Corona im Landkreis Starnberg:Die dritte Spritze gegen die vierte Welle

Corona-Impfaktion im Caritas-Altenheim

Über 80-Jährige sind Ende 2020 erstgeimpft worden, von Oktober an sollen sie die dritte Spritze bekommen. Das Bild zeigt Richard Aulehner mit einer Bewohnerin des Altenheims Krailling.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das Rote Kreuz soll weiterhin die Impfzentren betreiben, Landrat Frey will die Verträge bis ins Frühjahr 2022 verlängern, allerdings mit nur 75 Prozent der Kapazität. Der Ärztliche Koordinator Junge-Hülsing befürchtet eine Konkurrenzsituation.

Von Jessica Schober

Was noch vor wenigen Wochen begehrt war, ist längst zum Ladenhüter geworden: Die Impfstoffe gegen das Coronavirus werden deutlich weniger gespritzt, 59,4 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Starnberg sind komplett immunisiert. Ein Teil der Impfzentren wird nun vorübergehend geschlossen, nur die Stationen in Gauting und Herrsching bleiben geöffnet. "Wir fahren die Kapazitäten so herunter, dass wir die Impfzentren jederzeit wieder in Betrieb nehmen könnten", sagt Landratsamtssprecher Stefan Diebl. Doch schon bald könnten für zahlreiche ältere Bürger Auffrischungsimpfungen anstehen, wenn die Ständige Impfkommission eine Empfehlung dazu abgibt. Von Oktober an, so lauten die Planungen im Landratsamt, soll dann die dritte Spritze vor einer möglichen vierten Welle der Corona-Infektionen schützen.

Das Landratsamt setzt dabei auf etablierte Partner. Die nun auslaufenden Verträge mit dem Roten Kreuz (BRK) sollen bis April 2022 verlängert werden, sagt Landrat Stefan Frey, die Kosten von mehreren Hunderttausend Euro im Monat würden in etwa stabil bleiben. Nach einer Weisung des Gesundheitsministeriums soll die Kapazität auf 75 Prozent gedrosselt werden. Für die Drittimpfungen setzt Frey auf die Impfzentren und die niedergelassenen Ärzte gleichermaßen, "beide werden gefragt sein". In den Altenheimen sollen sich erneut mobile Impfteams um die Auffrischungsimpfungen kümmern.

"Wir sollten keine Konkurrenzsituation befeuern zwischen Impfzentren und niedergelassenen Ärzten", sagt hingegen der Ärztliche Koordinator Bernhard Junge-Hülsing. Für ein paar Hundert Spritzen in der Woche sei der betriebene Aufwand in den Impfzentren viel zu groß. Er kritisiert die hohen Kosten der Impfzentren, vor allem in einem Landkreis wie Starnberg, der mit niedergelassenen Ärzten überproportional gut versorgt sei. Das Aufrechterhalten der Parallelstruktur sei unnötig. In seiner Hausarztpraxis hätten sich zuletzt sogar 30 bis 40 Leute pro Woche wieder abgemeldet, weil sie bereits spontan im Impfzentrum geimpft worden seien. Dabei hatte erst am vergangenen Samstag auch das BRK eine Impfaktion in Seefeld wegen fehlender Nachfrage absagen müssen.

"Die Doppelstruktur macht Sinn", beharrt Frey, "wichtig ist die Effizienz. Und dafür, dass wir allen Menschen rechtzeitig ein neuerliches Impfangebot machen können, darf auch Geld in die Hand genommen werden." In der Zusammenarbeit mit dem BRK habe es "Höhen und Tiefen" gegeben, sagt Landrat Frey und erwähnt in diesem Zusammenhang die noch laufenden polizeilichen Ermittlungen gegen das BRK, dem vorgeworfen wird, mit einer Überwachungskamera das Geschehen im Impfzentrum gefilmt zu haben. In wichtigen Punkten seien sich Landrat und BRK jedoch einig, "manches andere müssen wir gemeinsam ausfechten", so Frey. Zunehmend würden nun auch Minderjährige gegen das Coronavirus geimpft, sagt Bernhard Junge-Hülsing. Täglich bis zu 20 Jugendliche und Kinder kämen in seine Praxis, vor allem zum Ferienbeginn hätten viele Eltern noch ihre Kinder immunisieren lassen, um Quarantänezeiten nach der Heimkehr zu vermeiden. In zwei Fällen hat Junge-Hülsing auch schon eine Drittimpfung verabreicht, auf ausdrücklichen Patientenwunsch, nachdem kaum Antikörper gemessen werden konnten trotz doppelter Immunisierung.

Wenn Junge-Hülsing in seiner Praxis auf Impfverweigerer trifft, erklärt er ihnen: "Bei bis zu 15 Prozent aller Infizierten bleiben die Viren langfristig im Körper, und es können Long-Covid-Symptome und Folgeschäden entstehen." In seiner eigenen Praxis lehnte er zuletzt sogar die Bewerbung einer Arzthelferin ab, die sich nicht impfen lassen wollte. Und ungeimpfte Patienten will Junge-Hülsing in Zukunft in separaten Wartebereichen isolieren. Zum Schutz der geimpften Mehrheit.

© SZ vom 06.08.2021
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