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Geothermie in Gelting:Energie aus 2600 Metern Tiefe

Der Geretsrieder Stadtrat stimmt der Erweiterung des Bohrplatzes bei Gelting zu. Ende nächsten Jahres soll mit dem "Eavor Loop" dort nun ein riesiger Wärmetauscher aufgebaut werden

Von Florian Zick, Geretsried

Nach zwei erfolglosen Bohrungen und drei Jahren Stillstand soll sich auf dem Geothermiegelände am Gut Breitenbach bei Gelting nächstes Jahr wieder etwas tun. Der Geretsrieder Stadtrat hat vergangene Woche einer Erweiterung des Bohrplatzes zugestimmt. Die Firma Enex und ihr kanadischer Partner Eavor Technologies werden dort nun mit einer neuen Technik versuchen, doch noch Energie aus Thermalwasser zu gewinnen.

Bei den ersten beiden Bohrungen hatte sich herausgestellt, dass es unter Gelting zwar heiß ist, aber nicht genügend Grundwasser vorhanden ist, um dort ein klassisches Geothermiekraftwerk zu betreiben. Deshalb soll nun ein sogenannter "Eavor Loop" zum Einsatz kommen, eine Art riesiger Wärmetauscher. In 2600 Metern Tiefe wird dabei Wasser durch etwa zwei Kilometer lange Leitungen gepumpt. In den heißen Gesteinsschichten erwärmt sich das Wasser und kann dann zur Stromerzeugung verwendet werden.

Die Bohrung hätte eigentlich am sogenannten Buchberger Zipfel erfolgen sollen. Dort hätte aber fast ein Hektar Wald gerodet werden müssen. Zudem befürchtete der Stadtrat eine nicht vertretbare Lärmbelastung für das nahe gelegene Tierheim. Weil sich auch Verhandlungen mit einem privaten Grundstückseigentümer zerschlugen, stand das Vorhaben schon kurz vor dem Aus. Die Firma Enex wird nun aber den ursprünglichen Bohrplatz direkt am Breitenbach erweitern. "Wir haben das zunächst für schwierig gehalten", sagt Geschäftsführer Robert Straubinger, es habe sich nun aber eine Lösung gefunden.

Geothermieanlage Hofgut Breitenbach bei Gelting, Geretsried

Seit Jahren wird versucht, in Gelting am Breitenbach regenerative Energie aus der Tiefe zu schöpfen. Nach einer Entscheidung des Geretsrieder Stadtrats kann nun der Bohrplatz erweitert werden, um künftig Wärme über einen "Eavor Loop" zu gewinnen.

(Foto: Enex/oh)

Am alten Bohrplatz läuft derzeit noch das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Forschungsprojekt "Zokrates". Dabei wird - vereinfacht ausgedrückt - nach Wegen gesucht, wie man die porösen Gesteinsschichten im Untergrund für Wasser durchlässig halten kann, ohne dafür Druck auf das Gestein ausüben zu müssen. Die Forschungsergebnisse sollen dabei helfen, bei Geothermieprojekten das Risiko von kleinen Erdbeben zu minimieren. Mitte nächsten Jahres sollen die Zokrates-Experimente aber beendet werden. Dann kann dort der dritte Geothermie-Versuch starten.

Enex-Chef Straubinger will noch vor Weihnachten die Anträge rausschicken. Er geht davon aus, dass im Frühjahr 2021 die Genehmigung da sein wird. Ende 2021 soll der Bohrplatz dann für den Einsatz des Eavor Loops umgebaut werden. Er hoffe, sagt Straubinger, dass dem Geltinger Erdwärmeprojekt beim dritten Anlauf nun etwas mehr Glück beschieden sein wird. Enex hat nach eigenen Angaben seit 2004 dort schließlich schon 30 Millionen Euro investiert. Und auch mit der kanadischen Partnerfirma habe man zuletzt intensive Verhandlungen führen müssen. Durch die Verlegung des Bohrplatzes an den Breitenbach muss Eavor nämlich nun 200 Meter tiefer graben als zunächst vorgesehen - und auch das kostet natürlich zusätzliches Geld.

Robert Straubinger, Geschäftsführer der Firma Enex, ist zuversichtlich, dass mit der Bohrplatz-Erweiterung das Projekt doch noch zum Erfolg wird.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) freut sich, dass Enex noch nicht aufgegeben hat. "Wir begrüßen das Engagement ausdrücklich", sagt er. Sollte es mit der Geothermie doch noch klappen, hätte schließlich auch die Stadt etwas davon. Der Eavor Loop soll Fernwärme liefern und auf diese Weise umweltschonend die Geretsrieder Haushalte beheizen. Und auch der prognostizierte Stromertrag ist erheblich. Enex geht davon aus, dass die beiden geplanten Kleinkraftwerke zusammen eine Leistung von 60 Megawatt haben werden. Durch den grünen Strom können nach Angaben der Projektträger rund 40 000 Tonnen Kohlendioxid (CO₂) im Jahr eingespart werden. Das ist ungefähr so viel CO₂ wie es ein Flugzeug erzeugt, wenn es viermal um die Erde fliegt.

© SZ vom 14.12.2020
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