Stand-up-Paddling:In siebeneinhalb Stunden um den Starnberger See

Andy Klotz

Andy Klotz ist auch im Herbst und Winter mit dem SUP auf dem Wasser unterwegs. Die Kleidung passt er stets der Wassertemperatur an.

(Foto: Privat)

Stehpaddel-Pionier Andy Klotz kennt die schönsten Touren in der Region. Was er Anfängern und Fortgeschrittenen empfiehlt.

Interview von Carolin Fries, Starnberg

Normalerweise ist Andy Klotz, 54, daheim schwer zu erreichen. Wenn der Maschinenbaumechaniker-Meister nicht hauptberuflich Motoren für Motorräder entwickelt, steht er auf einem seiner acht SUP-Bretter irgendwo auf dem Wasser. Kaum ein Gewässer in Bayern, das der Münchner noch nicht erkundet hat. Die schönsten Touren verrät er in seinem Reiseführer "SUP-Guide Bayerisches Alpenvorland" (Kettler Verlag). Aktuell aber sitze er nach einem Handgelenksbruch auf dem Trockenen, erzählt er am Telefon. Sobald der Gips runter ist, will er wieder loslegen.

SZ: Wann hatten Sie zum ersten Mal ein SUP-Board unter den Füßen?

Andy Klotz: Das war 2010, als es hier gerade angefangen hat mit dem SUP-Sport. Ich war mit dem Kajak in Leutstetten auf der Würm unterwegs und bin dort mit ein paar Leuten ins Gespräch gekommen, die ihre Bretter dabei hatten. Die ließen es mich und meine Kinder gleich mal ausprobieren. Ich war begeistert, wie leicht das geht.

Das klingt einfach - aber ist es das auch ohne die Vorkenntnisse eines Wassersportlers?

Nach ein bis zwei Stunden kann sich auch ein ungeübter Stehpaddler hinstellen und losfahren. Das hat ja auch den großen Boom ausgelöst. Die Discounter haben es schließlich ermöglicht, dass SUP-Boards quasi für jeden erschwinglich geworden sind.

Spricht etwas dagegen, mit einem SUP aus dem Supermarkt loszulegen?

Man sollte unbedingt vorher die Grundlagen kennenlernen, zum Beispiel in einem Einsteigerkurs. Es gibt genug Leute, die sich selbst überschätzen und dann schnell überfordert sind. Es gibt schließlich genug Gefahren, das zeigen ja auch die Unfälle, die immer wieder passieren. Zudem müssen ökologische und naturschutzrechtliche Aspekte beachtet werden. Es kommt immer wieder vor, dass unwissend in Schutzzonen gepaddelt wird. Das hat zur Konsequenz, dass die Gewässer früher oder später für SUPler im speziellen und für Wassersportler allgemein gesperrt werden können. Solche Diskussionen gibt es von Seiten der zuständigen Behörden leider immer wieder.

Welche Gefahren gibt es auf dem SUP?

Die falsche Einschätzung der Wetterlage. An den Seen ändert sich das Wetter augenblicklich, es können relativ schnell Gewitter aufziehen, das kann ziemlich stürmisch werden. Viele Stehpaddler sind ohne Leash unterwegs, das ist die Leine, die einen mit dem Brett verbindet. Wenn man da ins Wasser fällt, ist das Brett mit einer Windböe weg und damit die rettende Insel. Ich habe das selbst einmal am Gardasee erlebt. Das zweite ist die Kleidung. Wenn die Sonne scheint, die Wassertemperatur aber noch recht kühl sind, ist es eher ungesund mit T-Shirts und Shorts unterwegs zu sein, so verlockend das auch ist. Der Wassersportler sollte sich der Wassertemperatur entsprechend kleiden. Entweder mit Neopren oder sogar einem Trockenanzug, die es im Fachhandel speziell für SUP-Sportler gibt.

Wo wir bei der Ausrüstung sind: Was muss man investieren für ein SUP?

Um herauszufinden, welches Brett zu einem passt, sollte man sich zunächst bei einem Verleih ein paar Mal verschiedene Boards ausleihen - und erst dann eines kaufen. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, was ich mit dem SUP machen will: surfen am Meer, Touren auf dem See fahren, auf einem Fluss paddeln oder einfach nur chillen? Wenn man es dann ernsthaft angehen will, kostet ein aufblasbares Markenboard zwischen 600 und 700 Euro.

Die Hardboards gelten als besser...

Wenn man mal eines gefahren ist, will man kein anderes mehr. Das ist ein ganz anderes Gleiten auf dem Wasser. Aber: Ein Hardboard muss ich zu Hause lagern können und ich brauche einen Dachgepäckträger für den Transport. Ein aufblasbares SUP kann ich im Rucksack auch auf dem Fahrrad eine kurze Strecke transportieren.

Sie haben alle großen bayerischen Seen binnen eines Tages umrundet. Wie lange hat es um den Starnberger See gedauert?

Da war ich siebeneinhalb Stunden unterwegs, da muss man aber schon zügig paddeln. Der Chiemsee dauert ähnlich lange.

Und wo ist es am schönsten?

Am Staffelsee. Die vielen Inseln lassen einen immer wieder neue Ecken entdecken. Außerdem ist er nicht so groß, da ist man in zwei, drei Stunden rum. Früher war mir der Eibsee am liebsten, aber der ist inzwischen sehr überlaufen.

Weil immer von SUP als Sport die Rede ist: Welche Körperpartien spüren Sie nach einem Tag auf dem Brett am allermeisten?

Alles! Das ist ja das Schöne! Natürlich die Arme und Schultern vom Paddeln aber auch den Rumpf, der stabilisiert, bis in die Beine hinein, die das Gleichgewicht halten.

Ist das ein Sport für jeden?

Definitiv, das ist total sanft. Ich habe selbst vom Kajakfahren im Wildwasser vier Schulter-Operationen hinter mir. Beim Stehpaddeln ist mir noch nie etwas passiert und ich habe auch bei anderen von keinen größeren Verletzungen gehört.

Was ist ein klassischer Anfängerfehler?

Ich sehe immer wieder Leute, die das Paddel falsch herum halten. Die Wölbung muss natürlich nach hinten zeigen.

Weil man es immer wieder sieht: in Ordnung, wenn kleine Kinder mitfahren?

Sobald diese schwimmen können, ja. Aber auch dann nur mit Schwimmweste und nur solange, wie sie es aushalten. Außerdem sollte man sich hier nur in Ufernähe aufhalten.

Was muss unbedingt mit?

Sonnencreme, Sonnenhut und ausreichend zu Trinken. Auch ein Handy sollte für Notrufe in einer wasserdichten Tasche dabeisein. Ansonsten gilt: die Kleidung den Temperaturen anpassen.

Was macht für Sie den Zauber des Stehpaddelns aus?

Vor allem im Winter gibt es nichts Schöneres. Da ist nicht viel los auf den Seen und wenn ich alleine unterwegs bin, genieße ich die Ruhe und die Natur. Oder ich fahre mit der Familie raus. Die Kinder sind zwar schon aus dem Haus, aber auf einer SUP-Tour kommen gerne immer wieder alle zusammen.

© SZ vom 04.09.2021
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