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Fünfseenland:Ein Monster? Ach was, Ringelnatter

Schwimmende Ringelnatter

Für den Menschen ist die Ringelnatter völlig ungefährlich, für Amphibien aber nicht.

(Foto: Thomas Warnack/dpa)

Sie kommen im Märchen vor, sind schlechte Schwimmer, haben Barthaare oder einen miserablen Ruf. Doch fast alle Fische und Tiere, die in hiesigen Gewässern leben, sind harmlos für Menschen.

Von Astrid Becker

Ringelnatter

Wenn sie auftaucht, ist das Gekreische unter den Badegästen besonders schrill: Vom "Seeungeheuer" ist dann schon mal die Rede. Weniger dramatische Gemüter belassen es bei dem, was sie zu sehen glauben: eine "riesige und gefährliche Wasserschlange." Beides ist schlicht Unsinn. Denn bei dem Tier, das diese Menschen schwimmend gesehen haben, handelt es sich um eine Ringelnatter, die zur Gattung der Europäischen Wassernattern gehört und allein deshalb ein Bad im See zu schätzen weiß. Riesig können diese Schlangen allerdings nicht werden.

Nur die weiblichen Vertreterinnen dieser Art erreichen theroretisch eine Länge von eineinhalb Metern, was allerdings recht selten ist. Für den Menschen ist die Ringelnatter völlig ungefährlich, für Amphibien aber nicht - denn sie zählen zu den Lieblingsspeisen dieser Schlangen. Zu erkennen sind Ringelnattern an den zwei gelben bis orangefarbenen, halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf. Sie sind tagaktiv und regulieren ihre Körpertemperatur über ihr Verhalten. Deshalb sind Lebensräume, die unterschiedliche Temperaturen bieten, für sie wichtig - Sonnenplätzchen ebenso wie kühlende Gewässer.

Warum die Menschen beim Anblick einer Schlange meist in Hysterie ausbrechen, ist bislang nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. Möglicherweise könnte die Angst vor diesen Tieren aber ihren Ursprung in der Mythologie haben. Denn Schlangen wird seit jeher nachgesagt, mit dem Teufel in Verbindung zu stehen und mit dämonischen Kräften ausgestattet zu sein. Bei den Germanen etwa umspannt die Schlange Jörmungandr die Welt, indem sie sich selbst in den Schwanz beißt. Man nennt sie deshalb auch Midgardschlange.

Der Sage nach soll Thor mehrmals vergeblich versucht haben, sie zu vernichten. Als es ihm schließlich gelang, sie mit seinem Hammer tödlich zu verwunden, ging auch er elendiglich zugrunde: Im Todeskampf bohrte sie ihre Zähne in seinen Arm, und Thor starb am Ende durch ihr Gift. Eine Ringelnatter kann diese Schlange natürlich nicht gewesen sein. Denn Ringelnattern sind völlig ungiftig - und besonders friedfertig, sogar untereinander. Kämpfe oder Beißereien zwischen Rivalen gibt es bei dieser Tierart nicht.

Gründling

Er lebt zwar nicht im Starnberger See, wohl aber in den Fließgewässern des Fünfseenlands - und hat es sogar zur Schlüsselfigur in einem Märchen der Gebrüder Grimm geschafft. In "Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" hat ein Vater zwei Söhne, einen klügeren Älteren und einen etwas einfältig wirkenden Jüngeren, der partout nicht verstehen will, warum sein Umfeld immer wieder davon spricht, dass es sich gruselt. Deshalb beschließt er, das Fürchten zu lernen.

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Der Gründling gilt als recht gesellig und friedlich.

(Foto: Hartl/imago)

Dabei begegnet der Protagonist zwar allerlei Gespenstern und unheimlichen Gestalten. Doch die Angst, die er so herbeisehnt, empfindet er nicht. Erst als die Kammerzofe seiner Frau einen Eimer Gründlinge aus dem Bach fischt, wendet sich das Blatt: Nachts, während er schläft, schüttet sie das kalte Wasser und die Fische über ihn - und der junge Mann weiß endlich, was Furcht wirklich bedeutet.

Dabei ist der Gründling in Wahrheit weder furchteinflößend noch erschreckend groß: Denn dieses Fischlein erreicht gerade einmal eine durchschnittliche Länge von zehn bis 15 Zentimetern. Der Winzling gilt zudem als sehr anpassungsfähig. Er braucht lediglich sauberes und sauerstoffreiches Wasser. Sein Wesen beschreiben Zoologen und Fischkundler als recht gesellig und friedlich - ein Fisch also, der auch mit anderen Bewohnern unter Wasser bestens zurecht kommt. Er selbst bevorzugt ein Leben in lockeren Schwärmen. Seine Art ist in ganz Bayern verbreitet und zählt zu den Karpfenfischen.

Kamberkrebs

Schnapp - und der Zeh ist ab. Klar, viele denken beim Anblick dieser Krebse an blutige Wunden. Und ganz so weit hergeholt ist das auch nicht: Denn der Kamberkrebs, der sich in hiesigen Gewässern wie im Ammersee mehr und mehr ausbreitet, ist tatsächlich für sein recht wehrhaftes Verhalten bekannt. Er kann sich sogar gegen Aale und andere Raubfische behaupten.

Der Kamberkrebs hat den schmackhaften Edelkrebs verdrängt.

(Foto: wikimedia/cc-by-sa)

Das etwa zwölf Zentimeter große Tier hat - wie der amerikanische Signalkrebs - den schmackhaften Edelkrebs verdrängt, unter anderem, weil er die Krebspest überträgt, eine tödlich verlaufende Pilzerkrankung für Edelkrebse. Für seine Ausbreitung wird ein Fischzüchter verantwortlich gemacht, der 1890 den nordamerikanischen Kamberkrebs in die Oder und andere Gewässer ausgesetzt haben soll. Von dort aus hat der Kamberkrebs dann ganz Mitteleuropa erobert.

Waller oder Wels

Was wird ihm alles nachgesagt! Kleine Kinder soll er fressen, Dackel mit Haut und Haaren verschlingen. Die Rede ist vom Wels, auf Bairisch auch Waller genannt. Zu seinen Lieblingsspeisen allerdings gehören weder Mensch noch Hund, sondern Fische, Wirbellose, kleine Wasservögel und kleine Säugetiere. Ein Raubfisch ist er also schon, der sich aber vorwiegend nachts und in der Dämmerung auf Beutezug begibt und tagsüber gern am Grund ruht.

Germany Bavaria Girl diving with wels catfish Silurus glandis in river Alz model released PUBLIC

Tagsüber ruht der Wels gern am Grund.

(Foto: imago)

Er kann, und das wird ihm auch seinen eher schlechten Ruf eingebracht haben, aber wirklich sehr groß werden für einen Süßwasserfisch: Von maximal zweieinhalb Metern ist im Fischlexikon des Landesfischereiverbands Bayern die Rede. Der Wels besitzt einen massigen, langen und schuppenlosen Körper und einen abgeplatteten Kopf mit sehr langen Bartfäden. Sein riesiges Maul zieren viele kleine, bürstenartige Zähne.

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