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Forschungsprojekt:Wie gefährlich ist Plastikverschmutzung in Isar und Starnberger See?

Schondorf: Müll am See

Plastikmüll am Seeufer zerfällt in Mikropartikel, die die Umwelt belasten.

(Foto: Nila Thiel)

Im Wasser schwimmen kleinste Kunststoffteilchen. Die Universität Bayreuth will herausfinden, ob und wie sie Mensch und Tier schaden können.

Die Vermüllung der Meere mit Plastikabfällen hat schon weltweit Schlagzeilen gemacht. Brisant ist aber auch die Kontaminierung des Süßwassers mit Plastikpartikeln. Sie betrifft auch Starnberger See und Isar. Wie genau sich das Plastik auf das Ökosystem auswirkt, welche negativen Folgen es möglicherweise auch für den Menschen hat, und wie lange der Zersetzungsprozess tatsächlich dauert, das wissen die meisten nicht.

Die Universität Bayreuth arbeitet seit 2014 an einer Studie mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt und untersucht, in welchem Ausmaß bayerische Flüsse und Seen mit Mikroplastik kontaminiert sind. Starnberger See und Isar sind Teil dieser Untersuchungen. Außerdem gehen die Forscher um Professor Christian Laforsch der Frage nach, in welchem Umfang Mikroplastik in der Nahrungskette landet. Denn zu konkreten Gesundheitsgefahren gibt es bis dato noch keine Erkenntnisse.

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Zwar dürfen die Bayreuther Forscher noch keine Ergebnisse herausgeben, da es "ein politisch bedeutendes Thema ist", wie Martin Löder auf Anfrage erklärte. Aber an allen untersuchten Seen und Flüssen wurden sowohl Makro- als auch Mikropartikel nachgewiesen, wie das Landesamt für Umwelt schreibt. Die Ergebnisse sollen erst bewertet werden, wenn Vergleichsdaten aus anderen Bundesländern vorliegen. Im Herbst werden die Ergebnisse in einem Bericht veröffentlicht, teilte der Sprecher des Umweltministeriums mit.

Gefährlich sind die Partikel, weil sie in der Nahrungskette der Lebewesen in und um die Gewässer landen und die Tiere praktisch bei vollem Magen verhungern können. Aber auch, weil sie giftige organische Stoffe aufnehmen und weitertransportieren, die gesundheitsschädigend sind. "Über das Ausmaß und mögliche langfristige Auswirkungen ist bisher zu wenig bekannt, um belastbare Aussagen über ein Gesundheitsrisiko der Bevölkerung treffen zu können", heißt es in einem Schreiben des bayerischen Umweltministeriums zu dem Forschungsprojekt. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit werde klären, ob und wie sich Mikroplastik in der Umwelt auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Die bisher untersuchten Flüssen Altmühl, Inn, Isar und Donau sind dem Umweltministerium zufolge gering bis mittel mit Mikroplastikpartikeln von unter fünf Millimetern belastet. Eine aktuelle Auswertung zeige, dass sich auch noch kleinere Mikroplastikpartikel mit einer Größe von unter einem Millimeter im Oberflächenwasser nachweisen lassen. Sie stellen sogar den Hauptanteil an Mikroplastik im Wasser dar.

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Am Starnberger See untersuchen die Forscher, wie die Mikropartikel ins Wasser gelangen. Denn er hat nur kleine natürliche Zuflüsse und ist nicht an Kläranlagen angeschlossen. Die Vermutung liegt nahe, dass der See durch die voranschreitende Zersetzung des Plastikmülls im Wasser verschmutzt wird. Eine dünne Angelschnur braucht je nach Art und Beschaffenheit des Gewässers etwa 600 Jahre, bis sie sich zersetzt hat. Plastik baue sich nie vollständig ab, sondern zerfalle immer weiter in kleinste Einzelteile, eben das Mikroplastik, erklärt Felix Poetschke, Pressesprecher des Umweltbundesamts. Dem bayerischen Umweltministerium zufolge kann allein der Deckel eines Coffee-to-go-Bechers in rund zwei Millionen kleine Plastikpartikel zerfallen.

Das Mikroplastik gelangt aber nicht nur in die Gewässer, weil Menschen Müll in der Natur zurücklassen, sondern auch durch aktiv produzierte Mikropartikel, die in Kosmetika und Waschmittel einen Peelingeffekt erzeugen sollen. Schließlich gelangen auch beim Wäschewaschen ausgeschwemmte Kunststofffasern aus der Kleidung über das Abwasser in die Kläranlagen. Die können die Kleinstteile nicht herausfiltern. Das Ministerium rät folglich zum Verzicht auf Plastikprodukte, insbesondere auf solche, die Mikroplastik enthalten.

Bei der internationalen Kampagne "Beat the Microbead" gegen Mikroplastik und beim Bund Naturschutz findet man Produktlisten, die zeigen, wo kleinste Plastikpartikel drin sind. Die Listen sind erschreckend lang.