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Schule in Icking:Angriff auf die Abi-Kurse

"Ey, wie geht's euch?": Am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking wurde der Online-Unterricht infiltriert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Unbekannte haben den Online-Unterricht des Ickinger Gymnasiums gestört. Statt Bertolt Brecht ertönen da auf einmal ganz andere Töne.

Von Marie Heßlinger

Im Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium haben Unbekannte am Montag den Online-Unterricht der Oberstufe gestört. Die Schulleitung geht von einem Schülerstreich aus, unter den Schülerinnen und Schülern selbst steht auch die Vermutung eines Hacker-Angriffs im Raum.

Es war 10.45 Uhr, der Grundkurs Deutsch interpretierte gerade auf der Videochatplattform "Big Blue Button" Bertolt Brechts Gedicht "Schlechte Zeit für Lyrik". Da tauchten plötzlich nacheinander fünf neue Namen in der Videokonferenz auf. Eine wilde Abfolge elektronischer Musik ertönte. Die deutsche Nationalhymne. Schrille Klingeltöne. Die Klasse, offensichtlich irritiert, riet ihrer Deutschlehrerin, die Fremden aus der Konferenz zu schmeißen. Eine Schülerin meldete sich zu Wort: "Der gute alte Yarak" sei unter ihrem Namen in den Gruppenchat getippt worden - sie habe das aber nicht geschrieben. Daraufhin erschien auf den Bildschirmen das Gesicht eines grinsenden jungen Mannes mit dem Profilnamen "Yarak": "Ey, wie geht's euch, alles klar?", fragte er. Stille. "Ja okay, dann halt nicht." Der Fremde tippte. Musik, Stöhngeräusche. Dann wurde die Konferenz beendet - die Lehrerin hatte offensichtlich genug.

Auch ein zweiter Start wurde noch einmal durch Störgeräusche unterbrochen. Wenig später tauchte der Fremde dann im Mathekurs auf. "Zuerst dachte man sich: okay, irgendein unlustiger Scherz", erinnert sich Daniel Tonnar, einer der Deutschschüler. Als der Fremde später aber auch unter Tonnars Namen Nachrichten in die Gruppe schrieb, habe er an einen Hackerangriff gedacht, sagt der in Schäftlarn wohnende Abiturient. Und das habe auch etwas Beängstigendes. In den vergangenen Wochen hat es bundesweit Hackerangriffe auf Schulen gegeben.

Die Schulleitung des Ickinger Gymnasiums geht jedoch nicht von einem Hackerangriff aus, sondern von einem Schülerstreich. "Wir haben täglich deutlich mehr als 100 Videokonferenzen", sagt der IT-Beauftragte Stefan Berez. Echte Hacker hätten sicherlich mehr als nur zwei Konferenzen gestört, vermutet er. Vielmehr glaubt Berez, dass die Störungen aus den eigenen Reihen der Schüler kamen - in der 12. Klasse seien die jungen Leute schließlich technisch sehr versiert.

Am Fernunterricht können Schüler nun nur noch mit Zugangscodes teilnehmen

Daniel Tonnar hält das für eine Unterstellung. "Wieso sollten wir das machen", sagt er. "Wir stehen kurz vor dem Abitur." Das Gesicht des Störenfrieds sei ihm nicht bekannt vorgekommen. Seine Klasse habe den Link zum Mathekurs, der ebenfalls unterbrochen wurde, zudem nicht erhalten. Die Schulleitung aber geht davon aus, dass die Schüler den Link zum Kurs womöglich einfach an andere verschickt hätten.

Derlei Störungen werden nun erschwert. Bislang konnte sich jeder in die Konferenzen des Ickinger Gymnasiums einwählen, der die jeweiligen Einladungs-Links kannte. Das hat die Schule geändert: Fortan kann sich nur noch zuschalten, wer einen Zugangscode bekommen hat. Das sei ohnehin geplant gewesen - ganz unabhängig von den Vorfällen, heißt es von der Schulleitung.

© SZ vom 29.01.2021/aip, van
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