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Weinbau:Die Wahl fiel schließlich auf die Neuzüchtung Sauvignac

So wurden 2016 in Bayern ganze 18 Hektar zusätzliche Anbauflächen genehmigt. Einen "Glückstreffer" nennt es Ernst, dass sein landwirtschaftlicher Betrieb darunter war und er einen Hektar zugesprochen bekam. Aber er habe es seinen als Akademiedozent geknüpften Beziehungen zu Agrarpolitikern zu verdanken, dass er seinen Antrag genau zum richtigen Zeitpunkt stellen konnte - und sich so gegen eine Vielzahl von Konkurrenten durchsetzte. Die Umwandlung der bisher als Weiden gemeldeten Flächen zum Weingarten musste er außerdem beim Amt für Landwirtschaft melden.

Drei Jahre hat er Zeit, die Anbaukonzession einzulösen. Nähme er sie bis heuer nicht in Anspruch, würden Sanktionen fällig: Es droht eine Strafe von 6000 Euro pro Hektar. Demnächst erwartet Ernst Kontrolleure von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim auf seinem Hof. Der vielseitige Landwirt - der außerdem Jungrinder aufzieht, zwei mobile Hühnerställe und 13 Schnittblumenfelder hat sowie einen Klettergarten und das bekannte Maislabyrinth betreibt - lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit seiner Winzer-Ambitionen: Den Klopfer-Berg hat er für 20 Jahre gepachtet, diese Zeit benötige er auch, damit sich seine Investitionen in den Weinbau amortisieren. Schon seit vielen Jahren trägt er sich mit dem Gedanken, Winzer zu werden: Seit 2004 findet in seinem Labyrinthfeld einmal jährlich eine Gauklernacht mit Weinprobe statt, heuer ist die Veranstaltung "Wein & Varietee" auf Samstag, 27. Juli, terminiert.

Auch über die anzupflanzende Rebsorte hat Ernst sich lange Gedanken gemacht: Die Wahl fiel schließlich auf die Neuzüchtung Sauvignac, eine Kreuzung aus Sauvignon blanc, Weißburgunder und wildem Wein: "Der ist wüchsig, aromatisch und pilzresistent." Letzteres ist für ihn von besonderer Bedeutung, weil er nach Biorichtlinien anbauen will. "Wir haben hier mehr als doppelt so viel Jahresniederschlag wie etwa in Würzburg. Und je feuchter das Laub ist, desto höher wird der Pilzdruck."

Natürlich ist ihm auch klar, dass die Trauben nur eine Hälfte zur Qualität des späteren Weins beitragen können, "aber die zweite Hälfte im Keller ist gesichert". Er wird seine Ernte im Kühllaster in die Pfalz fahren, wo sie in den Weingütern seiner Freunde Fischborn zu Wein verarbeitet, vergoren und ausgebaut wird. Da Weißwein nur einige Monate zur Reifung benötigt, rechnet Ernst damit, im Sommer nach der Ernte die erste Weinprobe mit eigenen Produkten bestücken zu können: Das wäre dem jetzigen Stand nach Mitte 2021.

Und mit wie vielen Flaschen darf er dann rechnen? Uli Ernst bleibt vorsichtig: "Mit Ertragserwartungen halte ich mich zurück - aber wenn alles gut läuft, könnten es 4000 bis 7000 Liter werden."

© SZ vom 29.06.2019/axi
Weinbau zur Römerzeit und im Mittelalter

Obwohl kaum schriftliche Quellen dazu vorliegen, sind sich Heimatforscher und Historiker einig, dass am Ammersee sowohl zur Römerzeit wie auch im Hochmittelalter Weinbau betrieben wurde.

Herwig Stuckenberger, Vorsitzender des Arbeitskreises der Heimatforscher des Ammerseegebietes, weiß von Gerüchten, dass Dießen einmal einen Weinberg hatte, und verweist auf den überlieferten Namen "Weingarten" für den heute bewaldeten Uferbereich zwischen Eching und Schondorf: "Dort sollen die Spuren der Rebstock-Terrassen noch deutlich sichtbar sein." Weitere Hinweise geben Flurnamen wie die "Oberen Weinbergäcker" nordöstlich Herrschings und der "Weinberg" am Hang von Widdersberg zum Pilsensee.

Der Uttinger Historiker Peter Kalus ist überzeugt, dass bis ins 14. Jahrhundert hinein am Ammersee Wein angebaut wurde: "Das kam dann wegen der Klimaänderung im Spätmittelalter zum Erliegen." Dem widerspricht Josef Reindl in den Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München von 1905, der darin die These vertritt, zugunsten von Hopfen und Gerste "ging der in Südbayern beheimatete Weinbau ganz zurück, und zwar ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen, nicht etwa wegen klimatischen Veränderungen". Kalus erinnert auch daran, dass damals die Qualitätsanforderungen an Wein nicht allzu hoch waren: "Für liturgische Zwecke hat der saure Tropfen hier bestimmt gereicht."

Dass die Rebkultur bereits mit den Römern Einzug ins Fünfseenland hielt, ist für Kalus ebenfalls fast sicher - "handfeste Beweise sind allerdings rar". Am ehesten seien noch Anbauflächen südlich von Schondorf zu belegen, wo am Uferweg die Umrisse eines Badehauses aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus entdeckt wurden. Das dazugehörige Landgut konnte bislang nicht gefunden werden, aber Kalus hält es für sehr wahrscheinlich, dass es sich auf dem Klopfer-Berg befand, wo Uli Ernst einen seiner Weinhänge angelegt hat.

ARM

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