Prämiert Zusammen viel erreicht

Tauschpartys, weniger Müll, Arbeit im Garten: Neun Schulen im Landkreis und in Penzberg werden für ihren Einsatz für die Umwelt ausgezeichnet.

Von Marika Wildhagen

- Eine Regenwald AG, ein eigener Schulgarten, ein Schülercafé, in dem fair gehandelte Produkte verkauft werden, Tauschpartys - Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit findet auf zahlreiche unterschiedliche Weisen Platz im Alltag bayerischer Lehranstalten. Für dieses Engagement zeichnet sie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) einmal jährlich aus.

Neun Schulen aus dem Landkreis und aus Penzberg erhielten in diesem Jahr die Auszeichnung "Umweltschule in Europa/Internationale Agenda 21-Schule", 348 waren es in ganz Bayern. Eine Auszeichnung gibt es für Schulen, die sich im Laufe des Schuljahres zwei Projekten zu den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit widmen. Der Ablauf der Projekte muss dokumentiert und anschließend einer Jury vorgelegt werden.

Heuer wurden vier Penzberger Schulen ausgezeichnet. Das Thema Umwelt interessiere die Kinder und Jugendlichen sehr. Sie wollten mehr darüber erfahren und etwas bewirken, sagt Ute Kurz, Lehrerin an der Bürgermeister-Prandl-Mittelschule. So sei es auch die Idee eines Buben gewesen, an dem Projekt teilzunehmen, sagt Kurz. Er habe sich gefragt, warum nicht auch seine Schule teilnehme, da Gymnasium und Grundschule bereits mehrmals teilgenommen hatten.

Themenfindung in Hohenburg: Realschülerinnen und Gymnasiastinnen überlegen gemeinsam, welche Projekte sie angehen wollen.

(Foto: Matthias Rachel/oh)

Nun erhält sie bereits zum dritten Mal eine Auszeichnung, in diesem Jahr die höchste, die vergeben wird: drei Sterne. Die erhalte man für ein schulübergreifendes Projekt, erklärt Kurz. Gemeinsam mit dem ebenfalls mit drei Sternen ausgezeichneten Gymnasium Penzberg veranstaltete die Mittelschule eine Tauschparty für Kleidung. Die Jungen und Mädchen brachten dazu eigene Jacken, Hosen, Pullover und T-Shirts mit, für die sie Tauschbons erhielten. Mit diesen konnten sie Tauschartikel von Mitschülern erwerben. Es habe bereits die zweite Tauschparty stattgefunden - 50 Schüler des Gymnasiums, der Realschule und der Mittelschule hätten teilgenommen. Die Kooperation der Schulen untereinander solle bestehen bleiben.

Auch für ihr Projekt "Auf in den Schulwald" erhielt die Mittelschule Unterstützung von Schülern des Gymnasium. Bei einer Springkraut-Entfernungsaktion in dem Waldstück, das die Stadtverwaltung Penzberg der Schule auf Anfrage zur Verfügung gestellt hatte, arbeiteten Schüler von Mittelschule und Gymnasium mit dem zuständigen Förster Marco Walbrecker daran, die neu eingewanderte Pflanze zu entfernen, die mancherorts alles zuwuchert.

Das Gymnasium nimmt bereits seit sechs Jahren am Projekt "Umweltschulen" teil. Einen wesentlichen Teil der Arbeit übernimmt dabei die Umwelt AG, welche aus 22 Schülern aus den fünften bis achten Klassen besteht. Sie eröffnete einen Umwelt-Shop, in dem beispielsweise Fair-Trade-Schokolade und nachhaltige Bleistifte verkauft werden.

Zur Preisverleihung mit Ministerin Ulrike Scharf (rechts) kamen auch die Grundschüler aus Bad Heilbrunn mit ihrer Schulleiterin nach Erding.

(Foto: oh)

Auch an der Heinrich-Campendonk-Realschule werden im Schülercafé Produkte aus fairem Handel, zum Beispiel Maniok-Chips, sowie Hefte und Blöcke aus Recyclingpapier zum Verkauf angeboten. Für den Druck sämtlicher Kopien von Arbeitsblättern und Schulaufgaben wird seit dem vergangenem Schuljahr ausschließlich Recyclingpapier verwendet.

Die Schüler der vierten Klassen der Grundschule Penzberg waren als "Einkaufsdetektive" in Supermärkten unterwegs und setzten sich dabei mit der Herkunft von Lebensmitteln und den Begrifflichkeiten Öko, Bio und Fair Trade auseinander. Die Erst-, Zweit- und Drittklässler blickten im Rahmen ihres Projekts "Wie wollen wir leben im Jahr 2030?" auf den Wandel verschiedener Lebensbereiche und wie sie sich diesen Wandel vorstellen. Sie betrachteten dabei die Themen Körperpflege, Spielen, Bauen und den hohen Plastikverbrauch.

Ausgezeichnet wurden auch die beiden Lenggrieser Schulen: das Erzbischöfliche Sankt-Ursula-Gymnasium und die Realschule Hohenburg haben gemeinsam das Projekt "Umwelt-Engel" ins Leben gerufen, das durch die Teilnahme am Projekt "Wir übernehmen Schöpfungsverantwortung" des Erzbistums entstanden ist. Zwei Schülerinnen aus jeder Klasse beider Schulen sind Beauftragte eines Umweltteams. Dieses arbeitet über das Jahr verteilt an verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel an nachhaltiger Schulkleidung. Das gemeinsame Engagement habe gezeigt, dass nur zusammen etwas erreicht werden kann, sagt Matthias Rachel, Schulleiter der Realschule.

Weitere Projekte

Das Sonderpädagogische Förderzentrum Bad Tölz wurde ausgezeichnet für eine Projektwoche zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit, im Rahmen derer sich die Schüler anhand von Workshops, Exkursionen und Vorträgen der Thematik näherten. Außerdem setzten sie sich mit der Gestaltung ihres Pausenhofes auseinander, die einen integrierten Schulgarten beinhaltet. Dabei standen ihnen eine Naturgärtnerin und eine Kräuterpädagogin beratend zur Seite. Gebaut werden soll vom Frühjahr 2018 an.

Die Idee eines Schulgartens setzt die Grundschule Bad Heilbrunn bereits mit ihrem Projekt "Unser Schulgarten: Vom Samen zum Kraut" um. Die Schüler kümmerten sich um die Saat der Pflanzen, deren Pflege, Ernte und schließlich auch Verarbeitung. Das zweite Projekt der Schule drehte sich um das Thema Wasser: von einem "Ramadama" am umliegenden Gewässer über Papierschöpfen mit dem LBV bis hin zum Anlegen eines schuleigenen Teichs.

Die Grundschule Königsdorf kooperierte für ihr Projekt "Leben im Jahr 2030: Haltbarmachen von Lebensmitteln" mit der Grundschule in Heilbrunn. Dabei ging es um den Gedanken der Ressourcenschonung und nachhaltigen Konsum. Ziel des weiteren Projekts "Global denken - lokal handeln" ist, auf die Gefährdung von Gebäudebrütern und andere im oder am Gebäude vorkommenden Tierarten aufmerksam zu machen. Technikschüler der achten Klasse bauten Nisthilfen und brachten diese gemeinsam mit anderen Schülern in der Schulumgebung an. mrkw

Prägend war am Gymnasium die Entwicklung eines "Ökologischen Fußabdrucks", der an der Jugendsiedlung Hochland entstanden und ebenfalls preisgekrönt ist. Auch im Schulalltag wurden einige Änderungen vorgenommen, wie aus der Projektbeschreibung hervorgeht. Darunter etwa ein Wechsel des Caterers. Der neue verwendet saisonal passende Zutaten aus biologischem Anbau, ist aus der Region und liefert nur so viel Essen an, wie gebraucht wird. So werde vermieden, dass Essen weggeworfen werden muss. Beim Adventsmarkt wurde auf Einwegbesteck und -geschirr verzichtet. In der Mensa wird der Joghurt nicht mehr in 250-Gramm-Bechern, sondern offen ausgegeben, Obstsalat wird in Gläsern angeboten. Zudem wird nun an ausschließlich Recyclingpapier verwendet. Geplant ist, die Gebäude energetisch zu optimieren. Dazu kam bereits die Bürgerstiftung "Energiewende Oberland" für eine Beratung an die Schulen.