Ampelmännchen:Signal aus der DDR

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Prozess um Ampelmännchen geht weiter

Dient der Verkehrssicherheit und der DDR-Nostalgie: das Ost-Ampelmännchen.

(Foto: Peter Endig/dpa)

Dicklich, sympathisch, mit Hut: Das DDR-Ampelmännchen wird 60 Jahre alt. Sechs Fakten zum Geburtstag.

Von Veronika Wulf

Während in Berlin derzeit viel über eine mögliche erste Ampelkoalition diskutiert wird, feiert eine andere Ampel ihren 60. Geburtstag. Am 13. Oktober 1961 reichte der Verkehrspsychologe Karl Peglau seinen Entwurf für die neuen Fußgängersignale ein: ein gedrungenes Männchen mit Hut, das grüne macht einen großen Schritt, das rote breitet die Arme aus. Von 1969 an wurde es Stück für Stück in alle Ampeln in Ost-Berlin und schließlich in der ganzen DDR eingesetzt. Das Ost-Ampelmännchen, das heute symbolisch für das Ostalgie-Gefühl steht, gilt als eine der ersten modernen Fußgängerampeln mit Piktogramm eines gehenden und eines stehenden Menschen. Sechs interessante Fakten rund um das Ampelmännchen.

Richtungsweisend: Im ursprünglichen Entwurf von Peglau wandte sich das grüne Männchen nach rechts. Aus ideologischen Gründen ließ man es jedoch - gemäß der sozialistischen Haltung - fortan nach links laufen. Auf Souvenirartikeln läuft es aber weiterhin nach rechts, denn das sei die "graphisch elegantere und dynamischere Richtung", wie die Ampelmann GmbH, die in Berlin Tassen, Taschen und T-Shirts verkauft, auf ihrer Webseite erklärt. Gegründet hat das Unternehmen übrigens ein schwäbischer Wahlberliner, der Designer Markus Heckhausen, der Ende der 90er auch dafür gesorgt hat, dass das Ostmännchen auf den Berliner Straßen bleibt. Ampelmann-Vater Peglau hatte bis zu seinem Tod im Jahr 2009 in dem Unternehmen mitgearbeitet.

Gut mit Hut: Als Psychologe wusste Peglau, dass der Mensch vor allem jenen vertraut, die er sympathisch findet und kennt. Also gab er dem Männchen eine dickliche, kleine Figur und eine nette Knubbelnase. Zunächst war er sich nicht sicher, ob er seinem Fußgänger auch noch einen Hut aufsetzen soll, stand dieser doch in der DDR für den bösen Kapitalismus. Nachdem Peglau Erich Honecker aber mit Strohhut im Fernsehen sah, waren seine ideologischen Bedenken ausgeräumt. Die Hutform entstammt übrigens der Hand von Peglaus Sekretärin Anneliese Wegner, deren zeichnerische Begabung er schätzte.

Flächendeckend: Der Hut und die gedrungene Figur hatten aber noch einen weiteren Nutzen: Sie sind flächiger als die der späteren dünnen Ampelmännchen aus dem Westen und damit besser sichtbar. Ein Forscherteam von der Jacobs University Bremen fand 2013 heraus, dass die Ostmännchen "bei der Signalwahrnehmung tatsächlich einen Vorteil gegenüber den West-Ampelmännchen haben", wie Claudia Peschke, eine der Autorinnen der Studie, zusammenfasste.

Alter Osten: So mancher Berlin-Tourist sitzt dem Irrtum auf, an den Ostmännchen erkennen zu können, welche Viertel einst zu Ost-Berlin gehörten. Allerdings sind die Peglau-Männchen inzwischen auch im ehemaligen West-Berlin zu finden, sowie in anderen (west-)deutschen Städten. Neben dem Ostmännchen und einigen Westmännchen, die immerhin noch über Füße und Hals verfügen, ist heute das Euromännchen in Deutschland am meisten verbreitet. Es besteht aus Balken und einem Punkt - nichts mit Niedlichkeit.

Ampelweibchen: In Sachen Ampelmännchendesign ist laut der Straßenverkehrsordnung lediglich vorgeschrieben: "Gelten die Lichtzeichen nur für zu Fuß Gehende (...), wird das durch das Sinnbild "Fußgänger" (...) angezeigt." Wie das genau auszusehen hat, bleibt offen - und lässt Spielraum für "Ampelweibchen" wie etwa in Köln und Zwickau oder gleichgeschlechtliche Paare wie etwa in Frankfurt und München. Andere Städte nutzen lokale Berühmtheiten als Ampelmännchen zum Stadtmarketing: Beethoven in Bonn, Marx in Trier, Luther in Worms. Auch fiktive Figuren taugen dafür, wie die Stadtmusikanten in Bremen, die Mainzelmännchen in Mainz, Kasperl aus der Puppenkiste in Augsburg.

Menschliche Männchen: Auch dem tschechischen Künstler Roman Týc standen die Standard-Ampelmännchen in Prag gar zu stramm und er tauschte sie im Jahr 2007 bei einer Guerilla-Aktion gegen pinkelnde, trinkende und torkelnde Männchen aus. Dafür bekam er zwar einen Preis bei einem Filmfestival in Wien, aber auch umgerechnet 2500 Euro Strafe aufgebrummt. Weil er die nicht zahlen wollte, musste Týc einen Monat ins Gefängnis. Ein großer Preis für befreite Ampelmännchen.

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