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Fünfseenland:Wenn Wildtiere durch die Ortschaften ziehen

Ein Fuchs hat in Andechs zwei Kinder angegriffen

In Frieding hat ein Fuchs zwei Kinder in einem Zelt angegriffen.

(Foto: dpa)

Füchse, Biber und Wildschweine rücken den Menschen immer weiter auf die Pelle. Nach dem Fuchs-Angriff auf zwei Mädchen in einem Garten warnen Experten aber vor Panikmache.

Füchse, Biber und Wildschweine rücken den Menschen im Fünfseenland immer weiter auf die Pelle. Nachdem ein Fuchs am Wochenende zwei achtjährige Mädchen in einem Zelt in Andechs angegriffen hat, warnen Experten vor Panikmache. Es sei allerdings zu beobachten, dass es vor allem Füchse immer öfter in Ortschaften ziehe, weil sie dort "angefüttert und habituiert" würden, sagt der Wildbiologe und Forstwirt Andreas König. Damit gewöhnten sich die Füchse an den Menschen, die durch das Fehlverhalten diese Tiere aus dem Wald anlockten, erläutert der Experte, der dieses Phänomen in der Starnberger Region untersucht hat.

Dies beziehe er aber nicht auf die Familie im Ortsteil Frieding, in deren Garten es der Fuchs auf das Zelt abgesehen hatte, in dem die beiden Mädchen übernachteten. Das Tier biss eines der Kinder sogar in die Hand, als es den Fuchs mit Schlägen gegen die Innenwand abwehren wollte. Erst nach einer Viertelstunde konnten die Eltern das offenbar sehr aggressive Tier abwehren. Der Fuchs flüchtete in den nahen Wald, der Vater brachte das verletzte Mädchen ins Krankenhaus. König vermutet, dass in diesem Fall ein Jungfuchs das Anwesen für sein Territorium gehalten und das Zelt mit den Mädchen als Eindringling angesehen habe - und nur sein Terrain verteidigen wollte.

Diese Attacke sei ein "unglaubliches Pech" gewesen und ein absolut ungewöhnlicher Fall, sagt auch der Starnberger Kreisjägerchef Hartwig Görtler zu dem nächtlichen Vorfall. Er rät dringend, Füchse nicht zu füttern und zum Beispiel keine Speisereste auf Komposthaufen zu werfen. Denn das hole sich der Allesfresser gerne ab. Generell sollten Wildtiere in Ruhe gelassen, Abstand von ihnen gehalten und nicht mit der Handykamera verfolgt werden, denn sonst könnten sich diese Tiere "sehr grantig" verhalten, betont Görtler. Das gelte vor allem bei Wildschweinen, dem nach seiner Meinung gefährlichsten Tier im Landkreis, das häufig Äcker durchpflügt. Sein Rat bei einer Begegnung mit dem Schwarzwild: "Nicht nähern oder vorbeigehen, sondern langsam zurückweichen."

Dass sich in der Region längst der Biber heimisch fühlt und sich auch an Seeufern ausbreitet, ist bekannt. Die Nager fällen nicht nur Bäume oder machen sich an Dämmen und Bootshäusern zu schaffen - sie beißen auch zu. Dies erfuhren vor einigen Jahren zwei Männer bei Stockdorf. Ein Kraillinger, der seinen Hunden beim Planschen in der Würm zuschaute, erlitt eine zwei Zentimeter tiefe Bisswunde. Bald darauf erwischte es einen Schwimmer: Ein Nager hatte mit rasiermesserscharfen Schneidezähnen in den Oberschenkel des 26-Jährigen gebissen. Aufsehen erregte ein Wolf, der vor drei Jahren im nördlichen Landkreis von einer Wildschweinkamera fotografiert worden war. Dem scheuen Tier werde aber das eher kleine und unruhige Revier im Fünfseenland sicher nicht behagt haben, glaubt Görtler.

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