bedeckt München 21°
vgwortpixel

Erneuerbare Energien im Wintersport:Fürs grüne Gewissen auf weißer Piste

Jaudenhanglift

Am Brauneck wird viel getan, um den Wintersport weiterhin sicherzustellen. Der Einsatz von Kunstschnee ist jedoch nicht unumstritten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Gemeinde Lenggries will prüfen lassen, ob der Kunstschnee am Brauneck mit Ökostrom erzeugt werden kann.

Die Winter werden milder, die Pisten in tieferen Lagen grüner. Auch am Brauneck, wo in diesem Winter der Skibetrieb ohne Beschneiung kaum möglich wäre. Kann man den Schnee vor dem Klimawandel retten ohne diesen dadurch noch mehr anzuheizen? Oder anders: Sollte Kunstschnee nicht wenigstens klimafreundlich erzeugt werden? Die Freien Wähler wollen das am Brauneck prüfen lassen und gegebenenfalls einen Umstieg auf Ökostrom anregen. Ein entsprechender Antrag wurde am Montag im Gemeinderat einstimmig befürwortet.

Die CSU wittert freilich heiße Wahlkampf-Luft, denn die Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH sei ein Privatunternehmen und die Gemeinde habe kaum Einfluss, sagte Fraktionssprecher Bernhard Simon. Die Gemeinde hält neun Prozent der Anteile an der Bergbahn, Hauptanteilseigner ist die Schörghuber-Gruppe. "Der Skisport am Brauneck ist ein ganz wichtiges Standbein für die Gemeinde", stellte Florian Forstner (FWG) klar, der den Antrag angeregt hatte. Die Betreibergesellschaft habe viel investiert, um den Wintersport bei immer milderen Temperaturen auch in den kommenden Jahrzehnten sicherzustellen. Neben der "technischen Nachhaltigkeit" müsse aber unbedingt auch die ökologische mitgedacht werden. Denn der Einsatz von Kunstschnee sei nicht unumstritten, sagte Forstner. Das Ziel müsse sein, Lifte und Schneekanonen mit Ökostrom zu betreiben und auf klimaschädlichen Kohlestrom zu verzichten. Forstner ist überzeugt, dass Skifahrer bereit wären, mehr für einen Skipass zu bezahlen, wenn sie ihren Sport guten Gewissens ausüben könnten. Die Verwendung von Ökostrom etwa aus Wasserkraft könnte nach Ansicht von Forstner auch als Argument beim Marketing des Skigebiets genutzt werden.

Wie Bürgermeister Werner Weindl (CSU) erklärte, mache die Schörghuber-Gruppe für ihre Unternehmensteile eine gemeinsame Ausschreibung bei der Energieversorgung. In diesem Pool sei auch Ökostrom dabei. Mit welchem Anteil, habe ihm Bergbahnchef Peter Lorenz bei einem Telefonat aber nicht beantworten können. Man werde die Anfrage der Freien Wähler nun an das Unternehmen weiterleiten. Die Gemeinde könne jedenfalls nicht in das operative Geschäft der Bergbahn eingreifen, sagte Weindl. Konsequenterweise müssten auch alle übrigen Liftbetreiber am Brauneck, die zum Teil ebenfalls beschneien, angesprochen werden.

CSU-Fraktionschef Simon lobte die Bergbahn für ihr "umweltschonendes Verhalten." Die neue Schrödelsteinbahn sei verträglich in die Umgebung eingepasst worden, "da wird drauf geachtet, dass kein Raubbau betrieben wird". Und die Gemeinde nehme beim Thema Erneuerbare Energien ohnehin eine "Vorbildfunktion" ein, sagte Simon mit Verweis auf das Fernwärmenetz und die Kläranlage. Ein schlechtes Gewissen brauche niemand zu haben.

Bürgermeisterkandidat Markus Landthaler (FWG) betonte, dass es sich lediglich um eine Anfrage seiner Fraktion handle. "Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht."

© SZ vom 19.02.2020
Zur SZ-Startseite