Geothermie in der Region Auf der Suche nach den heißen Quellen

Der Bohrturm in der Nähe von Höhenrain kann wieder abgebaut werden. Beim Flughafengelände in Oberpfaffenhofen könnte in etwa einem Jahr ein neuer errichtet werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Erneut ist ein Projekt nahe der Raststätte Höhenrain gescheitert. In Gilching und Gauting hingegen sollen die Bohrungen in diesem Jahr beginnen.

Von Michael Berzl und Claudia Koestler, Gauting/Icking

Während bei Höhenrain ein Geothermieprojekt zur Stromerzeugung der Gemeinde Icking gerade gescheitert ist, laufen die Vorbereitungen für die Erdwärme-Versorgung von Haushalten in Gauting und Gilching weiter. Ein Konsortium unter Federführung der Asto-Gruppe arbeitet an einem Betriebsplan, der im Wirtschaftsministerium eingereicht werden soll, berichtet Geschäftsführer Bernd Schulte-Middelich. Den Kommunalpolitikern in den beiden Gemeinden hat er das Procedere im vergangenen Jahr erläutert. Dazu gehöre auch, den Umgriff eines Wasserschutzgebietes zu verändern; entsprechende Pläne sollen im Februar öffentlich ausgelegt werden.

Der Asto-Geschäftsführer rechnet damit, dass er in zwei Jahren Heizwärme aus der Tiefe liefern kann. Wenn alles nach Plan läuft, könnte noch Ende dieses Jahres im Unterbrunner Holz in der Nähe des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen gebohrt werden. Nach Erkenntnis von Schulte-Middelich ist es "im Moment das einzige Projekt" dieser Art in der Region.

Denn die Hoffnung auf eine Anlage in Icking, die bis zu 60 000 Haushalte im Oberland mit regenerativen Strom versorgen sollte, ist geplatzt. Die Bohrung zwischen Dorfen und Attenhausen in der Nähe der Raststätte Höhenrain an der Garmischer Autobahn habe nicht den erhofften Erfolg gebracht, weitaus weniger Wasser als erwartet fand die Projektgesellschaft Erdwärme Isar, teilte das Unternehmen im Dezember in einer knappen Meldung mit: "Obwohl die Reservoirtemperatur 140 Grad Celsius übersteigt, entspricht die Schüttung nicht den Erwartungen und den wirtschaftlichen Vorgaben. Daher wird das Geothermie-Projekt Dorfen bis auf Weiteres eingestellt."

Damit ist erneut ein Erdwärmeprojekt in Oberbayern gescheitert, bevor es begonnen hat. Die "Geoenergie Bayern", die bei Utting nach heißem Wasser aus drei Kilometer Tiefe bohren wollte, hat aufgegeben. In Bernried wurden die Planungen 2014 eingestellt, nachdem es in Geretsried erste Fehlbohrungen gegeben hatte. Im vergangenen Juli hatte sich der Gemeinderat zwar dafür ausgesprochen, die Baugenehmigung für ein Heizkraftwerk für zwei Jahre zu verlängern; aber nur, um die Bergrechte zu sichern. SPD-Gemeinderat Walter Westermeier glaubte da noch, dass das Interesse wieder steigt, falls man bei den Probebohrungen in Icking doch noch fündig werde.

Ebenfalls im vergangenen Jahr mussten bereits die Betreiber eines Geothermieprojekts im Geretsrieder Ortsteil Gelting die Segel streichen, nachdem sie einen zweiten Anlauf gewagt hatten. Die Erdwärme Bayern hatte zudem in Weilheim keine ausreichende Fündigkeit erreicht, sodass auch dort abgebrochen wurde.

Wegen der geringen Heißwassermengen in Icking hat sich auch der finnische Investor Taaleri aus dem Projekt zurückgezogen. Ursprünglich wollte der Finanzdienstleister mit 160 Millionen Euro einsteigen. Wie viel davon bereits investiert wurde, teilt Erdwärme Isar nicht mit. Etwa drei Millionen Euro Verlust verbucht das Unternehmen Taaleri jedoch nach eigenen Angaben in 2018, weil das Geothermieprojekt gescheitert sei.

Alle weiteren Arbeiten auf dem Bohrplatz Dorfen und dem zweiten Bohrplatz bei Walchstadt sind zunächst eingestellt. Das Unterfangen untersteht weiterhin dem Bergrecht, sodass weitere Schritte wie das Verfüllen des Bohrlochs mit dem Bergamt abgesprochen werden müssen. Ob sich ein anderer Investor findet, der eine Ablenkungsbohrung wagt, oder ob das gesamte Projekt abgebrochen und die bisherigen Bohrfelder und Infrastrukturen zurückgebaut werden sollen, wird nun von den Verantwortlichen eruiert. "Die Entscheidung wird im Januar fallen", erklärt dazu die Gemeinde Icking.

Von dem dortigen Projekt unterscheidet sich das Vorhaben im Gautinger Gemeindegebiet in einem wesentlichen Punkt: Das heiße Wasser aus etwa 3000 Metern Tiefe soll nicht zur Stromproduktion verwendet werden, sondern nur Wärme zum Heizen liefern. Das ist technisch weniger anspruchsvoll, und es muss weniger tief gebohrt werden.