Großeinsatz am Wörthsee:70 Retter suchen einen Schwimmer

Großeinsatz am Wörthsee: Christoph Aumiller von der Wasserwacht Wörthsee und der Pilot des ADAC-Hubschraubers beobachten die Lage.

Christoph Aumiller von der Wasserwacht Wörthsee und der Pilot des ADAC-Hubschraubers beobachten die Lage.

(Foto: Wasserwacht Wörthsee)

Besucher eines Lokals schlagen Alarm, als ein Badegast in Not gerät. Doch ein aufwendiger dreistündiger Einsatz mit Tauchern und Helikoptern endet ohne Ergebnis.

Von Christian Deussing

Plötzlich wird es unruhig im "Seehaus Raabe", das direkt am Wörthsee liegt. Zwei Gäste schauen aufs Wasser und glauben zu erkennen, dass ein Schwimmer etwa 50 Meter vom Ufer entfernt in einem Bojenfeld in Not geraten ist und um Hilfe winkt. Es ist kurz vor 20 Uhr am Donnerstag und recht böig, Gischt fegt übers Wasser. Die beiden Besucher des Lokals im Ortsteil Steinebach schlagen nach ihrer Beobachtung unabhängig voneinander Alarm und lösen damit eine dreistündige Suchaktion auf dem Wörthsee aus.

Daran beteiligt sind sechs Rettungsboote, ein ADAC-Hubschrauber, ein Polizeihelikopter und mehr als 70 Einsatzkräfte von Wasserwachten, darunter acht Taucher, aus der ganzen Region. Zudem sind Rettungsdienste, die Feuerwehr Steinebach-Auing sowie Herrschinger Polizisten im Einsatz. Die Suche wird jedoch gegen 23 Uhr ergebnislos abgebrochen, zumal ein Gewitter aufgezogen ist.

Großeinsatz am Wörthsee: In Steinebach rücken viele Einsatzkräfte an.

In Steinebach rücken viele Einsatzkräfte an.

(Foto: Wasserwacht Wörthsee)

Auch am Freitag habe es keine Hinweise auf eine vermisste Person gegeben, berichtet Tobias Hollaus, Vizechef der Herrschinger Polizei. Die Gäste hätten aber absolut korrekt und schnell gehandelt, denn man solle "lieber einmal zu viel als zu wenig die Notrufnummer wählen". Auch die BRK-Wasserwacht sieht das so und dankt der Frau und dem Mann. Die beiden hätten komplett richtig gehandelt, sagt Jule Heuchert, Sprecherin der Wasserwacht Wörthsee, also nach der Regel: "Sollten Sie eine Person in Wassernot sehen, wählen Sie den Notruf 112."

Nach wenigen Minuten sind die ersten zwei Boote der Wasserwacht-Schnelleinsatzgruppen (SEG) am Bojenfeld und suchen das Gebiet ab, wo der Badegast vermutet wird. Kurz darauf überfliegt der erste Hubschrauber das Gewässer. Dessen Besatzung habe eine "helle Stelle auf dem Grund gesichtet", sagt Christian Schlosser, Einsatzleiter des BRK-Wasserrettungsdienstes. Zwei Taucher hätten aber dort in vier Metern Tiefe nur einen Baumstamm entdeckt. Die Sichtweite sei im Wasser nur sehr gering gewesen, was die Hilfsaktion erschwert habe, erläutert Schlosser.

Trotzdem weiten die Einsatzkräfte die Suche großflächig aus, fahren quer über den See bis nach Bachern hinüber, während die Hubschrauber den Wörthsee in niedriger Höhe überfliegen. Denn es sei auch möglich, dass der Schwimmer abgetrieben wurde, sagt der Einsatzleiter. Nun markiert eine knallgelbe Boje die Stelle vor dem Ufer des Lokals, wo nach der Vermutung der Gäste ein Schwimmer um sein Leben gekämpft haben könnte. Die Boje soll noch über das Wochenende als Orientierungspunkt in dem Bereich verbleiben, falls doch noch Hinweise auf einen vermissten Badegast eingehen sollten. Die Wasserwacht und die Polizei bitten deshalb dringend darum, die Boje nicht zu verschieben oder zu entfernen. Denn die Suchaktion werde sofort fortgesetzt, wenn sich die Lage ändere, kündigt Einsatzkoordinator Schlosser an.

Er lobt nicht nur die beiden Gäste, die den Alarm ausgelöst haben, sondern auch die anderen Besucher der Lokals. Sie hätten sich sehr diszipliniert verhalten, es habe auch "keine störenden Handy-Gaffer gegeben". Auf der Terrasse wurde die Einsatzleitung aufgebaut, es klappte reibungslos und schnell. Später versorgte Wirtsfrau Sonja Witiska die Einsatzkräfte mit Tee und Cappuccino zum Aufwärmen.

"Aber das hätte doch jeder gemacht, dies ist doch selbstverständlich", sagt die Pächterin. Sie erzählt, dass die Gäste im Lokal vom Einsatz der Retter sehr beeindruckt gewesen seien und ihr ausländischer Kellner die Suchaktion besonders bewundert habe.

© SZ vom 10.07.2021
Zur SZ-Startseite
Gewitterwolken über dem Starnberger See

Wetterbilanz fürs Fünfseenland
:Zu heiß und sehr gefährlich

Dieser Juni war einer der wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen - trotz Hagel und Fluten. Die Bilanz des Observatoriums Hohenpeißenberg zeigt: Es gab sogar Anzeichen eines Tornados.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB