Überleben der Landwirtschaft Vom Stall auf den Teller

Wie kann sich ein kleiner Bauernhof heute halten? Lilian Maier hat eine Idee: mit Gastronomie. Bei Seeshauptet bietet die Bäuerin ihren Gästen alles - von der Vorspeise bis zum Matratzenlager.

Von Sabine Bader

Als Lilian Maier den Zweilindenhof vor 13 Jahren zum ersten Mal sieht, weiß sie sofort: Hier will ich leben. Der Hof liegt in Magnetsried, einem kleinen Ortsteil von Seeshaupt, steht einzeln, etwas abseits der Straße. Der Blick von dort fällt auf Wiesen und Wälder. Natürlich muss sie innen vieles umbauen. Auch einen Rinderstall will sie errichten. Allein das dauert mit Genehmigung zwei Jahre. In der Zwischenzeit muss sie aber ihre Rinder irgendwo unterbringen. Denn Lilian Maier ist nicht allein. Sie hat buchstäblich einen ganzen Stall voller Tiere. Zuvor hatte sie einen Hof in Höhenrain gepachtet, in dem sie eine Landwirtschaft mit Hofladen betrieb. So etwas kommt in Magnetsried nicht in Frage, weil niemand am Hof vorbeikommt. Aber die zweifache Mutter hat längst eine andere Idee.

Sie will kochen, den Gästen mehrgängige Menüs servieren, zubereitet mit dem Fleisch der eigenen Tiere, dazu Gemüse der Saison, vorzugsweise aus dem eigenen Garten. "Alles wandert vom Beet oder Stall in den Gastraum", erzählt sie. Bei Maier übernachten können die Gäste nach dem Feiern auch - in zwei neu gebauten Matratzenlagern mit je sieben Betten und drei Ferienwohnungen. Insgesamt hat die Bäuerin Platz für 26 Leute. Mit einem Matratzenlager, wie man es von der Berghütte kennt, haben die hellen Räume unterm Dach nicht viel zu tun. Das alles, so sagt sie, " bildet die Grundlage dafür, die eigene Landwirtschaft erhalten können." Es ist ihr Gesamtkonzept, das den Ausschlag gibt, von ihrem kleinen Hof auch leben zu können.

Der Reihe nach: Landwirtin werden möchte Lilian Maier, seit sie fünf Jahre alt ist. Der Vater hat ihr einen zwei Meter großen Tegernseer Bauernhof selbst gebaut, Wohnhaus und Stall sind komplett eingerichtet mit Möbeln, Maschinen, Bewohnern und Tieren. Die Kleine ist hingerissen. "Damit hat er mein Interesse geweckt." Ihre Eltern sind keine Bauern - der Vater ist Radiojournalist und Ingenieur, die Muter schreibt für eine Tageszeitung. Allerdings entstammen sie einer Käser- und einer Brauerfamilie.

Die Eltern wollen dennoch nicht, dass eine ihrer vier Töchter Landwirtin wird. Und raten dem Mädchen mit Nachdruck dazu, nach der Mittleren Reife noch das Abitur zu machen. Das macht die Tochter. Danach allerdings setzt sie sich durch und tritt eine dreijährige Lehre in der Landwirtschaft an. Sie arbeitet auf einem Schweinemast- und Zuchtbetrieb in Augsburg, auf Gut Kerschlach und einem Biobetrieb am Ammersee. Danach legt sie die Meisterprüfung in der Landwirtschaft ab und pachtet einen Hof in Höhenrain. Auf ihrem heutigen Hof in Magnetsried hält die 55-Jährige nur so viele Tiere, wie sie selbst vermarkten kann. Die Anzahl variiert auch mit der Jahreszeit. In ihrem Offenstall stehen 20 Charolais-Rinder. Es gibt vier Zuchtschweine, die pro Jahr an die 100 Ferkel zur Welt bringen, etliche Ziegen, Hühner, Gänse, zwei Esel und einen Haflinger, der ihrer Tochter gehört. Mit ihr im Haus leben noch zwei Katzen und zwei schwarze Riesenschnauzer, Paula und Lilli. Sie schauen gefährlich aus, sind aber lammfromm.

Bis zu 60 Gäste finden in der Gaststube Platz. An einer Wand steht ein großer dunkelgrüner Kachelofen. Der Holzboden ist naturbelassen, die Tische aus Holz. Auf dem Hof gibt es drei Möglichkeiten zum Heizen - mit der Solaranlage, mit Holz oder mit Gas. Lilian Maier kocht nicht wie im Gasthaus à la carte. Bei ihr wählt der Gastgeber einer Gesellschaft, Hochzeit oder Familienfeier ein Gericht aus. "Sonst wäre das für mich logistisch nicht zu machen." Überschaubare Gesellschaften bedient Maier ohnehin allein.

Brauchtum und Geschichte Das Weißwurst-Mekka liegt in Schwaben
Metzgerei in Baindlkirch

Das Weißwurst-Mekka liegt in Schwaben

Jeden Donnerstag pilgern Hunderte nach Baindlkirch zum Weißwurst-Frühstück. Dass die Weißwurst eigentlich Münchnerin ist? Ist hier wurst.

Ihre Spezialität ist Spanferkel mit Blaukraut und Semmelknödel. Und die Kruste, die sie hinbekommt, kann sich sehen lassen. Zum Repertoire gehören aber auch Gerichte wie Rinderschmorbraten mit Spätzle und gelben Rüben oder Ziegenkitz mit Kartoffelgratin und Kohlrabi. Vegetariern bietet sie Spinatknödel, gefülltes Gemüse oder Sellerieschnitzel an. "Ich freue mich einfach, wenn ich merke, dass es den Gästen schmeckt." Der Preis für ein dreigängiges Menü liegt bei 20 bis 35 Euro.

Den Hauptgang serviert sie grundsätzlich auf Platten und in Schüsseln, wie man dies von zu Hause kennt. "Ich koche nicht schnörkelig, sondern naturnah. Das Fleisch bekommt bei mir nur Salz und Pfeffer", sagt sie. Im Sommer hat sie durchschnittlich an fünf Tagen pro Woche Gesellschaften bei sich zu Gast, im Winter an zwei bis drei.

Einen guten Metzger zu haben, ist für sie genauso wichtig, wie einen guten Hausarzt. Bei den Schlachtungen ihrer Tiere ist sie immer dabei. Sie fährt die Tiere auch selbst hin und holt das grob zerlegte Fleisch nach dem Abhängen mitsamt Salami und Schinken wieder ab. Sie macht Leberwurst und Preßsack. Von den Früchten aus dem Garten kocht sie Marmeladen. All das kann man in Gläsern auf dem Hof kaufen. Auch Fleisch, Eier, Gemüse, Obst und Apfelsaft gibt es dort je nach Saison. Auch backt sie Brot und Kuchen. Lilian Maiers Arbeitstag beginnt meist um sechs Uhr morgens, und wenn abends eine Veranstaltung bei ihr stattfindet, kann es schon auch mal vier Uhr früh werden - vor allem am Wochenende. Eine kurze Nacht.

Wenn Maier erzählt, sagt sie fast nie "ich", sondern meist "wir". Und sie meint damit sich und ihre beiden Kinder. Die zwei sind inzwischen 23 und 25 Jahre alt. Auch wenn sie mittlerweile eigene Wege gehen, haben sie auf dem Hof von ihrer Mutter viel gelernt - über Landwirtschaft, Gästebetreuung, das Kochen und den respektvollen Umgang mit Natur und Kreatur.

Immer weniger klassische Landwirtschaft

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wird auch im Fünfseenland immer spürbarer. Von insgesamt knapp 400 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Starnberg setzen laut Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten noch etwa 90 auf reine Milchwirtschaft. Auch sonst sieht es in Sachen Rinderhaltung in der Region Starnberg eher düster aus: Waren im Jahr 2005 allein in diesem Segment 212 Betriebe gemeldet, sank die Zahl bereits 2010 auf 198. Im vergangenen Jahr waren es noch 126, wovon einige auf reine Muttertierhaltung oder Mast, also auf Fleischrinderrassen wie Charolais umgesattelt haben. In der reinen Milchwirtschaft hingegen würden einige wenige der noch verbliebenen Betriebe wiederum immer weiter wachsen, um überleben zu können, was aber "dazu führt, dass andere zum Aufgeben gezwungen werden", wie Amtsleiter Stefan Gabler sagt. Kleinere und mittlere Betriebe haben ihm zufolge nur eine Chance, um ihre Zukunft zu sichern: Sich mehrere Einnahmequellen zu suchen. Neben ökonomischen Geschick sei dabei auch "unbedingt Kreativität" gefragt, sich mit anderen Bauern auszutauschen und sich weiterzubilden, etwa zum Erlebnis- oder zum Gartenbauern. ABEC

Umwelt- und Naturschutz in Bayern "Die Landwirtschaft ist der einzig Schuldige, das ist mir zu platt"

Bienensterben

"Die Landwirtschaft ist der einzig Schuldige, das ist mir zu platt"

Georg Mayerhofer ist sowas wie ein Musterbauer - modern, kontaktfreudig, offen. Warum sich der junge Landwirt gegen das Volksbegehren Artenschutz wehrt.   Von Johann Osel und Christian Sebald