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Starnberg:Grünes Bekenntnis zum B2-Tunnel

Bundestags-Abgeordneter und Grünen-Verkehrsexperte Toni Hofreiter sieht für eine Umfahrung Starnbergs keine Chance.

Ökologie, Mobilität und Gerechtigkeit sind die Themen, mit denen sich Toni Hofreiter beschäftigt. Seit 2005 sitzt der promovierte Biologe als bayerischer Abgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, seit 2001 ist er Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Am Freitag besuchte Hofreiter die Starnberger Grünen. Ökologisch korrekt war er per Bahn angereist - und hatte für die verkehrsgeplagten Kreisstädter eine wegweisende Mitteilung dabei: Eine Umfahrung, so Hofreiter, habe bestenfalls in "50 Jahren plus x" eine Chance auf Realisierung. Die Fragestellung "Tunnel oder Umfahrung?" sei irrelevant, die Alternative laute vielmehr: Tunnel - oder nichts. Allenfalls vor zehn Jahren habe noch die Chance bestanden, dies zu beeinflussen.

Bundestagsabgeordneter der Grünen Toni Hofreiter Foto: Claus Schunk

(Foto: lks)

Der Tunnel ist planfestgestellt und durchgeklagt und hat eine Chance auf Finanzierbarkeit", stellte er klar. Das derzeit mit rund 150 Millionen Euro veranschlagte Projekt, das die Starnberger seit Jahrzehnten entzweit, ist im Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt und steht zudem auf der vordringlichen Bedarfsliste. Auf der Liste sind Projekte mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Milliarden Euro, doch nur 1,5 Milliarden stehen jährlich zur Verfügung. Die Entscheidung darüber, welche Vorhaben in Bayern letztlich realisiert werden, treffe die Oberste Baubehörde im Verantwortungsbereich von Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Im Ausschuss auf Bundesebene, so Hofreiter, "werden nur große Pakete geschnürt". Einflussmöglichkeiten der Kommunen auf Bundesstraßenprojekte gebe es nicht.

Hofreiter berichtete, dass das innerörtliche motorisierte Verkehrsaufkommen bayernweit rückläufig sei - mit Ausnahme von Rosenheim und Starnberg. Ohnehin sei Verkehr ein "explosives Thema", wobei der Autofahrer "Täter und Opfer" zugleich sei. Einerseits beharre man auf ruhige Wohnstraßen, andererseits strebe man schnelle Verbindungen an - ein Widerspruch. Lösungsmöglichkeiten ergäben sich durch "neue Mobilität", etwa durch Pedelecs, den Ausbau von Radwegen, ÖPNV und der Bahn. Es habe sich gezeigt, dass Umfahrungen für Dörfer Sinn machten, für Kleinstädte mit hohem Anteil an Ziel- und Quellverkehr jedoch nicht. Ein Baubeginn für Starnbergs B-2-Tunnel sei für 2013 denkbar - wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, vermochte Hofreiter jedoch nicht zu sagen.

© SZ vom 07.05.2012

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