Herrsching:Geothermie-Projekt stößt auf Skepsis

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Herrsching: Der dritte Landrat Georg Scheitz, Thomas Tinnes, Maximilian Bleimaier (beide AWA) und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller (v.li.) stehen dem Geothermie-Projekt kritisch gegenüber.

Der dritte Landrat Georg Scheitz, Thomas Tinnes, Maximilian Bleimaier (beide AWA) und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller (v.li.) stehen dem Geothermie-Projekt kritisch gegenüber.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Kommunalunternehmen AWA Ammersee befürchtet, dass seine Brunnen und Trinkwasservorkommen verunreinigt werden könnten.

Von Armin Greune, Herrsching

Das geplante Geothermie-Kraftwerk zwischen Ammersee und Starnberger See stößt auf kommunaler Ebene auf große Skepsis. Die Wasser- und Abwasserbetriebe AWA Ammersee fürchten eine Beeinträchtigung aktueller und potenzieller künftiger Trinkwasservorkommen. Der dritte Landrat Georg Scheitz unterstützt die Forderung des Kommunalunternehmens nach einem hydrogeologischen Gutachten und sieht "den Betreiber da in der Bringschuld". Und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hält den als Erstes anvisierten Standort nördlich vom Ort an der Seefelder Straße für ungeeignet.

"Vom Gemeinderat wird das Vorhaben an dieser Stelle äußerst kritisch gesehen", sagte er bei einem Pressegespräch zum Tiefengeothermie-Projekt. Abgesehen von städtebaulichen Überlegungen, ob man Bohr- und Förderturm am Ortseingang positioniert sehen möchte, sei das geplante Kraftwerk 400 Meter von einem Naturschutzgebiet entfernt. Die Distanz zur nächsten Wohnbebauung betrage sogar nur 50 Meter. Schiller argwöhnt, dass die Bewohner während der Bohrung und im Betrieb erhöhten Geräuschimmissionen ausgesetzt wären.

Bei der Genehmigung des privilegierten Vorhabens hat die Gemeinde Herrsching nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Allerdings wolle Projektbetreiber Josef Birner zwei seinem Areal benachbarte Grundstücke von der Kommune erwerben. Darüber werde der Gemeinderat voraussichtlich noch im Februar in nichtöffentlicher Sitzung entscheiden, sagte Schiller. Für ihn stelle sich zudem die Frage nach dem benötigten Bohr- und Kühlwasser: "Wo kommt's her, wo geht's hin?"

Prinzipiell stünden als Zulieferer in der Nähe zwei ehemalige Trinkwasserbrunnen zur Verfügung, sagte AWA-Vorstand Maximilian Bleimaier. Das Kommunalunternehmen stehe der Erzeugung regenerativer Energien positiv gegenüber: Es betreibt 13 große Fotovoltaikanlagen und drei mit Biogas befeuerte Blockheizkraftwerke. "Wir wollen ein Vorbild sein - aber beim Thema Geothermie setzen wir nicht die rosarote Brille auf", sagte Bleimaier.

Aus seiner Sicht sei nicht genügend geklärt, ob mit der Nutzung von Tiefengeothermie Umweltrisiken entstehen. Die Zusicherung von Birners Geothermie Ammersee GmbH, Verbindungen zwischen Thermal- und Grundwasser könnten ausgeschlossen werden, reicht Bleimaier nicht. Es bestünden Pläne, die Heißwasserleitungen bis in 400 Meter Tiefe mit Betonröhren zu sichern - doch derartige Ummantelungen hätten sich bereits nach einigen Jahren als undicht erwiesen. Thermalwasser könne radioaktive Elemente wie Thorium und Uran enthalten. Weiter sei das Grundwasser potenziell durch den Einsatz von wassergefährdenden Stoffen wie Säuren und durch Leckagen am Wärmetauschsystemen oder im Bohrgestänge gefährdet. Die notwendigen Maßnahmen, um alle Risiken zu minimieren, müsse Birner frühzeitig mit Wasserwirtschaftsamt und Landesamt für Umwelt abstimmen, fordert Bleimaier. Thomas Tinnes, AWA-Vorstand für Wassergewinnung, kritisierte die Informationspolitik der übergeordneten Behörden: Der Wasserversorger habe erst im November über die Gemeinden vom Geothermievorhaben erfahren.

Die AWA versorgt 50 000 Menschen mit Wasser aus 13 Brunnen und zwei Quelleinfassungen. Im 200 Quadratkilometer großen Gebiet, für das Birner eine Aufsuchungserlaubnis hat, die zu Voruntersuchungen berechtigt, befinden sich einige große Wasserschutzzonen und vermutete Einzugsgebiete für künftige Brunnen. Mit der Standortwahl bei Herrsching sei er "ein wenig beschwichtigt", sagte Bleimaier. Erklärtes Ziel der Geothermie Ammersee ist es aber, mehrere Kraftwerke im Raum zwischen Wörthsee und Pähl sowie Starnberg und Tutzing zu bauen.

Scheitz sieht dieses Gebiet im Vergleich zum nördlichen Landkreis Starnberg "nur bedingt für Geothermie geeignet". Auch im Unterbrunner Holz und südlich von Buchendorf sind Projekte zur Erdwärmenutzung geplant.

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