Ramersdorf Bayerische Hausbau plant Wohnungen im Kustermannpark

Im Visier der Bauherren: Laut einem Dossiers des Investors könnten in dem neuen Quartier im Südteil des Kustermannparks 565 Bewohner unterkommen.

(Foto: Angelika Bardehle)
  • Die bayerische Hausbau erwägt eine Bebauung von Teilen des Kustermannparks in Ramersdorf, um dort neuen Wohnraum zu schaffen.
  • Anwohner und Politiker des Bezirksausschusses kritisieren das Vorhaben, durch das der Park von 27 000 auf 17 000 Quadratmeter schrumpfen würde.
Von Johannes Korsche, Ramersdorf

Der Kustermannpark, südlich der Bahnunterführung an der Rosenheimer Straße gelegen, ist derzeit noch eine beliebte Grünfläche inmitten eines lebhaften Viertels. Noch. Denn der 27 000 Quadratmeter große Park ist als Areal für potenzielle Nachverdichtung in den Fokus der Bayerischen Hausbau geraten. "Wir sind dabei, generell die Grundlagen für eine mögliche Ergänzungsbebauung auf einem Teilgrundstück des Kustermannparks zu prüfen", bestätigt Kathrin Borrmann, Pressesprecherin der Bayerischen Hausbau.

Dabei verweist sie auf die drängende Wohnungsnot und den anhaltend massiven Zuzug nach München. Dies habe die Verantwortlichen in Politik und Behörden dazu gebracht, mit der privaten Bauwirtschaft über den weiteren Umgang mit möglichen Wohnungsbauflächen nachzudenken - dazu zählt nun auch der Kustermannpark.

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Die Pläne stoßen allerdings bei Anwohnern und Politikern im Ramersdorfer Bezirksausschuss auf Vorbehalte. Die Kritik bezieht sich dabei auf die Verkleinerung des Parks, Baumfällungen und die Informationspolitik der Bayerischen Hausbau. Einem Wohnungs-Eigentümer waren Anfang des Jahres kleine Markierungen an den Bäumen entlang der Rosenheimer Straße aufgefallen. Erst nach einigen Anfragen stellte sich heraus, dass die Bayerische Hausbau die Kartierung der Bäume vorgenommen hatte. Damit habe man den aktuellen Baumbestand aufnehmen und schützenswerten Bestand identifizieren wollen, erklärt Firmensprecherin Borrmann. "Wir befinden uns aktuell noch an einem sehr frühen Punkt der Prüfung und haben daher zunächst davon abgesehen, Wasserstandsmeldungen nach außen zu geben."

Allerdings: Auf einer eigens einberufenen Eigentümerversammlung im April dieses Jahres ist das Unternehmen durchaus konkreter geworden. Das geht aus einer Präsentation hervor, die bei dieser Veranstaltung gezeigt wurde und die der SZ vorliegt. So sieht die Hausbau ein Potenzial für bis zu 250 Wohnungen, in denen etwa 565 neue Bewohner unterkommen könnten. Die neuen Wohnungen könnten ausweislich des Dossiers im Südteil des Kustermannparks entlang der Rosenheimer Straße entstehen. Im nördlichen Bereich wird der Baumbestand als schützenswert eingestuft. Der Park müsste um gut 10 000 Quadratmeter schrumpfen, verbleiben würden 17 000 Quadratmeter Grünfläche.

Indes kann nach den Angaben eines Eigentümers, der anonym bleiben möchte, ungefähr die Hälfte der Eigentümergemeinschaft diesen Plänen auch positives abgewinnen. Das liegt an komplizierten Besitzverhältnissen, die seit den Achtzigerjahren auf dem Grundstück bestehen. "Die betreffende Parkfläche wurde seinerseits übereignet, aber wirtschaftlich nicht mitverkauft", sagt Hausbau-Sprecherin Borrmann. Das bedeutet: Eine sogenannte Auflassungsvormerkung im Grundbuch würde es erlauben, die Fläche wieder der Stadt München zu übertragen, sollte dort Wohnrecht geschaffen werden.

"Hier schlägt die Bayerische Hausbau einen Deal vor", sagt ein Eigentümer. So würde jene Parkfläche, die nach der Nachverdichtung übrig bleiben würde, zukünftig ohne Einschränkungen der Eigentümergemeinschaft gehören. Dies führt, so steht es in dem Präsentationspapier der Hausbau, zu einer "Wertsteigerung bei Weiterveräußerung". Zudem stellt das Unternehmen in Aussicht, sich an Sanierungsmaßnahmen, die der Gesamtaufwertung des Standortes dienlich sind, zu beteiligen.

Während die Eigentümergemeinschaft offenbar eine gespaltene Haltung zu dem "Deal" einnimmt, hat der Vorsitzende des Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach, Thomas Kauer (CSU), eine entschiedene Meinung: "Einer Überbauung des Kustermannparks stehe ich sehr, sehr kritisch gegenüber." Der Park sei eine erhaltenswerte und wichtige Grünfläche, es gebe davon in der Umgebung nur sehr wenige. Die mit dem Vorhaben verbundene Emotionalität kann er nachvollziehen. Für die weitere Planung hat er vor allem einen Wunsch: "Ich appelliere dringend an die Bayerische Hausbau und die Stadt München, keine Geheimniskrämerei zu betreiben und die Öffentlichkeit transparent zu informieren."

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