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Jugendliche in der Corona-Krise:Die Klasse von 2021

Die Lehrerinnen der Abschlussklassen: Johanna Dietrich, Claudia Schmitz, Anne Engelhardt (von links).

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Schülerinnen und Schüler der Mittelschule in Starnberg erzählen, wie es ihnen in der Pandemie geht und was sie nach den Prüfungen vorhaben.

Von Valentina Mendez-Höcherl

Schule aus - für immer! Wirklich? Die Corona-Krise habe Schülerinnen und Schüler verunsichert, sagt Johanna Dietrich, Lehrerin der 9b an der Mittelschule in Starnberg. Einige von ihnen aus den Klassen 9a, 9b und dem M-Zug 10v2 erzählen, wie es ihnen geht und was sie nach den Prüfungen vorhaben.

Celina Horn.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Celina Horn, 14, aus Starnberg, 9a: "Ich find's gut, dass wir Abschlussklassen jetzt wieder in der Schule sind. Es ist schon ein bisschen belastend, dass wir nicht wissen, ob wir wieder in den Distanzunterricht müssen. Das wirkt sich schon negativ auf die Noten aus, aber ich habe relativ gute Noten. Deshalb möchte ich weiter in die zehnte Klasse gehen. Ich will nämlich Krankenschwester werden und dafür braucht man den Realschulabschluss. Wenn ich die Mittlere Reife habe, bin ich aber erst 17 und für die Ausbildung noch zu jung. Deshalb mache ich dazwischen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Da kann ich dann auch noch mal schauen, ob mir das wirklich Spaß macht."

Peter Ledovski.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Peter Ledovski, 15, aus Starnberg, 9b: "Für die Quali-Prüfungen habe ich viel gelernt. Ich möchte auf jeden Fall in die zehnte Klasse in Gauting gehen. Danach möchte ich Immobilienkaufmann werden, die Idee hatte ich schon vor sechs Jahren. Ich habe auch schon zwei Praktika in Betrieben in Starnberg gemacht. Eigentlich hätte ich die Ausbildung schon dieses Jahr angefangen, aber wegen Corona sind die meisten Ausbildungen ausgefallen. Jetzt suchen die Betriebe schon für 2022, dafür habe ich bereits zwei Zusagen."

Roberta Salerno.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Roberta Salerno, 15, aus Söcking, 9a: "Es war schon immer mein Gedanke, auf eine weiterführende Schule zu gehen. Aber durch Corona bin ich ein bisschen faul geworden. Es hat mir schon ein bisschen Angst gemacht, mich dann doch zu verschlechtern. Aber ich sage immer: Wenn man was will, dann erreicht man das auch."

Gianreto Götte.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Gianreto Götte, 15, aus Berg, 9b: "Die Corona-Regelungen sind ein bisschen irritierend - schließen die Schulen jetzt oder nicht? Trotzdem fühle ich mich auf den Quali vorbereitet. Danach möchte ich eine Metzger-Ausbildung starten. Ich habe mich im Münchener Schlachthof beworben. Dort kauft mein Vater viel ein und ich fahre oft mit. Er hat nämlich eine Wirtschaft und eine kleine Metzgerei. Das einwöchige Praktikum dort hat mir richtig viel Spaß gemacht. Ich durfte bei der Zerlegung von Schweinen dabei sein - und so einen riesigen Fleischwolf wie dort habe ich auch noch nie gesehen."

Kimberly Fauler.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Kimberly Fauler, 16, aus Berg, 9a: "Ich habe eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten oder zur Kinderpflegerin im Auge. Arzthelferin wäre mir aber schon lieber. Da habe ich von der Agentur für Arbeit Ausbildungsmöglichkeiten bekommen, allerdings nur bei Zahnärzten. Ich weiß aber auch noch nicht, ob ich das mit meinen Noten schaffe. Ich habe mich bei der Berufsschule für eine Ausbildung zur Kinderpflegerin angemeldet. Im Kindergarten habe ich schon zwei Praktika gemacht."

Fabian Keßler.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Fabian Keßler, 16, aus Berg, 9b: "Die Schule fiel mir im Homeschooling leichter, weil es in der Klasse immer Leute gibt, die laut sind und den Unterricht ablenken. Für die Aufgaben hatten wir auch immer den ganzen Tag Zeit. Die Lehrer versorgen uns mit Stoff, geben uns Ratschläge und sagen uns auch, wenn wir in ihren Augen noch Nachhilfe brauchen. Wenn ich den Quali-Schnitt für die zehnte Klasse schaffe, dann mache ich das. Ich habe aber auch eine Alternative, eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Da habe ich schon eine Zusage. Ich bin über Praktika auf den Beruf gekommen. Beim Praktikum durfte ich Abwasserleitungen verlegen und Rohre isolieren."

Juliane Schmid.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Juliane Schmid, 16, aus Berg, M-Klasse 10v2: "Sich den Stoff selber beizubringen war schwierig. Und jetzt sind schon Prüfungen. Auf die fühle ich mich nicht so gut vorbereitet, aber die Lehrer haben mit uns noch mal alles wiederholt. Danach möchte ich gerne auf die FOS in Starnberg gehen. Ich weiß noch nicht, ob ich studieren oder eine Ausbildung zur Polizistin machen will."

Philipp Wüstefeld.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Philipp Wüstefeld, 17, aus Söcking, M-Klasse 10v2: "Bis auf die Masken ist die Schule okay. Wenn ich mich wie bei Mathe viel konzentrieren muss, trinke ich immer viel. Deshalb laufe ich auch die ganze Zeit mit der Wasserflasche herum, weil ich sonst einen trockenen Hals bekomme und mein Kopf sonst glüht. Ich habe mich vor vier Wochen für den Technik-Zweig an der FOS in Weilheim angemeldet. Im Anschluss daran werde ich sehr wahrscheinlich auf eine Universität gehen, da ich in die Physikrichtung will. Für mich ist Physik etwas Tolles. Deshalb schaue ich mir auch schon seit der neunten Klasse Vorträge von Physikern an."

Emely Richter.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Emely Richter, 16, aus Berg, M-Klasse 10v2: "Aktuell werde ich ein Praktikumsjahr machen, wahrscheinlich bei einer Ergotherapeutin. In Zukunft möchte ich mich auf Therapien mit Pferden konzentrieren - Hippotherapien. Das ist cool, ich reite selber seit sieben Jahren. Das Pferd ist wie ein bester Freund, bei dem man sich fallen lassen kann. Das möchte ich gerne weitergeben. Deshalb werde ich wahrscheinlich erst einmal ein längerfristiges Praktikum über zwei bis vier Monate machen und dann eine Ausbildung anfangen. Für die Hippotherapie gibt es nur Schulungen und Fortbildungen. Deshalb muss man erst eine Ausbildung zur Ergotherapeutin machen, um sich dann zu spezialisieren."

© SZ vom 28.04.2021
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