Landtagswahl im Landkreis Starnberg:Rechenspiele

Landtagswahl im Landkreis Starnberg: Andrea Schulte-Krauss (Zweite von links) hofft, es über die Liste für die Grünen in den Landtag zu schaffen. Das könnte klappen.

Andrea Schulte-Krauss (Zweite von links) hofft, es über die Liste für die Grünen in den Landtag zu schaffen. Das könnte klappen.

(Foto: Nila Thiel)

In den bayerischen Landtag könnten so viele Abgeordnete aus dem Fünfseenland wie noch nie einziehen.

Von Michael Berzl, Christian Deussing, Linus Freymark, Carolin Fries und Viktoria Spinrad, Starnberg

Bisher ist das Fünfseenland im Maximilianeum mit der Feldafinger CSU-Abgeordneten Ute Eiling-Hütig und den beiden Stockdorfern Anne Franke (Grüne) und Ingo Hahn (AfD) durchaus prominent vertreten gewesen. Nun zeichnet sich eine mögliche Rekord-Repräsentation ab - denn auch der hiesige FW-Kandidat hat reelle Chancen auf einen Platz im Landtag. Doch das bayerische Wahlrecht ist kompliziert, am Sonntagabend herrschen - auch angesichts der vielen Briefwähler - noch Rechenspiele vor.

CSU

CSU-Direktkandidatin Ute Eiling-Hütig gibt sich vorsichtig und sagt noch nach Schließung der Wahllokale und nach Veröffentlichung des Bayerntrends: "Die Wahrheit liegt immer in der Urne". Sprich: Erst nach vollständiger Auszählung aller Stimmen ist alles klar. Dabei darf sie am Sonntagabend schon fest damit rechnen, dass sie ihren Sitz im Maximilianeum behalten kann. Und das viel sicherer als bei der Wahl vor fünf Jahren, als sie nur um ein paar Prozentpunkte vor der Grünen-Kandidatin Anne Franke aus Stockdorf lag, die diesmal nicht mehr angetreten war. Diesmal liegt sie nach 141 von 191 ausgezählten Gebieten mehr als zehn Prozentpunkte vor der Grünen-Konkurrenz.

SPD

Fraglich dagegen ist, ob es für Christiane Feichtmeier reichen wird. Die Zuversicht jedenfalls ist bei der SPD-Kandidatin nach den ersten Zahlen gesunken. "Ich werde wohl noch bis Dienstag oder Mittwoch warten müssen, bis ich es sicher weiß", sagt sie. "Aber es wird eng." Die Tutzinger Polizistin ist auf Listenplatz vier in den Wahlkampf gegangen. Doch um sicher in den Landtag zu kommen, brauche sie wohl ein zweistelliges Ergebnis, hatte sie im Vorfeld gesagt. Diese Marke haben die Sozialdemokraten nun wohl deutlich unterschritten.

AfD

Bei der AfD war die Rollenverteilung ziemlich klar: So sicher wie Ingo Hahn damit rechnen durfte, dass er weiterhin im Maximilianeum sitzt, so sicher konnte Alexander Neumeyer davon ausgehen, dass es für ihn nichts mit einem Landtagsmandat wird. Der Geografie-Professor Hahn wohnt in Stockdorf, er ist Kreisvorsitzender seiner Partei und sitzt im Starnberger Kreistag, ist aber im Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Garmisch-Partenkirchen als Direktkandidat angetreten. Im ländlichen Raum durfte er sich wohl ein besseres Ergebnis ausrechnen. Auf Listenplatz 4 dürfte es für ihn für eine zweite Legislaturperiode reichen. Der 66-jährige Unternehmensberater Neumeyer aus Seeshaupt hingegen hat sich über seine Chance keine Illusionen gemacht: "Ich muss nicht auf Biegen und Brechen da rein. Ich bin ja kein Berufspolitiker." Ihm sei es vor allem darum gegangen, "Gesicht zu zeigen für die AfD."

FW

Eines hat Matthias Vilsmayer von den Freien Wählern klargemacht, vor allem nach der Flugblatt-Affäre seines Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger, die ihm Bauchschmerzen verursacht hatte. "Wir zeigen harte Kante gegen die AfD." Auch die Beiträge des Kreisvorsitzenden dieser Partei findet Vilsmayer unerträglich. Der Gilchinger war froh, dass seine Freien Wähler trotz der Turbulenzen um Aiwanger wieder rechtzeitig an Fahrt gewonnen haben. Vilsmayer äußerte sich optimistisch, es diesmal zu schaffen - und zwar über seinen recht aussichtsreichen 12. Platz über die Liste seiner Partei. Vor fünf Jahren stand der 51-jährige Geschäftsführer einer mittelständischen Firma nur auf Platz 17 und holte bereits 11,4 der Erststimmen. Diesmal glaubt Vilsmayer, den Sprung im zweiten Anlauf in den Landtag zu schaffen.

Grüne

Andrea Schulte-Krauss rechnet sich gute Chancen aus, es über die Liste in den Landtag zu schaffen. Durch das schlechte Ergebnis der FDP sind diese noch einmal gestiegen. "Sollten die Grünen im Landkreis ihr Ergebnis von 2018 halten, dann sollte es eigentlich reichen", sagte sie. Damals lagen die Grünen im Landkreis bei 26 Prozent. Bei Redaktionsschluss um 22.30 Uhr lag das vorläufige Ergebnis bei 22,5 Prozent. Schulte-Krauss zeigte sich dennoch optimistisch: "In der Briefwahl sind die Grünen traditionell gut."

FDP

Nie sei die Stimmung an den Wahlständen besser gewesen, erzählt Britta Hundesrügge, "jeder wollte uns". Sie selbst wähnte sich mit Listenplatz 3 denn auch ziemlich sicher im Landtag - sollte es die FDP auf mehr als fünf Prozent bringen. Doch nun sind es laut der Hochrechnungen nur um die drei Prozent. Die Träume der Gautinger Direktkandidatin sind binnen weniger Stunden geplatzt. Die 1000 verteilten gelben Rosen, sie waren wohl umsonst. Bleibt nur der Trost, dass Hundesrügge bei der U18-Wahl mit 10,3 Prozent bayernweit zu den Besten gehörte.

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