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Coronavirus in Deutschland:Kabinett bereitet Aufhebung der Reisewarnung für 31 Länder vor

Flughafen-Logo bei der Vorstellung des Sicherheitskonzepts am Flughafen Köln Bonn während der Coronakrise Sicher in Cor

In den vergangenen Monaten ging auf Deutschlands Flughäfen wie hier in Köln/Bonn so gut wie nichts. Hintergrund waren die Corona-Restriktionen - und eine weltweite Reisewarnung.

(Foto: imago images/Future Image)
  • Das Kabinett will ein Eckpunktepapier erarbeiten, dass sicherstellen soll, dass nach der Aufhebung der Reisewarnung Urlaub in europäischen Ländern sicher ist.
  • In Quarantäne nimmt die häusliche Gewalt zu. Das ergab eine aktuelle Studie.
  • Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Gefahr.
  • In Göttingen wird ein Covid-19-Ausbruch nach privaten Feiern untersucht.
  • Alle Infos rund um die Corona-Epidemie finden Sie auf unserer Themenseite.

Das Bundeskabinett will am Mittwoch die Aufhebung der wegen der Corona-Pandemie verhängten Reisewarnung für 31 europäische Staaten ab dem 15. Juni vorbereiten. Dazu soll ein Eckpunktepapier mit Vorschlägen für den Schutz von Urlaubern vor einer Infektion mit dem Virus verabschiedet werden. Auf dieser Grundlage will die Bundesregierung die Verhandlungen mit den wichtigsten Urlaubsländern der Deutschen über den grenzüberschreitenden Reiseverkehr weiter vorantreiben. Die endgültige Entscheidung über die Aufhebung der Reisewarnung soll erst später fallen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am 17. März wegen der Corona-Pandemie pauschal vor touristischen Reisen in alle etwa 200 Länder der Welt gewarnt - ein beispielloser Schritt. Bisher wurden Reisewarnungen sehr selten und nur bei einer Gefahr für Leib und Leben zum Beispiel in Kriegsgebieten ausgesprochen.

Zu den Ländern, für die die Reisewarnung nun aufgehoben werden soll, zählen neben den 26 Mitgliedern weiteren der Europäischen Union und dem gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien auch die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Für diese Länder soll es ab dem 15. Juni nur noch individuelle Reisehinweise geben, in denen jeweils auf die landesspezifischen Risiken hingewiesen wird.

Häusliche Gewalt nimmt in Quarantäne zu

Immer wieder haben Experten gewarnt: Die Gewalt in Familien könnte zunehmen, wenn Menschen wegen Corona nicht aus dem Haus dürfen und existenzielle Probleme dazu kommen. Nun zeigt sich: Die Befürchtungen dürften sich bewahrheiten.

Insbesondere bei Familien in Quarantäne und bei akuten finanziellen Sorgen erfahren Frauen während der Corona-Krise häusliche Gewalt. Sie berichteten bei einer wissenschaftlichen Umfrage von lautstarkem Streit, Ohrfeigen und erzwungenem Sex.

Eine Sozialwissenschaftlerin an der Technischen Universität München und eine Volkswirtin vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hatten etwa 3800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren zwischen dem 22. April und dem 8. Mai 2020 online befragt.

3,1 Prozent der Frauen berichteten, in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen mindestens eine körperliche Auseinandersetzung erlebt zu haben, etwa Schläge. Ähnlich viele Frauen gaben an, vergewaltigt worden zu sein. Bei 6,5 Prozent wurden die Kinder den Aussagen der Mütter zufolge gewalttätig bestraft. Offen blieb, ob die Gewalt in diesem Fall von der Frau oder dem Mann ausging.

Befanden sich die Frauen zu Hause in Quarantäne, stiegen die Zahlen stark: Dann berichteten 7,5 Prozent von körperlicher Gewalt, in 10,5 Prozent der Fälle erlitten Kinder Gewalt. Ähnlich dramatisch waren die Angaben, wenn die Familie akute finanzielle Sorgen hatte. Körperliche Gewalt traf Frauen dann in 8,4 Prozent der Fälle, Kinder in 9,8 Prozent.

Laschet warnt vor Spaltung der Gesellschaft

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Gefahr. Während viele dank relativ gesicherter Einkommen "dem entschleunigten Leben in Corona-Zeiten vielleicht sogar etwas Gutes abgewinnen" könnten, müssten andere um ihre Jobs, ihre Einkünfte oder gar ihre Existenz fürchten, sagte der CDU-Politiker der Augsburger Allgemeinen. Es drohe deshalb eine stärkere gesellschaftliche und wirtschaftliche Polarisierung und Spaltung als während der Flüchtlingskrise.

Laschet, der sich um den Vorsitz der CDU bewirbt, sieht eine Kernaufgabe darin, eine Strategie zum Erhalt des Industrielandes Deutschland zu entwickeln: "Das Thema Ökologie wird uns erhalten bleiben, aber die Menschen werden mehr danach fragen, wie wir wirtschaftlich wieder aus der Krise herauskommen." Zudem müsse eine Allianz mit den Sozialpartnern geschmiedet werden, "damit die soziale Frage nicht vergessen wird. Sonst driftet das Land auseinander".

Größerer Covid-19-Ausbruch nach Feiern in Göttingen

Bei einigen privaten Feiern haben sich in Göttingen mehrere Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Wie das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis mitteilte, sind die Betroffenen zum größten Teil Verwandte und stammen aus Göttingen und Umgebung. Eine genaue Zahl der Infizierten wurde zunächst nicht genannt. Die Behörde nehme nun Verbindung mit Menschen aus dem Umfeld der Infizierten auf. "Die Anzahl der zu kontaktierenden Personen bewegt sich im dreistelligen Bereich", hieß es. Unter diesen seien auch 57 Kinder und Jugendliche, die entsprechenden Schulen seien bereits informiert. Auch über die Pfingstfeiertage werden demzufolge Testungen erfolgen. Das Gesundheitsamt verfolge unter Hochdruck die Infektionsketten, Quarantäneverfügungen würden umgehend erstellt.

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Merkel wird wohl nicht zum G-7-Gipfel fliegen

Kanzlerin Angela Merkel wird voraussichtlich nicht zum geplanten G-7-Gipfel in die USA fliegen. "Die Bundeskanzlerin dankt Präsident Trump für seine Einladung zum G-7-Gipfel Ende Juni in Washington. Stand heute kann sie in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen", sagte ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Merkel werde die Entwicklung der Pandemie aber weiter im Blick behalten.

© SZ/cck/bix
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