bedeckt München 19°

Nach Dauerregen:Oberland unter

Hochwasser Bad Tölz 2020

In Bad Tölz hat der Regen den Spielplatz an der Isarpromenade in einen Wasserpark verwandelt - er musste gesperrt werden.

Lang anhaltender Regen hat am Dienstag zu massiven Überschwemmungen im Landkreis und der Region geführt. Rettungskräfte verzeichnen fast 60 Einsätze wegen vollgelaufener Keller, Straßen und Parkhäuser müssen gesperrt werden. Vor allem der Pegel der Loisach bereitet Sorge

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Zunächst waren es noch leise Piepstöne, die an Smartphones mit Wetterapps vor Unwetter und Starkregen gewarnt haben. Von Sonntag an folgte für alle das permanente, enervierende Prasseln auf Dächer und Scheiben, bis schließlich Montagabend in vielen Kommunen die Sirenen heulten: Weil es seit Tagen extrem regnet, sind die Pegel der Gewässer im Landkreis und in der Region bedrohlich angestiegen. Keller liefen voll, Straßen, Wege und Plätze mussten gesperrt werden. Bachläufe schwollen zu Flüssen an, Felder verwandelten sich in Seenlandschaften und an Loisach und Isar wurden Hochwasser-Meldestufen erreicht. Vor allem an der Loisach spitzte sich die Lage zu. So war beispielsweise das Beuerberger Klärwerk von Überschwemmung bedroht, Häuser in Ufernähe wurden von braunen Wassermassen unterspült und die Staatsstraße 2370 musste im Bereich von Maxkron bis Quarzbichl beidseitig gesperrt werden.

Auch die Städte hatten mit den Unwetterfolgen zu kämpfen: In Bad Tölz wurde der Parkplatz an der Isarpromenade mitsamt dem beliebten Wohnmobil-Stellplatz wegen Überflutungsgefahr geräumt und geschlossen, die Bürgermeister-Holzner-Promenade durfte hochwasserbedingt nicht mehr betreten werden. Zudem rief die Stadt dazu auf, vorsorglich alle Fahrzeuge vom Deck A des Parkhauses an der Bockschützstraße zu entfernen. Die Hochwassersituation in Bad Tölz und Gaißach hatte sich auch durch einen verstopften Zufluss zur Isar verschärft: Treibgut und Totholz hatten ein Wehr an der Großen Gaißach verstopft, wodurch sich dort das Wasser aufgestaut hatte. Die Stadt ordnete deshalb am Dienstag an, dass ein Kran das Wehr freiräumen solle, um den Abfluss wieder zu gewährleisten.

Die Stadt Geretsried musste bis auf Weiteres sogenannte Sperrzonen einrichten, und zwar seit Montag von Königsdorfer Weg/Jeschkenstraße in Richtung Süden und der Stollenwiese, seit Dienstag zudem auch im Bereich Ziegelei Gelting, dem Isarradweg und der Verbindung Isarradweg, da diese komplett überflutet waren. "Zum Schutz von Leib und Leben" sei die Stadt gehalten, eine solche Allgemeinverfügung zu erlassen, erklärte dazu Bürgermeister Michael Müller (CSU).

In Bad Heilbrunn waren manche Straßen wie hier nach Fletzen nur noch mit schwerem Gerät zugänglich.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In Wolfratshausen wiederum öffneten die Stadtwerke die Schleuse am Kastenmühlwehr, weil sonst der Wasserdruck der Loisach auf den Bau zu groß geworden wäre. "Seit Sonntag sind jeweils zwei unserer Mitarbeiter dort Tag und Nacht im Einsatz, um den Abfluss zu gewährleisten", beschrieb Thomas Fritz von den Stadtwerken die Situation. Nicht alleine die Wassermassen seien dort das Problem, sondern auch Treibgut. So musste am Dienstag ein größerer Baum, den der Fluss mit sich gerissen hatte, unter großen Kraftanstrengungen entfernt werden.

Situationen, die folglich kaum Verschnaufpausen ließen, auch nicht für die Feuerwehrleute: 56 Einsätze verzeichneten sie im Landkreis alleine bis zum Dienstagnachmittag, 38 davon im Südlandkreis. "Also, normal ist das nicht", sagte dazu Kreisfeuerwehr-Sprecher Stefan Kießkalt. Denn erst vor einem Monat hatten Unwetter gewütet und dabei insbesondere Königsdorf schwer getroffen. Dieses Mal flossen zumindest dort zwar die Wassermassen - weil ohne Hagel - besser ab, und ließen das Dorf wirken wie eine Insel, umgeben von Seenlandschaften. Schwerer traf es jedoch dieses Mal die Nachbarkommunen Eurasburg und Bad Heilbrunn. Im Beuerberger Gasthaus "Zur Mühle" musste die Feuerwehr mit Pumpen den Keller trockenlegen, der Heilbrunner Ortsteil Hohenbirken war zeitweise wegen überfluteter Zufahrtsstraßen nicht mehr erreichbar. Auch Mürnsee und Reindlschmiede erwischte es heftig, berichtete Kießkalt. Ebenso Kochel am See, wo es acht Alarmierungen wegen vollgelaufener Keller gegeben habe.

Die braune Brühe wälzte sich auch in Münsing in viele Häuser. Am Hauserweg sei das Wasser vom angrenzenden Hang in die Keller gedrungen. "Die Feuerwehrkameraden hatten alle Hände voll zu tun, dort abzupumpen und mit Sandsäcken Barrieren zu errichten", sagte Kießkalt.

In Beuerberg ging die Loisach über die Ufer und suchte sich außerhalb des Flussbetts ihren Weg.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Gegen Dienstagmittag schwächten sich die Regenfälle zwar ab, dennoch blieben die Retter weiter in Alarmbereitschaft. "Vor allem auf die Loisach werden wir weiter ein kritisches Auge haben müssen", sagte Kießkalt. Denn anders als für die Isar ließen sich für diesen Fluss die Pegelstände grundsätzlich schlecht voraussagen. Während bei der Isar der Sylvensteinspeicher als Regulator diene, fließe die Loisach unreguliert aus dem Kochelsee. Am Dienstagmittag lag der Pegel der Loisach laut Kießkalt bei 5,18 Metern. "Ab 5,30 Metern wird es kritisch", sagte er. Denn dann laufe das am Fluss gelegene Klärwerk in Beuerberg voll.

Den Feuerwehren stellte sich deshalb am Dienstag die Frage, ob und wann prophylaktisch Sandsäcke als Barriere aufzubauen seien. Bereits befüllte Säcke würden für solche Fälle stets vorgehalten, unter anderem in den Bauhöfen der jeweiligen Kommunen. "Letztlich hoffen wir aber, dass der Pegel jetzt doch sinkt", sagte Kießkalt am Nachmittag und fügte nach einer kurzen Pause an: "Schließlich hätte er das den Prognosen nach schon längst tun sollen." Dann, so die Vorhersagen, stehe wieder das andere Extrem an: eine Hitzewelle.

© SZ vom 05.08.2020
A8 gesperrt und überflutet

Überschwemmungen in Südostbayern
:Mehrere kleine Erdrutsche in Garmisch-Partenkirchen

Das Gebiet rund um die Partnachklamm soll gemieden werden. An der A 8 verteilten Einsatzkräfte 4000 Sandsäcke. In Passau sinkt der Pegel nur langsam.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite