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Landkreis Starnberg:Grundschulen wegen Grippewelle geschlossen

Grippewelle in NRW

Grippe-Viren werden durch Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)
  • Wegen einer Infektionswelle hat das Starnberger Gesundheitsamt die Grundschulen in Weßling und Oberpfaffenhofen sowie die Mittagsbetreuung in Weßling und den Hort in Hochstadt geschlossen.
  • Mehr als jedes vierte Schulkind sei derzeit erkrankt, darüber hinaus auch Betreuer, berichtet das Landratsamt.
  • Im Gesundheitsamt geht man davon, dass die Grippewelle sich noch verstärkt.

Die Grippe greift im Landkreis um sich: Das Starnberger Gesundheitsamt hat die Grundschulen in Weßling und Oberpfaffenhofen sowie die Mittagsbetreuung in Weßling und den Hort in Hochstadt aufgrund einer Infektionswelle geschlossen. Mehr als jedes vierte Schulkind sei derzeit erkrankt, 56 von 199 Mädchen und Buben, und darüber hinaus auch Betreuer, berichtet das Landratsamt. Der Unterricht fällt vorerst bis einschließlich 26. Januar aus. Damit sollen weitere Ansteckungen mit der hochfieberhaften Erkrankung der Atemwege unterbunden werden.

"Die Krankheitsfälle haben sich in den letzten Tagen gehäuft", berichtet Schulleiterin Maria Streifinger. Die Schule habe das Gesundheitsamt über die Häufung informiert. Eine Betreuung für die gesunden Kinder könne derzeit leider nicht angeboten werden.

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"Wir vermuten hinter der sehr gehäuft auftretenden hochfieberhaften Infektionswelle eine Influenzainfektion. In zwei Fällen wurde diese bereits nachgewiesen", erklärt der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Starnberg, der Mediziner Lorenz Schröfl. Ein Kind habe sich sogar trotz Impfung angesteckt. Der Impfstoff decke eventuell nicht das ganze Erregerspektrum der heuer grassierenden Subtypen vom Influenza-Typ-A-Virus ab. Schröfl geht davon aus, dass es sich um die Varianten H3N2 und H1N1 handelt.

Von Einzelfällen erfuhr das Gesundheitsamt "verstreut über den ganzen Landkreis" auch aus anderen Orten, so Schröfl. Punktuell seien mehrere Schulen, Kindergärten und Horte betroffen. Die Kranken blieben vier bis fünf Tage ansteckend, daran bemesse sich die Dauer der Schließung in Weßling. Es gelte, den "Bumerang-Effekt" zu durchbrechen, dass ansteckende Kinder das Virus weiterverbreiten. "Wir können das nicht als banalen Schnupfen antun", rechtfertigt er die Schließung.

In der Zwischenzeit werden die Häuser laut Landratsamt desinfiziert. Gründlich gereinigt werden Handläufe, Tür- und Fenstergriffe, Böden, Pulte und Toiletten. Denn die Viren, die Grippe auslösen, verbreiteten sich "neben Husten und Niesen vor allem durch fehlende Händedesinfektion", betont Mediziner Schröfl. Die Schließung erfolgte in Absprache mit der Regierung von Oberbayern erfolgt. Am Dienstagnachmittag informierte die Schulleiterin alle Eltern.

Wie man Infektionen vorbeugt

Zum Schutz vor der hochansteckenden Influenza empfiehlt das Starnberger Gesundheitsamt einige einfache Hygieneregeln. Beim Husten und Niesen, bei dem durch Tröpfcheninfektion Erreger übertragen werden, sollte man sich nicht die Hand vor den Mund halten, wie es oft für höflich gehalten wird, sondern die "Husten-Etiquette" beachten: Mindestens einen Meter Abstand von anderen einhalten und sich wegdrehen, zudem ein Einwegtaschentuch vor das Gesicht halten, das immer griffbereit sein sollte. Das Taschentuch sollte nur einmal verwendet und umgehend im Mülleimer entsorgt werden. Wird ein Stofftaschentuch benutzt, muss man es bei 60 Grad waschen. Ist kein Taschentuch zur Hand, sollten man sich beim Husten und Niesen die Armbeuge vor Mund und Nase halten und sich dabei ebenfalls von anderen Personen abwenden. Gelangen Krankheitserreger an die Hände werden sie über gemeinsam benutzte Gegenstände oder beim Händeschütteln an andere weitergereicht. Deshalb gilt häufiges und gründliches Händewaschen als das A und O einer wirksamen Vorsorge. manu

Influenza wird auch als Grippe bezeichnet und betrifft laut Gesundheitsamt im Gegensatz zu einer Erkältung nicht nur die Atemwege, sondern auch den restlichen Körper. "Den Kindern sieht man die Grippe richtig an, die sind ganz blass und schlapp", heißt es in der Praxis des Gilchinger Kinder- und Jugendmediziners Manfred Praun. Dort häufen sich seit diesem Montag die Fälle "extrem", wie die Medizinische Fachangestellte Franca Fuchslechner sagt.

Allein Montag und Dienstag hätten Eltern von zehn Kindern ärztliche Hilfe gesucht, weil ihre Kinder über 40 Grad Fieber hatten, unter starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie Husten litten. Mit einem Schnelltest könne man die Influenza nachweisen. Dazu werde ein Teststreifen, ähnlich einem Wattestäbchen, in die Nase eingeführt. Nach zehn Minuten sei das Ergebnis ablesbar. Im Gesundheitsamt geht man davon, dass die Grippewelle sich noch verstärkt.

Im Vorjahr waren der Behörde im Januar 99 bestätigte Influenza-Fälle (2018: 181) gemeldet worden, für Februar 43 (2018: 331) Erkrankte. Mediziner Schröfl hält auch jetzt noch eine Impfung für sinnvoll.

Weitere Fragen beantwortet das Gesundheitsamt unter Telefon 08151/148900. Informationen zum Thema Infektionsschutz und Hygiene unter https://www.infektionsschutz.de.

© SZ vom 22.01.2020/amm
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