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Bad Tölz-Wolfratshausen:Was der Tourismus bringt

Kochelsee Fischerhütten Sr. Josefa

Den idyllisch gelegenen Kochelsee finden nicht nur die Einheimischen schön, sondern auch viele Ausflügler aus München. In den umliegenden Orten führt das vor allem an warmen Sommertagen immer wieder zu massiven Verkehrsproblemen.

Nach Protesten gegen überbordenden Ausflugsverkehr wollen die Touristiker im Landkreis mit der Kampagne "Charmant miteinand" die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs verdeutlichen

Von Klaus Schieder, Bad Tölz-Wolfratshausen

Idyllisch gelegene Badeseen, Berghütten, lange Wander- und Radwege, Rodelbahnen, Skipisten und Langlaufloipen: Das Tölzer Land hat sommers und winters für Touristen allerlei zu bieten. Dies lockt denn auch viele Gäste an, in diesem Jahr der Corona-Pandemie vielleicht noch mehr als sonst. Was Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler oder Betreiber von Freizeiteinrichtungen nach dem Lockdown freut, ist für andere Einheimische unerträglich geworden. Unter dem Motto "Ausbremst is!" protestierten viele Einwohner heuer gegen die hohe Verkehrsbelastung, beispielsweise in Kochel und am Walchensee. In diesem Spannungsfeld melden sich nun die Touristiker zu Wort. Mit der Kampagne "Charmant miteinand im Tölzer Land" wollen der Tölzer-Land-Tourismus und die Tourist-Informationen in den Gemeinden die Bedeutung der Tourismuswirtschaft für die Region vermitteln.

Gäbe es den Fremdenverkehr nicht, wäre die Lebensqualität in der Region "nicht einmal annähernd die gleiche", betont Andreas Wüstefeld, Leiter des Tölzer-Land-Tourismus. Zwar habe er "vollstes Verständnis", dass ein Zuviel an Tagesgästen, vornehmlich aus der Metropole München, für die Bewohner in den Ausflugsgebieten an schönen Wochenenden eine große Herausforderung sei. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Vielfalt in der Gastronomie und den Geschäften, etliche Freizeiteinrichtungen und auch die drei Bergbahnen ohne diese Besucher gar nicht zu finanzieren wären.

Dem pflichtet Brita Hohenreiter bei. Sie ruft das Bild der menschenleeren Fußgängerzone in Bad Tölz aus dem Frühjahr ins Gedächtnis, als wegen des Coronavirus strikte Ausgangsbeschränkungen galten. "Geschlossene Gastronomie und geschlossene Geschäfte - so ähnlich sähe unsere Region bald auch ohne Tourismus aus", meint die Tölzer Kurdirektorin. Um die 90 Millionen Brutto-Umsatz spüle der Fremdenverkehr jedes Jahr in die Kassen der Wirtschaftsbetriebe in Tölz. "Dies stellt einen wichtigen Beitrag für einen gesunden Wirtschaftskreislauf der Stadt dar", so Hohenreiter.

Trotz der Gäste, die im Sommer kamen, leidet die Branche auch in der Region unter der Pandemie. Von allen Wirtschaftszweigen im Tölzer Land habe der Tourismus im März und im April mit einem Umsatzeinbruch von rund 33 Millionen Euro am meisten gelitten, erklärt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Tölzer Landratsamtes. Die Unsicherheit ob der Infektionsgefahr bei Fernreisen habe eine "überbordende Tagesausflugstätigkeit" bewirkt. Mit unersprießlichen Folgen, was vor allem den Verkehr in den südlichen Gemeinden des Landkreises betrifft. Dies wiederum, so befürchten die Touristiker, übe einen negativen Einfluss auf das Tourismus-Bewusstsein der Einheimischen aus. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Denn rasche Lösungen wird es kaum geben, auch wenn der Freistaat und die betroffenen Kommunen an einer Lösung der Verkehrsprobleme feilen. "Wegen der komplexen Zusammenhänge ist bis dahin leider viel Geduld vonnöten, nicht zuletzt auch aufgrund des anhaltenden Zuzugs in die Metropolregion München", weiß Wüstefeld.

In der Zwei-Seen-Region um Kochel reiht sich an schönen Sommertagen ein Auto ans andere.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Anfang 2020 hatte das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) aus München in einer Studie auch Zahlen für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen veröffentlicht: Voriges Jahr brachten demnach 1,5 Millionen Übernachtungsgäste und 7,4 Millionen Tagesgäste dort einen Bruttoumsatz von rund 335 Millionen Euro. Davon sind rund 51 Prozent auf Tagesgäste zurückzuführen. Der Umsatz kommt dem Gastgewerbe, aber auch Dienstleistern, Landwirtschaft, Handwerks- und Handelsbetrieben zugute. "Weiterhin lässt sich durch diese Zahlen grob ermessen, dass rund 4700 Vollzeitarbeitsplätze des Landkreises am Tourismus hängen", ergänzt Wüstefeld.

Die Vermittlung solcher Zahlen soll eine wichtige Rolle in der Kampagne "Charmant miteinand" des Tölzer Land Tourismus spielen. Daneben sollen Aspekte, die schwer messbar seien, nicht zu kurz kommen, so Wüstefeld: "Wo der Tourismus lebendig ist, wird mehr investiert, und es lebt sich schöner." Geplant sind unter anderem eine eigene Kampagnen-Homepage, Social-Media-Maßnahmen, Plakate und Interviews mit Protagonisten aus dem Landkreis.

www.toelzer-land.de/charmantmiteinand

© SZ vom 26.09.2020

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