Fünf für München:Für eine bessere Gesellschaft

Fünf für München: Auszeichnung für ein Lebenswerk: Pflegekritiker Claus Fussek erhält den "Weißen Engel".

Auszeichnung für ein Lebenswerk: Pflegekritiker Claus Fussek erhält den "Weißen Engel".

(Foto: Stephan Rumpf)

Claus Fusseks Pflege-Engagement wird gewürdigt, Michael Schaar kümmert sich um die Evangelische Telefonseelsorge, Anja Wee will ukrainischen Schulkindern helfen - die Münchnerinnen und Münchner der Woche.

Von Bernhard Blöchl, Sonja Niesmann, Martina Scherf und Andrea Schlaier, München

Der Engel der Alten

Seit mehr als 40 Jahren kämpft Claus Fussek für eine bessere Pflege, für die Rechte von alten Menschen sowie für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung. Für seine Kritik an den Missständen ist er bundesweit bekannt und gefürchtet, vor allem den Funktionären in den Pflegeverbänden war er ein unbequemer Widerpart. Ende Januar ist der Sozialpädagoge in Rente gegangen, die rund 400 Ordner mit den gesammelten Berichten von Angehörigen und Betroffenen hat er in seinem Büro zurückgelassen. Nun hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) den 69-Jährigen mit dem "Weißen Engel" für vorbildliche Leistungen im Gesundheits- und Pflegebereich ausgezeichnet. "Claus Fussek wird zu Recht als 'Engel der Alten' bezeichnet", erklärte Holetschek, "sich für schwache Menschen stark zu machen, war nicht nur sein Beruf, sondern auch seine Berufung." Fussek habe auf das Thema Pflege aufmerksam gemacht, als sich noch kaum jemand dafür interessiert hat. "Er hat immer wieder den Finger in die Wunde gelegt und auf die Missstände in der Pflege hingewiesen. Er war unbequem - und das ist gut", so Holetschek.

Nach Ansicht des bayerischen Gesundheitsministers ist in der Pflege schon viel erreicht worden, aber man stehe weiterhin vor großen Herausforderungen. Er freue sich deshalb, mit Claus Fussek einen "engagierten Mitstreiter" zur Seite zu haben. Denn Rente bedeutet für Fussek, wie er selbst angekündigt hat, längst nicht Ruhestand. "Wir haben ein Pflegesystem, das eigentlich komplett auf den Prüfstand gehört", sagte er unlängst in einem SZ-Interview.

Das coole Lama

Fünf für München: Anja Wee hat ihr Übungsportal für Grundschüler nun auch auf ukrainisch und russisch ins Netz gestellt.

Anja Wee hat ihr Übungsportal für Grundschüler nun auch auf ukrainisch und russisch ins Netz gestellt.

(Foto: privat)

"Coollama" hilft Grundschulkindern beim Mathelernen. Anja Wee hat die lustige Plattform, bei der ein pupsendes Lama mit Zahlen jongliert, vor Jahren erfunden. Jetzt will die Münchnerin ukrainischen Flüchtlingskindern den Einstieg in den Alltag und in die Grundschule in Deutschland erleichtern. Sie hat mit ihren Mitarbeiterinnen verschiedene Mathe- und einfache Sprachübungen in deutsch-ukrainisch und deutsch-russisch sowie eine Linksammlung mit Lernressourcen online gestellt. Das Material findet sich kostenlos zum Download (ohne Registrierung) unter www.coollama.de/ukraine.

Die gute Stube

Die gute Stube, das klingt anheimelnd. Und es ist in der Tat ein freundlicher, warmer Ort, den Steffi Leitz, Mathias Schmidt und Michael Berndt da im Gebäude eines alten Klosters an der Schleißheimer Straße 278 eingerichtet haben. Ein Treff für Seniorinnen und Senioren, und mittlerweile auch Noch-Nicht-Senioren, mit Fitness-, Bastel-, Schreib- und Musikstube sowie einem großen Stubengarten, ein Ort gegen Einsamkeit und Einrosten. Im vergangenen Jahr hat die gute Stube den mit 5000 Euro dotierten Deutschen Nachbarschaftspreis der Stiftung nebenan.de gewonnen. Nun ist sie beim Wettbewerb "Gutes Beispiel" des BR-Kulturradios Bayern 2 unter den fünf Finalisten, gemeinsam mit "Open med - Gesundheit ist Menschenrecht" aus München sowie drei weiteren Projekten aus Passau, Nürnberg und Landshut. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 6. April, von 18.05 Uhr an live auf Bayern 2 statt. Bis 18.30 Uhr kann online unter bayern2.de/gutes-beispiel über die Gewinner abgestimmt werden.

Das Ohr für Hilfesuchende

Fünf für München: Aus Zürich nach München: Pfarrer Michael Schaar leitet nun die Evangelische Telefonseelsorge.

Aus Zürich nach München: Pfarrer Michael Schaar leitet nun die Evangelische Telefonseelsorge.

(Foto: privat)

Es bedarf nicht der kleinsten Rechtfertigung, warum man die 0800/111 0 111 gewählt hat: ganz gleich, ob der Anlass ein kleiner Aufreger war, der den Puls nach oben getrieben hat, oder die blanke Verzweiflung am Leben. Rund um die Uhr nimmt einer der 120 Mitarbeitenden der kostenlosen Evangelischen Telefonseelsorge, auch an Sonn- und Feiertagen, den Hörer ab und sich Zeit für alle, die auf diesem Weg ein Gespräch suchen oder Hilfe und Beistand brauchen. Die Beratung ist anonym. Seit 1. April ist Pfarrer Michael Schaar neuer Leiter dieses Dienstes, der im Evangelischen Beratungszentrum München (ebz) angesiedelt ist. "Gerade an Tagen wie diesen ist es so wichtig, dass Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger für Menschen empathisch da sind, ihnen zuhören, ihren Fragen und Ängsten Raum schenken. Auf die Mitarbeit in diesem kompetenten Team der Haupt- und Ehrenamtlichen im ebz München freue ich mich sehr", sagt der 44-Jährige über seine neue Aufgabe.

Der gebürtige Hannoveraner folgt Norbert Ellinger nach, der im Oktober die evangelische Leitung der ökumenischen Beratungsstelle "Münchner Insel" übernommen hat. Michael Schaar selbst war zuletzt in Zürich Leiter des Pilgerzentrums St. Jakob Zürich und Pfarrer der reformierten Citykirche "Offener St. Jakob". Parallel zu seiner Tätigkeit als Pfarrer hat der Theologe über mehrere Jahre als Co-Leiter des "Evangelischen Theologiekurses" mitgewirkt. Am Freitag, 6. Mai, wird Michael Schaar um 15 Uhr von Kirchenrat Klaus Schmucker, Leiter der Evangelischen Dienste München, in St. Matthäus in sein Amt eingeführt.

Der Wortwirbler

Fünf für München: Hat sein Handwerk bei Bully Herbig gelernt: Drehbuchautor Murmel Clausen.

Hat sein Handwerk bei Bully Herbig gelernt: Drehbuchautor Murmel Clausen.

(Foto: Constantin Film Verleih GmbH)

Über seinen ungezähmten Wortwitz lacht halb Deutschland. Drehbuchautor Murmel Clausen hat der "Tatort"-Reihe einen neuen Ton verpasst (gemeinsam mit Andreas Pflüger kultivierte er die Weimar-Episoden mit Nora Tschirner und Christian Ulmen) und an Serien wie "Jerks" und "Der Beischläfer" mitgewirkt. Sein Handwerk gelernt hat der 1973 in München geborene Clausen bei Bully Herbig. Nun haben sich der Autor und die Constantin Film zusammengetan. Murmel Clausen soll, zunächst für zwei Jahre, exklusiv für das Unternehmen schreiben, Stoffe suchen und entwickeln.

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