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Talentiade-Preis für Ann-Kathrin Spöri:Erinnerungsfoto ins Trainingslager

Stolz auf Ann-Kathrin: Trainer Udo Lehmann, die Eltern Ralph und Angelika Spöri und Korbinian Holzer.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ann-Kathrin Spöri aus Geretsried ist die deutsche Badminton-Hoffnung. Die 16-Jährige bereitet sich in Dänemark vor, Trainer und Eltern feiern.

Am Ende der Preisverleihung springen sie alle noch einmal auf die Bühne. Mutter, Vater, Trainer, Vereinsvorsitzender, früherer Vorstand, Freunde, Bürgermeister, Sportreferent - alle belagern das SZ-grüne Sofa. Schnell, ein Foto, das können wir Ann-Kathrin schicken! Sie soll miterleben können, wie sehr sich alle für sie freuen. Klick.

Der Star des Abends fehlt bei der Verleihung der Talentiade-Preise: Ann-Kathrin Spöri befindet sich auf einem Trainingslehrgang in Dänemark. Immer unterwegs, immer am Trainieren, so ist das nun einmal mit Spitzensportlern. Und das ist die Geretsriederin auch mit ihren 16 Jahren schon. Ann-Kathrin Spöri ist nicht nur eine, sie ist die deutsche Nachwuchshoffnung im Badminton. Trainer und Funktionäre trauen ihr Großes zu. Ihre Eltern Angelika und Ralph Spöri sind ohnehin mächtig stolz auf ihre Ann-Kathrin.

SZ-Talentiade

Traumziel Olympia

Ann-Kathrin Spöri zählt zur Badminton-Elite Deutschlands. Doch bevor sie ihre Leidenschaft für diesen Sport entdeckte, trainierte sie auf dem Eis.   Von Peter Buchholtz

Sie ist Deutsche Meisterin in den Altersklassen U15 und U17, erreichte in beiden Altersklassen auch die Viertelfinals der Europameisterschaften. Erst im Mai landete sie einen Überraschungserfolg: Bei ihrem ersten großen Turnier - einem Weltcup in Rumänien - besiegte sie eine favorisierte Italienerin und schlug sich bis ins Viertelfinale durch.

Ihr früherer Trainer beim TuS Geretsried, Udo Lehmann, schwärmt: "So ein Talent sieht man selten in einem Trainerleben." Jugend-Bundestrainer Matthias Hütten zählt sie zu den "Topspielerinnen Europas". Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele. Bundestrainer Hütten sagt: "Es gibt keinen Grund, warum sie das nicht erreichen kann." Schwächen hat sie kaum. Wenn überhaupt, sagt Trainer Lehmann, dass sie sich mit Tricks und Finten beim Spiel zurückhält. Auch so sind echte Sportler - einfach gerade heraus.

Ann-Kathrin Spöris Schmetterbälle, Drives und Drops fliegen den Besuchern der Preisverleihung trotz ihrer Abwesenheit um die Ohren. Sie ist die Protagonistin eines Films des Badminton-Verbands, der bei beim Festakt gezeigt wird. Den Preis nimmt ihre große Delegation entgegen.

Leider sei kein Flughafen in der Nähe des Trainingslagers, um mal schnell vorbeizuschauen, entschuldigt ihre Mutter noch die Abwesenheit. Wahrscheinlich würde Ann-Kathrin aber auch nicht kommen, wenn sie in einer Abfertigungshalle üben würde. Schließlich stehen die nächsten großen Turniere an - im August in Bulgarien, erst ein Jugend- und dann ein Erwachsenenturnier.

"Sie hat ihre Entscheidungen immer selbst getroffen", sagt ihr früherer Trainer Lehmann. Entgegen mancher Empfehlung sei die 16-Jährige aus der aufstrebenden Stadt wenige Kilometer südlich von Wolfratshausen an den Olympiastützpunkt samt Internat in Mülheim an der Ruhr gezogen - 673 Kilometer weit weg. "Sie wollte mehr trainieren. Ihr hat es bei uns nicht mehr gereicht."

Der frühere Vereinschef Stephan Heinle kann den Schritt nachvollziehen: "Das ist die Karriere." Vereine könnten einen Basis schaffen, dann müssten die Sportler in die Welt hinaus. "Und sie spielt ja noch bei uns", sagt er beschwichtigend. Ann-Kathrin Spöri trainiert zwar am Olympiastützpunkt, sie will aber auch in der kommenden Saison wieder für den TuS Geretsried in der Regionalliga antreten.

An ihren Verein denkt sie auch bei der Preisverleihung. "Sie findet es schön, dass sie sich auf diesem Weg bei ihrem Verein revanchieren kann", richtet ihre Mutter Angelika Spöri aus. "Denn der Verein hat so viel für sie getan." Die neun Talentiade-Auszeichnungen sind mit einem Preisgeld von jeweils 1500 Euro dotiert, das die Heimatclubs der geehrten Sportler zur Nachwuchsförderung erhalten - sicher gut investiertes Geld beim TuS Geretsried, dem mit rund 2300 Mitgliedern größten Verein im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

In ihrer Heimatstadt ist Ann-Kathrin Spöri schon 2016 mit dem Titel "Sportlerin des Jahres" ausgezeichnet worden. Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner lobt ihre Leistung, er hält sie schon jetzt für ein sportliches Aushängeschild Geretsrieds. Durch ihre Turnierauftritte mache sie die Stadt weit über die Region hinaus bekannt.

Die Delegation erlebt an dem Abend im SZ-Hochhaus auch eine Überraschung. Ann-Kathrins Talentiade-Preis überreicht Korbinian Holzer, Eishockeystar der US-Profiliga NHL. "Das ist auch einer von uns", tuscheln die Geretsrieder, noch bevor die Moderatoren Holzers Anfänge im Verein erwähnen können. Auch Fußball hat er dort in der Jugend gespielt, trainiert wurde er von Bürgermeister Hopfner, der damals aushalf. Begeistert ziehen sie den Geretsrieder mit aufs Erinnerungsfoto rund ums grüne Sofa.