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Coronavirus im Landkreis Starnberg:Infektionswelle in Schulen und Asylheimen

Coronavirus - München

Die Labore melden dem Starnberger Gesundheitsamt seit einer Woche weniger positive Coronavirus-Befunde als in der Vorwoche, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt beständig.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Fälle in einem Dutzend Klassen und Kita-Gruppen sowie in sechs Unterkünften dämpfen die Freude über die immer langsamere Verbreitung des Erregers. Der Landrat appelliert an die Bevölkerung und gibt ein Ziel vor.

Von Carolin Fries

Obwohl die Infektionszahlen im Landkreis seit einer Woche sinken, gibt das Landratsamt beim Coronavirus keine Entwarnung. In einer Zwischenbilanz nach drei Wochen Teil-Lockdown verweist die Kreisbehörde auf das hohe Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas sowie Asylunterkünften. In den vergangenen Tagen wurden Klassen an acht Schulen in Quarantäne geschickt, ebenso müssen sich die Bewohner von sechs Flüchtlingsunterkünften isolieren. Vier Kindergärten sind betroffen. "Unsere Gesundheitsämter und Kliniken arbeiten am Anschlag, um das Infektionsgeschehen zu beherrschen", sagt Landrat Stefan Frey (CSU).

Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis lag am Montag bei 88,5. Erstmals seit drei Wochen wurde am Samstag der Risikowert von 100 wieder unterschritten. Elf Tage zuvor hatte der Wert, der die Zahl der Infizierten in einem Zeitraum von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner angibt, mit 145,6 seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Damals wurden täglich bis zu 52 neue Infizierte gemeldet. Am Montag waren es 17, darunter je fünf aus Gauting und Krailling. "Eindeutig positiv" nennt Frey den Trend. Negativ falle indes auf, dass die wenigen Neuinfektionen viele Schulen, Kindergärten und Gemeinschaftsunterkünfte betreffen.

Allein am Montag wurden Fälle festgestellt an Mittelschule Gauting, Gymnasium Tutzing, Grundschule Andechs sowie Fachoberschule und Franziskusschule in Starnberg. Nachdem bereits Infektionen in vier Klassen der Berufsschule in Starnberg diagnostiziert worden waren, kamen am Montag zwei weitere hinzu. Der Kindergarten "Vogelnest" in Stockdorf ist geschlossen.

Seit Tagen stehen bereits die Flüchtlingsunterkünfte in Gauting in der Unterbrunner Straße, Andechs, Starnberg in der Petersbrunner Straße und Breitbrunn unter Quarantäne. Am Wochenende wurde bekannt, dass sich auch in der Kraillinger Asylunterkunft ein Bewohner angesteckt hat. Die 114 Bewohner müssen sich deshalb bis einschließlich 6. Dezember isolieren. Am Montag wurde die zweite Gautinger Unterkunft in der Pentenrieder Straße mit 90 Bewohnern nach einem positiven Abstrich unter Quarantäne gestellt. Sobald Einrichtungen betroffen sind, sei der Ermittlungsaufwand für das Gesundheitsamt extrem hoch, so Frey.

Bei jeder Neuinfektion ermittle ein Team, wo sich der oder die Betroffene infiziert hat und mit welchen Personen Kontakt bestand, um Infektionsketten zu unterbrechen. "Je mehr Kontakte eine infizierte Person hatte, umso aufwendiger ist dieses Verfahren." Um das Ausbruchsgeschehen kontrollieren und die Kontaktverfolgung gewährleisten zu können, gilt bundesweit eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 als Richtwert. Diese Marke erklärt Frey auch für den Landkreis als Ziel und appelliert an die Solidarität. "Unser Beitrag ist der Verzicht an Kontakten." Vor dem Hintergrund einer möglichen Verlängerung der Beschränkungen bittet der Landrat darum, "noch durchzuhalten".

Derweil bereitet der Landkreis die Einrichtung eines Impfzentrums vor, das bis zum 15. Dezember samt mobiler Impfteams einsatzbereit sein soll. "Von zentraler Bedeutung für die Bewältigung der Corona-Pandemie wird eine möglichst breite Impfung der Bevölkerung mit Impfstoffen gegen Covid-19 sein", sagt Frey. Den Standort wolle man Mitte der Woche bekannt geben, so Landratsamtssprecherin Barbara Beck.

© SZ vom 24.11.2020
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