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Bienensterben:"Die Landwirtschaft ist der einzig Schuldige, das ist mir zu platt"

Landwirt Georg Mayerhofer.

(Foto: Philipp Ledényi)

Georg Mayerhofer ist sowas wie ein Musterbauer - modern, kontaktfreudig, offen. Warum sich der junge Landwirt gegen das Volksbegehren Artenschutz wehrt.

Servus Leute! So flott richtet sich Georg Mayerhofer an Zuschauer und Leser. Dann tut er das, was ein Bauer seiner Ansicht nach heutzutage tun sollte: nicht nur Feldfrüchte anbauen, sondern auch Brücken bauen - in die Gesellschaft. Auf Facebook und seinem Blog will er "die Leute mitnehmen", zeigen, was auf den Äckern wächst, erklären, "wie komplex unser Job geworden ist" - und dass es daher keine simplen Lösungen gebe.

Zu erzählen hat der Niederbayer, Mitte 30, viel: Zum Beispiel hat er ein Konstrukt für bodenschonendes Düngen ausgetüftelt, er investiere in Artenschutz so viel, wie ihm möglich sei. Bei den "Viechern" in Gewässerschutzstreifen, sagt er, wenn man da zuschaue und zuhöre, "geht einem das Herz auf". Ein Preis der Branche ehrte ihn 2017: als "Landwirt des Jahres", "Ackerbauer mit Weitblick". Modern, kontaktfreudig, offen - vielleicht ist der Wunschlandwirt in der Vorstellung manchen Städters, der noch nie auf einem Bauernhof war und nun mit dem Volksbegehren für Artenvielfalt die Bienen retten will, recht nah dran an Georg Mayerhofer.

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Dieses Volksbegehren aber lehnt Mayerhofer klar ab. Er ruft in einem Facebook-Video auf, sich die Unterschrift zu überlegen; und er führt das näher aus, wenn man ihn besucht in Parschalling im Kreis Passau. Die Hofstelle existiert seit dem 17. Jahrhundert. 270 Hektar bewirtschaftet er konventionell, in Kooperation führt er eine Biogasanlage, dazu kommt Schweinemast. 1200 Mastplätze sind es aktuell. Es ist ruhig auf dem Hof mittags, auch die Spielzeugtraktoren seiner Buben glänzen ungenutzt in der Wintersonne; im Saustall rumpelt es hie und da, die Biogasanlage raucht vor sich hin. Beim Wohnhaus sind die Bienen, Mayerhofer ist nebenbei Imker. Später wird der Tierarzt erwartet, weil sie vergangene Woche Ferkel hatten. Jetzt hat der Bauer, im gelben T-Shirt vom "Ring junger Landwirte", Zeit zum Reden in der Wohnstube.

Den Text des Volksbegehrens hat er auf Papier vor sich. "Ein gewisser Druck", sagt er, sei für die Branche ja nicht schlecht. Das sei wie bei den Hausaufgaben als Schüler. Aber: "Zu sagen, die Landwirtschaft ist der einzig Schuldige, das ist mir zu platt. Und auch, dass man uns etwas aufzwängen will, und der Rest der Gesellschaft tut nichts." Es sei so viel in Bewegung, am Willen mangele es nicht. Als "Demonstrationsbetrieb für Gewässer-, Boden- und Klimaschutz" empfängt er oft Gäste und gibt Einblicke dazu. "Aber man kann nicht in fünf Minuten alles ändern."

Kantiger formuliert das Georg Wimmer, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes: Der Bevölkerung werde durch das Volksbegehren "vorgegaukelt", dass man sich mit einer Unterschrift einfach "ein reines Gewissen erkaufen kann"; es finde ein "Bauern-Bashing" statt; Maßnahmen etwa gegen Mähroboter und Steinwüsten in Gärten suche man aber im Gesetzesentwurf vergeblich.

Norbert Schäffer wird energisch bei solchen Vorwürfen. Der Biologe ist Chef des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), sein Verband ist einer der Träger des Volksbegehrens. Schäffer ist viel unterwegs dieser Tage, überall konfrontieren Landwirte ihn damit, dass das Volksbegehren "Bauern-Bashing" sei. "Das ist Irreführung, unser Volksbegehren richtet sich an die Staatsregierung und nicht gegen die Bauern", kontert Schäffer.

"Aber den Bauern kommt beim Schutz der Artenvielfalt einfach eine Bedeutung zu wie keiner zweiten Bevölkerungsgruppe." Er zitiert dazu die Zahlen des Statistischen Landesamts. Danach gibt es ungefähr 92 000 Bauern in Bayern; sie bewirtschaften gut 3,1 Millionen Hektar Agrarland. "Das sind 45 Prozent der Landesfläche", sagt Schäffer. "Das ist gigantisch, da kommt keine andere Bevölkerungsgruppe ran. Alle Kleingärten zusammen sind nur ein Bruchteil davon."