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Germanwings Flug 4U9525:Deshalb ließ sich die Cockpit-Tür nicht öffnen

A picture inside a flight simulator shows the door locking system of an Airbus A320 in Vienna

Das Verschlusssystem eines Airbus A320. Im Bild bei einem Flugsimulator in Wien.

(Foto: REUTERS)
  • Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war zum Zeitpunkt des Absturzes allein im Cockpit. Er hat den Piloten ausgesperrt und den Sinkflug eingeleitet.
  • Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sind die Türen stärker gesichert, ein spezieller Mechanismus erschwert das Eindringen von außen.
  • Dennoch ist eine Öffnung in aller Regel möglich - es sei denn, sie wird von innen verwehrt oder die Technik versagt.

Rätsel um Absturz

150 Menschen kamen ums Leben, als die Germanwings-Maschine am Dienstag in den französischen Alpen zerschellte. Dem Crash voraus ging ein minutenlanger Sinkflug. Jetzt ist klar: Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war zum Zeitpunkt des Absturzes alleine im Cockpit. Er hat offenbar den Piloten ausgesperrt und den Sinkflug eingeleitet.

Wie die Tür zum Cockpit regulär geöffnet wird

Es ist durchaus üblich, dass einer der beiden Piloten das Cockpit verlässt - etwa um zur Toilette zu gehen oder sich Verpflegung zu holen. Will er wieder in die Kanzel, gibt er an einem Tastenfeld neben der Tür einen Zahlencode ein, den beide Piloten kennen. Drinnen ertönt für drei Sekunden ein Summer. Der Pilot im Cockpit kann über eine Kamera erkennen, wer draußen steht, und die Tür entriegeln. Am Eingabefeld außerhalb des Cockpits signalisiert ein grünes Licht, dass die Tür entriegelt ist - der Zutritt ist möglich.

Wird die Tür nach Eingabe des Codes nicht von innen entriegelt, ruft der ausgesperrte Pilot im Cockpit an. Kommt auch darauf keine Reaktion (etwa weil der Pilot einen Herzinfarkt hatte oder bewusstlos geworden ist), kann von außen ein bis zu siebenstelliger Notfallcode eingegeben werden, der ein 30 Sekunden langes akustisches Signal ertönen lässt. Greift von innen niemand ein, entriegelt sich die Tür daraufhin für fünf Sekunden - der Zutritt ist möglich.

Verriegelung von innen möglich

Es sei denn, der Pilot innen verriegelt die Tür bewusst, indem er den Schalter im Cockpit in die Verriegelungs-Position ("Lock") stellt. Diese Funktion dient dazu, Unbefugten den Zutritt zu verwehren, auch wenn sie die entsprechenden Codes kennen. Die Tür ist dann für die nächsten fünf Minuten gesperrt. Es sei denn, man setzt wieder die normale Prozedur in Gang und meldet sich dem Protokoll entsprechend an. Dann kann die Tür vom Cockpit aus wieder in die "Unlock"-Einstellung gebracht werden. Im entgegengesetzten Fall ist es aber auch möglich, die Tür nach dem Fünf-Minuten-Zeitraum immer und immer wieder von innen zu verriegeln.

Früher war es mit physischer Gewalt möglich, auch ohne Entriegelung ins Cockpit zu gelangen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Zugänge in den Maschinen laut Airbus mit robusteren Beschlägen massiv verstärkt sowie mit der beschriebenen Öffnungslogik versehen. Drei elektrische Verriegelungen, die beim Schließen der Tür automatisch aktiviert werden, sollen Unbefugte am Eintreten hindern. Seitdem gibt es auch die Kamera und einen Türspion.

In den USA müssen sich immer zwei Crewmitglieder im Cockpit befinden. Wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, muss demnach ein Flugbegleiter oder eine Stewardess für die Zeit seiner Abwesenheit in die Kanzel kommen. Lufthansa-Chef Spohr sagte an diesem Donnerstag dazu: "In Amerika ist das so. Bei uns nicht. Ich sehe nicht die Notwendigkeit, das zu ändern." Bei dem absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine handle es sich um einen Einzelfall.

Andere europäische Fluggesellschaften, darunter die britische Airline Easyjet, haben dagegen bereits reagiert und die amerikanische Regelung eingeführt.

© Süddeutsche.de/segi/rus

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