Staller ohne Hubert:"Wenn ich scheitere, gehört das Scheitern wenigstens mir"

Staller ohne Hubert: Staller rockt Seefeld: Helmfried von Lüttichau packt in seinem ersten Soloprogramm eine handliche E-Gitarre aus.

Staller rockt Seefeld: Helmfried von Lüttichau packt in seinem ersten Soloprogramm eine handliche E-Gitarre aus.

(Foto: Susie Knoll)

Ex-Polizeiobermeister Helmfried von Lüttichau spricht über den Ausstieg aus der Kultserie, sein erstes Kabarettprogramm - und die Aufregung vor der Premiere.

Interview von Gerhard Summer, Seefeld

"Hubert ohne Staller" gibt es schon, jetzt folgt Staller ohne Hubert: Helmfried von Lüttichau, der durch die Rolle des tollpatschig naiven Wolfratshauser Polizisten berühmt geworden und 2017 nach mehr als 100 Folgen aus der Krimi-Serie ausgestiegen ist, gibt an diesem Samstag in Seefeld sein erstes Soloprogramm "Plugged", eine Mischung aus Kabarett und Musikabend. Ein Gespräch mit dem 64-Jährigen aus Schliersee, der in Gilching aufgewachsen ist, übers Scheitern, über Abenteuer und Rock.

SZ: Durch den Lockdown hatten Sie Zeit, dieses Programm zu schreiben, aber die Pandemie hat Ihren Tourplan mit etwa 40 Stationen durcheinander gewirbelt. Die meisten Auftritte sind um ein Jahr verschoben, Vorpremiere ist jetzt in Seefeld, eigentliche Premiere im August in München. Wie geht es Ihnen damit?

Helmfried von Lüttichau: Zwiegespalten. Einerseits bin ich ungeduldig, ich saß quasi in den Startlöchern und hab' mit den Hufen gescharrt. Auf der anderen Seite hab' ich sozusagen die Zeit gewonnen, in der sich was setzen kann. Oft ist es ja gar nicht so schlecht, wenn man mal ein paar Nächte drüber schläft und sich das Programm weiterentwickeln kann.

Am Samstag kommen Sie angeblich ein wenig früher nach Seefeld, um noch mal alles durchzugehen?

Ja, das Ganze ist für mich sowieso ein absolutes Abenteuer, weil ich mit Bühneneinrichtung, Ton und all diesen Dingen gar keine Erfahrung hab'. Und deshalb brauche ich ein wenig Zeit, um mich sozusagen einzuleben.

Was genau machen Sie vorher?

Es geht um den Ton für die Gitarre, die Platzierung der Mikros. Dass ich also einfach ein bisschen Zeit da verbringe, das eine oder andere anspiele oder ansinge und das Gefühl bekomme, ein bisschen Luft zu haben und nicht gehetzt zu sein.

Sie haben schon als Kind davon geträumt, Rockstar zu werden. Die Stones, Jimi Hendrix und Jim Morrison von den Doors gehörten zu ihren Idolen. Es gibt einen Auszug aus "Plugged", doch das klingt nach Schnaderhüpfl und Karl Valentin.

Ganz so ist es aber nicht. Rockmusik spielt in meinem Leben und auch an diesem Abend eine große Rolle, selbst wenn ich mich in den verschiedensten musikalischen Disziplinen versuche.

Sie verbrennen nicht à la Hendrix auf offener Bühne die Gitarre, aber es wird schon rockig?

Ja, es wird schon rockig, zumindest zum Teil, manchmal greif' ich aber auch auf meine Gesangserfahrung beim Theater zurück.

Hoffentlich greifen Sie nicht auf Ihre Erfahrung aus "Hubert und Staller" zurück, da sind Sie an einer Westerngitarre böse gescheitert.

Ja stimmt, das weiß ich schon gar nicht mehr. Ich hab' als Kind Geige gelernt, aber ich hätte gleich E-Gitarre spielen sollen. Da hab ich jetzt den Dreck im Schachterl, dass ich in hohem Altern anfangen muss, E-Gitarre zu lernen.

Was für eine Gitarre spielen Sie?

Eine Stratocaster, aber im handlichen Format.

"Plugged", also verstärkt, dreht sich ums Scheitern?

Im weitesten Sinne ja, auch wenn ich immer wieder dagegen ankämpfe. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen. Aber natürlich erzähle ich vom Scheitern des klassischen ernsthaften Schauspielers und den Versuchen, Rockstar zu werden, und wie es nicht gelungen ist. Aber ich versuche auch, ein Gedicht vor mir zu vertonen, was mir vielleicht auch gelingt. Aber das muss das Publikum entscheiden.

Sie sind 2017 aus "Hubert und Staller" ausgestiegen, um etwas Neues auszuprobieren. Der Krimi-Serie hat das gar nicht gut getan. Ihnen aber schon?

Was mich betrifft, kann ich das so unterschreiben, auch wenn's am Anfang nicht leicht war, weil, wenn man ins kalte Wasser springt, ist das Wasser auch erst mal kalt.

Ihre ersten Projekte mit Johano Strasser, respektive Andreas Rebers drehten sich um den Dichter Robert Gernhardt und Karl Valentin. Spielen Valentin und Gernhardt auch in "Plugged" eine Rolle ?

Gernhardt und Valentin sind Paten meines Bühnendaseins, die mich inspiriert und geprägt haben. Und in meinem Soloprogramm kommt überhaupt alles vor, was mich geprägt hat und was mir Spaß macht, die zwei gehören mit Sicherheit dazu.

Der Abend in Seefeld, zu dem nur 60 oder 70 Zuschauern zugelassen sind, ist leider schon ausverkauft. Können Sie sich ein zweites Gastspiel in Seefeld vorstellen? Oder einen Auftritt in Gilching, wo Sie aufgewachsen sind?

Ganz sicherlich kann ich mir das vorstellen, aber die Termine macht meine Konzertagentur, auf die ich auch sehr stolz bin. Was im Übrigen das Schönste ist an diesem Programm: dass ich auf der Bühne machen kann, was ich mir selber ausgedacht habe. Ich muss nicht den Anweisungen eines Regisseurs folgen, sondern nur meiner Nase. Das ist mein neuer Abenteuerspielplatz. Und wenn ich scheitere, gehört das Scheitern wenigstens mir.

Nach der Premiere von "Plugged" am 11. und 12. August im Garten der Seidlvilla München spielt Helmfried von Lüttichau sein Solo am 4. Februar 2022 in der Loisachhalle Wolfratshausen.

© SZ vom 02.06.2021
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