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Wolfratshausen:Isar-Kaufhaus soll abgerissen werden

Im Neubau könnten Wohnungen, Büros und im Erdgeschoss ein großer Laden unterkommen. Der Anwalt der Eigentümerin bringt einen Bio-Markt und H&M ins Gespräch.

Es ist beinahe dieselbe Situation wie vor zwei Jahren, aber eben nur beinahe: Angela Scheller, Eigentümerin des seit fast vier Jahren leer stehenden ehemaligen Isar-Kaufhauses am Wolfratshauser Untermarkt 7 bis 11 will diese drei Gebäude abreißen lassen. Der Antrag steht kommende Woche auf der Tagesordnung des städtischen Bauausschusses. Dieser hatte schon im November 2014 keine Einwände gegen einen Abriss. Diesmal aber liegt parallel auch ein Antrag auf Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses vor. Und andeutungsweise werden bereits mögliche Nutzungen wie ein Bio-Markt oder eine Filiale des Textilhauses Hennes und Mauritz (H&M) genannt. Damit sind für die Stadtpolitik konkrete Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der Innenstadt an dieser prägnanten Stelle verbunden. "Das Wichtigste ist, dass hier wieder was passiert", sagt Wirtschaftsreferent Helmut Forster (BVW), selbst nicht Mitglied des Bauausschusses. Er kennt aber die konkreten Pläne und nennt sie "empfehlenswert".

Rechtsanwalt Harald Mosler, der die Eigentümerin in dieser Angelegenheit vertritt, sagt, das Anwesen biete - wenn Abriss und Neubau genehmigt würden - beste Chancen auf Vermietung. Besonders das Erdgeschoss mit 900 Quadratmetern sei für viele Einzelhandelsunternehmen höchst interessant: "Die größte ebenerdige geschlossene Fläche in der Wolfratshauser Innenstadt." Das Konzept des in der Stadt alteingesessenen Architekten Tom Ferster für einen Neubau sehe im Erdgeschoss Gewerbe, im ersten Stock Büros und Praxen, darüber ausschließlich Wohnungen vor - etwa 15 Einheiten. Die Eigentümerin will das Anwesen soweit planungsreif machen, dass sie es dann verkaufen kann. "Es gibt einen Investor", sagt Mosler.

Eine Entscheidung über den Abriss trifft allerdings nicht die Stadt Wolfratshausen, sondern das Landratsamt, vermutlich in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Denn die drei Gebäude fallen unter den Ensembleschutz der Wolfratshauser Altstadt. Bis vor drei Jahren war eines davon, die ehemalige Seifensiederei mit der Hausnummer 11, sogar noch als Einzeldenkmal geschützt. Es wurde aber als solches aus der Liste genommen, da der historische Bestand bereits durch frühere Eingriffe zu stark verändert worden sei. Als der Bauausschuss vor zwei Jahren zu einem Komplettabriss einstimmig Ja gesagt hatte, protestierte der Historische Verein Wolfratshausen. Die Seifensiederei mit dem geschweiften Giebel sei unbedingt schützenswert.

Mosler hingegen sagt, wirtschaftlich sei die einzig vertretbare Lösung der Komplettabriss. Wirtschaftsreferent Forster unterstützt dies mit einem Zusatzargument: Wenn das Seifensiederei-Gebäude abgerissen werde, könne man das schmale Dr.-Happ-Gassl daneben ein wenig verbreitern, meint er.

Was das äußere Erscheinungsbild des gesamten Komplexes angeht, versichert Mosler, man werde nach dem Neubau "gar nicht merken, dass sich da großartig was verändert hat". Allerdings soll das flache Dach der Hausnummer 9 durch einen ebenso spitzen Giebel wie bei Nummer 7 ersetzt werden. Wichtiger für Vermietungen ist es ohnehin, wie das Gebäude innen gestaltet wird. Denn ein Problem war bisher die enorme Tiefe und damit verbunden Finsternis. Um die Räume oberhalb der gewerblichen Nutzung heller zu machen, sei ein "offener Kern", wie Mosler sagt, vorgesehen, "der Licht und Luft reinlässt".

Seit bald vier Jahren stehen diese drei Anwesen leer, jetzt sollen sie einem neuen Komplex weichen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mosler, der sich als Anwalt auf die Beratung vor allem mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat und auch an der Entwicklung des hiesigen Bahnhofareals beteiligt ist, sieht keinen Verlust an Attraktivität des Standorts Wolfratshausen. Er jedenfalls habe "eine Latte an Interessenten". Für den Untermarkt 7 bis 11 nennt er als vorstellbare Nutzung "das Thema Bio" oder H&M. Sollte alles reibungslos laufen, sei mit einer Eröffnung 2019 zu rechnen.

Bauausschuss des Stadtrats, Mittwoch, 7. September, 18 Uhr, Rathaus, Sitzungssaal

Anwalt Harald Mosler ist auf die Beratung mittelständischer Unternehmen spezialisiert, er vertritt die Eigentümerin des früheren Isar-Kaufhauses.

(Foto: Hartmut Pöstges)