Nach Germanwings-Unglück Deutsche Airlines führen Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein

  • Die im Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft organisierten Airlines haben beschlossen, die Zwei-Personen-Regel in ihren Cockpits einzuführen.
  • Die in den USA bereits übliche Regel war in Deutschland in die Diskussion gekommen, nachdem bekannt geworden war, dass der Kapitän der verunglückten Germanwings-Maschine aus dem Cockpit ausgesperrt war.

Mehrere große Fluglinien hatten nach dem verheerenden Unglück in den französischen Alpen bereits angekündigt, die Zwei-Personen-Regel einführen zu wollen. Nun haben die Mitglieder des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft vereinbart, dass das Prinzip, wonach nie ein Pilot allein im Cockpit sein darf, auch in Deutschland gelten soll. Ein Verbandssprecher bestätigte am Freitagmittag die Vereinbarung, die in Abstimmung mit dem Luftfahrtbundesamt getroffen worden sei.

Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und an einem Bergmassiv zerschellte. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Hintergrund der neuen Maßnahmen sind Ermittlungen, wonach der Copilot den Kapitän aus dem Cockpit womöglich aussperrte und die Maschine absichtlich zum Absturz brachte.

EU diskutiert Richtlinie

Eine Pflicht zur Zwei-Personen-Regel wird auch auf EU-Ebene diskutiert. EU-Mitarbeiter sagten, sie berieten mit der Branche und den nationalen Regierungen darüber. Derzeit würden kurzfristige Maßnahmen geprüft, hieß es. "Wir sprechen über die Zahl der Personen im Cockpit." Es werde ermittelt, ob neue Empfehlungen angemessen und machbar seien.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit, EASA, kann verbindliche technische Vorgaben nur für die Flugtauglichkeit von Maschinen machen. In anderen Fragen spricht sie Empfehlungen aus - diese können aber eine Grundlage für spätere Gesetze sein.

Verkehrsminister begrüßt Neuregelung

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) begrüßte die neue Richtlinie. "Das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit ist eine richtige Überlegung", sagte Dobrindt der Nachrichtenagentur dpa.

Wo die Zwei-Personen-Regel schon gilt

In den USA wird das Prinzip bereits praktiziert.

In Großbritannien ändern die meisten Airlines ihre Regeln nach einer Empfehlung der Flugsicherheitsbehörde. Bei den Fluggesellschaften Virgin Atlantic, Easyjet, Monarch und Thomas Cook muss sich künftig ein Mitglied der Kabinen-Besatzung im Cockpit aufhalten, wenn einer der Piloten seinen Platz verlässt. Bei den Billigfliegern Jet2 und Flybe sowie dem irischen Billiganbieter Ryanair ist es schon Standard. British Airways wollte sich zunächst nicht äußern.

Von Air France hieß es, man verfolge aufmerksam Entwicklung und Ergebnisse der juristischen und technischen Untersuchungen. Die Frage der Anwesenheit einer zweiten Person im Cockpit sei ein wichtiges Thema.

Auch Air Baltic, Norwegian und Air Canada führen nach eigenen Angaben die Zwei-Personen-Regel ein. Bei der tschechischen Fluglinie Czech Airlines (CSA) und der tschechischen Charterfluggesellschaft Travel Service gilt die Vier-Augen-Regel bereits.

Auch Australien überprüft die Regeln. Die Regierung habe von den Fluglinien Informationen zu den Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AAP. Neuseeland führt die Zwei-Personen-Regel ab sofort ein, teilte die dortige Zivil-Luftfahrtbehörde (CAA) mit.