber das Kind wusste es besser. Es war eine Flaschenpost. Eine Flaschenpost von Mayumi Anda und den anderen aus der Chōshi-Oberschule. 37 Jahre später, 6000 Kilometer weiter östlich. Abbie Graham schickte die Rücksendeformulare nach Chōshi. Die Schule verständigte Mayumi Anda, heute 54. Mayumi Anda dankte und sagte: "Ich bin überrascht."

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© SZ/ebri
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