bedeckt München
vgwortpixel

Städteranking:Münchens verhängnisvolle Liebe zum Auto

Stau in München, 2016

Der Stau ist hausgemacht: In München kommen 491 Autos auf 1000 Einwohner. Zum Vergleich: In Berlin sind es nur 341.

(Foto: Florian Peljak)
  • In einem "Städteranking zur nachhaltigen Mobilität" landet München trotz sehr schlechter Stickstoffoxid-Werte und einem hohen Kohlendioxid-Ausstoß pro Einwohner auf dem zweiten Platz.
  • Die Umweltorganisation Greenpeace hatte die Studie in Auftrag gegeben.
  • Lobend wird erwähnt, dass München bemüht ist, den Radverkehr auszubauen.
  • Dennoch sei die Belastung durch die vielen Autos höher als in anderen Städten.

Was die Nähe zum Meer so alles ausmachen kann: Bremen, zum Beispiel, hat im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten kein allzu großes Problem mit Stickstoffoxid (NO₂) und Feinstaub in der Luft. Die Meeresbrise bläst den Dreck einfach weg. Das ist eines der Ergebnisse einer Greenpeace-Studie, die an diesem Donnerstag erscheint.

Die Umweltorganisation hat die 14 größten Städte Deutschlands vom Hamburger Planungsbüro Urbanista untersuchen und eine Rangliste erstellen lassen. In diesem "Städteranking zur nachhaltigen Mobilität" landet München trotz sehr schlechter NO₂-Werte und einem hohen Kohlendioxid-Ausstoß pro Einwohner auf dem zweiten Platz, hinter Berlin.

Die Studie orientiert sich an 22 Messgrößen aus drei Kategorien, für die es jeweils Punkte gibt. Erstens wird das Angebot an neuen Mobilitätsformen wie Leihrädern und Leihautos bewertet, zweitens der Schutz von Umwelt und Gesundheit, gemessen zum Beispiel an der Belastung durch Stickoxide und Feinstaub. Dritte Kategorie ist die Erreichbarkeit von leistungsfähigen U-, S- oder Straßenbahnen.

Die Stadt München fällt in einzelnen Punkten regelrecht durch. Da ist zum Beispiel eine relativ hohe Dichte an Autos in der Stadt, die im Jahr 2015 zwar leicht zurückgegangen ist, aber deutlich höher liegt als beim Sieger Berlin. In München kommen 491 Autos auf 1000 Einwohner, in der Hauptstadt lediglich 341. Nur im Schlusslicht Düsseldorf (492 Autos) ist die Dichte noch höher.

Auch bei der NO₂-Belastung hat München den zweitschlechtesten Wert; schlimmer schneidet nur Stuttgart ab. Allenfalls durchwachsen ist die Bilanz beim Kohlendioxid (CO₂)-Ausstoß pro Einwohner und Jahr (7,6 Tonnen) und bei der Erreichbarkeit des öffentlichen Schienennahverkehrs.

Schaut man sich den sogenannten Modal Split an, steht München zwar im Vergleich gut da. Modal Split nennt man den jeweiligen Anteil der verschiedenen Verkehrsmittel in einer Stadt. Doch auch hier besteht noch Verbesserungsbedarf. Der Anteil des Autos überwiegt hier mit 32,5 Prozent deutlich. Fußwege belegen 27,2 Prozent, der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) 22,8 und der Radverkehr nur 17,8 Prozent.

Zur SZ-Startseite