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Geothermie in Herrsching:Gemeinsam bohren

Die Suche nach heißem Wasser in der Tiefe ist mit Risiken verbunden. Das zeigt die Bohrung bei Geothermie Der Bohrturm bei Attenhausen in der Gemeinde Icking. Das dortige Geothermie-Projekt der Firma "Erdwärme Isar" ist gescheitert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Josef Birner sucht Geldgeber für einen neuen Anlauf bei der Geothermie am Ammersee. Es ist das bundesweit erste Crowdfunding-Projekt in dem Metier.

Von Michael Berzl

Nach Erdwärme zu bohren, kostet richtig viel Geld. Doch davon lässt sich Josef Birner aus Herrsching nicht abschrecken und er hofft sogar darauf, viele zahlungskräftige Mitstreiter mobilisieren zu können. Per Crowdfunding will der 64-Jährige, der sonst Ferienwohnungen vermietet, etwa 14 Millionen Euro einsammeln, um im zweiten Anlauf nun doch noch sein Geothermie-Projekt zu verwirklichen. Diesmal mit einem jungen Team an seiner Seite.

Beim bayerischen Wirtschaftsministerium liegt bereits sein Antrag auf eine "großräumige Aufsuchungserlaubnis". Demnächst will er sein Vorhaben in den Gemeinden und im Landratsamt vorstellen, und Anfang nächsten Jahres damit anfangen, um Investoren zu werben. Bohren würde er gerne an der Seefelder Straße in der Nähe des ehemaligen Heine-Firmengeländes. Wann? Da will sich der 64-Jährige noch auf keine Prognose festlegen. Seine Zuversicht ist jedenfalls groß: "Dann ist der Landkreis ratzfatz CO₂-neutral." Die ersten Interessenten hätten sich schon gemeldet, sagte Birner am Dienstag.

Sein Ziel, ein Geothermieprojekt in Herrsching zu verwirklichen, behält Josef Birner fest im Blick. Nun macht er sich auf die Suche nach Investoren, denn das Bohren ist teuer.

(Foto: privat)

Vor acht Jahren war er schon einmal recht weit, hatte nach eigenen Angaben einen Vorbescheid für ein Geothermie-Kraftwerk und Kontakt zu einem amerikanischen Investor. Doch dann seien ihm die Pläne für den Bau des Gymnasiums in die Quere gekommen, das nun am Mühlfeld gebaut wird. Damit ist der Weg frei für einen neuen Anlauf, denn die Idee sauberer Energiegewinnung lässt Birner nicht los: "Ich gebe halt nicht auf. Jetzt fangen wir wieder neu an." Er räumt aber auch ein: "Ob es uns gelingt, weiß ich nicht. Aber wer es nicht versucht, der hat schon verloren." Ein Wagnis ist es jedenfalls; das zeigt der Blick in die Umgebung, wo schon mehrere Geothermie-Projekte gescheitert sind; bei Weilheim oder Höhenrain beispielsweise.

"Man muss aber auch ein bisschen mutig sein, um unsere Zukunft besser zu gestalten", meint Tochter Sophie Birner. Die 32-Jährige kümmert sich in der Geothermie Ammersee GmbH ums Marketing. Eine Studie über seismische Linien macht sie zuversichtlich. Herrsching liege in einer Zone, die in der Branche "Markt Schwabener Bruch" genannt werde. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit werde man dort in der Tiefe auf ausreichend heißes Wasser treffen.

Mit einer Geothermie-Anlage könne so viel Energie wie mit vier oder fünf Windrädern gewonnen werden, erklärt Josef Birner. Sein Unternehmen will Strom für 9000 Haushalte und Wärme für 1500 Haushalte liefern. So steht es jedenfalls auf der Homepage der Firma, die erst seit wenigen Tagen freigeschaltet ist. Sein Team habe sich zum Ziel gesetzt, "Geothermieprojekte erfolgreicher, stabiler und nachhaltiger zu gestalten".

Das Gebiet zwischen Ammersee und Starnberger See, für das er eine Aufsuchungserlaubnis beantragt hat, ist laut Birner gut 200 Quadratkilometer groß und erstreckt sich von Wörthsee bis hinunter nach Pähl sowie zwischen Starnberg und Tutzing. Im günstigsten Fall, so der Herrschinger, würde er gerne an mehreren Stellen Kraftwerke bauen. Zugleich betont Birner, dass er sein Geothermie-Projekt nur im Einvernehmen mit den Bürgern verwirklichen wolle: "Nur wenn die Leute es wollen, nicht auf Biegen und Brechen."

Die Aufsuchungserlaubnis, die der Herrschinger im August beantragt hat, ist nur ein erster Schritt in einem langen Verfahren. Wie eine Ministeriumssprecherin erläutert, sei diese Erlaubnis zum Beispiel notwendig, um Daten zu sammeln oder seismische oder geophysikalische Voruntersuchungen anzustellen. So einen Antrag hat fast gleichzeitig ein Konsortium unter der Federführung der Asto-Gruppe in Oberpfaffenhofen für ein Geothermie-Projekt auf Gautinger Gemeindegebiet gestellt. Im Unterbrunner Holz, wo auch ein großes neues Gewerbegebiet geplant ist, soll nach Erdwärme gebohrt werden. Außerdem gibt es nach Angaben des Ministeriums einen Antrag für das Großhesseloher Feld, das südlich von Buchendorf bis in den Landkreis hinein reicht.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) sieht ein großes Potenzial in der Geothermie. "Wir haben noch viel ungenutztes Potenzial, nicht nur bei Windkraft und Photovoltaik, sondern auch bei Geothermie. Das müssen wir jetzt nutzen", erklärte er. Er habe deshalb einen Masterplan auf den Weg gebracht: "Ab 2021/2022 planen wir Haushaltsmittel für ein neues Förderprogramm ein", heißt es in einer Mitteilung.

Bisher gab es nach Angaben seines Ministeriums 66 Bohrungen in Bayern. Daraus resultierten 22 Anlagen mit einer Wärmeleistung von mehr als 300 Megawatt und einer Stromleistung von etwa 30 Megawatt. Zwei Anlagen sollen dieses Jahr noch in Betrieb gehen. Aiwanger rechnet damit, dass Unternehmen weitere Standorte erschließen können.

© SZ vom 30.09.2020
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