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Absturz von Flug 4U9525:So soll Technik das Fliegen sicherer machen

  • Es gibt bereits zahlreiche Sicherheitsregeln, um zu verhindern, dass ein Pilot ein Flugzeug - aus welchen Gründen auch immer - zum Absturz bringt.
  • Unter anderem werden Piloten überprüft, Fluglotsen am Boden haben den Überblick über die Maschinen in der Luft, Flugzeuge lösen bei Abweichungen Alarm aus.
  • Denkbar wäre auch, Flugzeuge fernzusteuern oder Videoaufnahmen aus dem Cockpit und Flugdaten an Bodenstationen zu streamen.

Noch ist offen, weshalb der Copilot des Fluges U49525 die Tür zum Cockpit des Airbus A320 für den Kapitän nicht mehr öffnete. Es wird sich vielleicht niemals klären lassen, was mit dem jungen Mann tatsächlich los war, als das Flugzeug in den Sinkflug ging und schließlich in den Alpen zerschellte.

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Andreas Lubitz hätte am Tag des Absturzes gar nicht fliegen dürfen - der Copilot war krankgeschrieben. Bei der Hausdurchsuchung fanden Ermittler eine entsprechende Notiz. Nach SZ-Informationen soll sie ein Psychiater ausgestellt haben.

Auf eine andere Frage allerdings erwartet man schnelle Antworten: Wie lässt es sich in Zukunft vermeiden, dass ein Pilot - sei er nun geistesgestört oder ein Terrorist - ein Flugzeug zum Absturz bringt?

Fernsteuerung oder Roboterflugzeug

Eine radikale Maßnahme wäre, Passagiermaschinen - wie Drohnen - über Fernsteuerung zu kontrollieren oder sogar vollautomatisch fliegen zu lassen. Technisch ist das heute möglich. Auch ist denkbar, die Kontrolle über ein von Piloten gesteuertes Flugzeug zu übernehmen, wenn an Bord eine kritische Situation entstanden ist. Die Flugzeuge müssten entsprechend ausgerüstet werden.

Experten weisen aber darauf hin, dass viele Menschen sich nicht einem "Roboterflugzeug" anvertrauen wollen - selbst wenn große Passagierflugzeuge bereits jetzt weitgehend vom Autopiloten geflogen werden. "Für viele Passagiere wäre es ein psychologisches Problem", sagt Professor Alexander Knoll, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München zu Flugregelung und Flugzeugsystemen forscht. Rechtliche Fragen wären zudem komplett ungeklärt.

Das Thema werde zwar immer wieder diskutiert, eine Umsetzung sei aber "noch ganz weit weg", sagt Knoll. Dazu müsste außerdem die Funkverbindung zwischen Bodenstation und Flugzeug durchgehend sichergestellt sein - bislang gebe es immer wieder Probleme, etwa bei Unwettern. "Und dann wären wir bei dem Horroszenario angelangt, dass das Gerät etwas anderes tut, als der Mensch will."

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Größtes Problem bei der Fernsteuerung wäre die Gefahr durch Hackerangriffe. "Die zugehörigen Bodenstationen wären sofort ein Ziel für Terroristen", sagt Knoll, der genau zu diesen Sicherheitsaspekten forscht. Würden Terroristen die Software am Boden knacken, könnten sie nicht nur ein, sondern gleich eine ganze Reihe von Flugzeugen unter ihre Kontrolle bringen. Für die nähere Zukunft denkbar ist eine Fernsteuerung daher eher im Frachtverkehr, jedoch nicht bei Passagierflugzeugen. "Derartige Pläne sind absolut nicht im Gespräch", sagt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung.

Datenübertragung und Kameraüberwachung

Es gibt auch Überlegungen, die Flugdaten, die von Voicerecordern und Flugschreibern aufgezeichnet werden, über Satelliten zu Bodenstationen zu schicken. Die Informationen würden somit nicht nur im Flugzeug gespeichert, auch eine Sicherung in der Cloud wäre denkbar - vorausgesetzt, die Funkverbindung für die großen Datenmengen ist stark genug. Damit ließe sich von außen weitgehend in Echtzeit verfolgen, was an Bord geschieht.

Selbst Kameras, die das Cockpit überwachen, sind denkbar. Der CDU-Verkehrspolitiker Thomas Jarzombek fordert entsprechende Web-Cams. "Wenn Flugzeuge künftig mit Internet ausgerüstet sind, sollten wir einen Kommunikationskanal zur Bodenkontrolle außerhalb des Cockpits einrichten", sagte Jarzombek der Rheinischen Post.

Allerdings ist diese Form der Kontrolle teuer und hilft vor allem erst nach einem Absturz, die Ursachen zu klären. Eine Katastrophe verhindern lässt sich damit allein nicht. Darüber hinaus ist die Überwachung der Piloten mit Kameras umstritten. Pilotengewerkschaften fürchten die totale Kontrolle über die Piloten.