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Starnberg:Stadt sperrt Bayerischen Hof

Starnberg: Bayrischer Hof

Massive Mängel am Hotel "Bayerischer Hof" - hier die Ansicht von Süden - lassen einen Betrieb nicht länger zu: Hotel und Gaststätte sind geschlossen.

(Foto: Nila Thiel)

Es bestehe eine "erhebliche" Gefahr wegen Mängeln an Statik und Brandschutz. Der 155 Jahre alte Prachtbau könnte abgerissen werden.

Von Peter Haacke

Der Betrieb des Hotels "Bayerischer Hof" und der "Griechischen Taverna" am Starnberger Bahnhofsplatz ist von sofort an eingestellt, das denkmalgeschützte Haus wird wegen erheblicher Mängel stillgelegt und gesichert. Wie berichtet, hatten die jüngsten Untersuchungen ergeben, dass die Statik des Gebäudes und insbesondere der Dachstuhl sowie die Haustechnik mit Elektroverkabelung so große Mängel aufweisen, "dass akuter Handlungsbedarf besteht und die Gefährdungslage für Leib und Leben erheblich ist", teilte die Stadtverwaltung am Montag mit. "Wir bedauern es außerordentlich, diesen Schritt gehen zu müssen, insbesondere im Hinblick auf die Pächter", erklärte Bürgermeister Patrick Janik. "Angesichts der vorliegenden Fakten bleibt uns jedoch keine andere Wahl."

Aufgrund des schlechten Zustandes der Gebäudesubstanz bestanden bei der Starnberger Stadtverwaltung schon lange Bedenken, ob eine weitere Nutzung des Gebäudes noch vertretbar ist. Im Dezember fanden im Auftrag der Stadtverwaltung Sicherheitsbegehungen durch die Kreisbaubehörde und einen Tragwerksplaner statt, das Ergebnis bestätigte schlimmste Befürchtungen. Zwar hatte es zwischenzeitlich immer wieder notdürftige, provisorische Reparaturen am Haus gegeben, doch "vom eigentlichen Ausmaß der Mängel wurden auch wir nach der letzten Begehung durch das Landratsamt und den Statiker überrascht", erklärte Janik. "Wir hätten nicht erwartet, dass die Mängel am Gebäude so drastisch und massiv sind."

Eine Sanierung des 1865 erbauten "Bayerischen Hofs" erscheint nach aktuellem Stand wirtschaftlich unsinnig zu sein: Die Kosten einer Sanierung würden die eines Neubaus offensichtlich weit übersteigen, denn sowohl Dachstuhl als auch Zwischendecken müssten ersetzt werden, was der vollständigen Entkernung des Gebäudes gleichkäme. Ein Abriss des ortsbildprägenden Hauses dürfte in Anbetracht der Kassenlage der Stadt die wahrscheinlichste Option sein. "Die Stadtverwaltung wird sich mit großem Nachdruck kurzfristig Gedanken machen, wie es mit dem denkmalgeschützten Gebäude weitergeht", heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Abgesehen von der ohnehin naheliegenden Frage, wie es soweit kommen konnte, ist das Meinungsbild zur Zukunft des 155 Jahre alten Hauses im Eigentum der Stadt in der Bürgerschaft zweigeteilt: Die einen plädieren - ungeachtet der Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten - für eine Sanierung des Hotels, das seit 1999 unter Denkmalschutz steht. Die anderen würden unter den aktuellen Voraussetzungen einen Neubau bevorzugen, sofern die historische Fassade des Hauses erhalten bliebe oder wenigstens originalgetreu nachgebildet würde - eine Lösung, wie sie bereits vor Jahren erfolgreich beim Umbau des "Tutzinger Hof" zur Anwendung kam.

Einig sind sich die meisten Vorsitzenden der acht Stadtratsfraktionen darin, den äußeren Gesamteindruck des Ensembles Bayerischer Hof und Alte Oberschule, in der die Volkshochschule untergebracht ist, zu erhalten. Alle weiteren Schritte solle man "sachlich bedenken", sagt Dritte Bürgermeisterin Christiane Falk (SPD). Thomas Beigel (CSU) würde das Haus gern erhalten, sieht aber auch finanzielle Probleme. Otto Gaßner (UWG) fordert eine "ergebnisoffene Stellungnahme" vom Landesamt für Denkmalschutz und eine zweite Expertenmeinung zur Statik des Hauses.

Auch die Grünen möchten laut Franz Sengl wenigstens die Fassade erhalten, stellen aber eine Nutzung als Hotel in Frage. Für eine "ergebnisoffene Diskussion" plädiert Marc Fiedler (FDP), der das "schöne Gebäude mutwillig dem Verfall preisgegeben" sieht. Maximilian Ardelt (WPS) will das Thema bis Jahresende in der Fraktion diskutieren, Michael Mignoli (BLS) möchte vor allem den Pächtern eine neue Perspektive geben. BMS-Chefin Eva Pfister (vormals John) war am Montag nicht erreichbar.

© SZ vom 22.12.2020
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