Poing/Pliening Bayernwerk AG schaltet nach Erdbeben in Poing Geothermie ab

Seismologen können nicht ausschließen, dass das Erdbeben durch die Geothermie in Poing ausgelöst wurde.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)
  • Die Bayernwerk AG hat die Geothermieanlage in Poing nach dem Erdbeben am Samstag vorübergehend außer Betrieb genommen.
  • Die Wärmeversorgung der Menschen erfolgt nun durch ein Blockheizkraftwerk auf Erdgasbasis.
  • Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Erdbeben und der Geothermieanlage ist noch nicht bewiesen.
Von Barbara Mooser, Poing/Pliening

Die Bayernwerk AG, die die Geothermie in Poing betreibt, hat nach dem Erdbeben am Samstag nun reagiert und die Geothermieanlage vorübergehend außer Betrieb genommen. Dies hatte auch Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) gefordert. "Wenn die Geothermie ein Risiko für die Poinger darstellt, dann muss die Anlage sofort abgeschaltet werden, vorsorglich auch dann, wenn die Ursache noch nicht geklärt ist", so Hingerl.

Beim Unternehmen, das seit 2012 die Poinger mit Wärme aus der Erde versorgt, will man die Reaktion allerdings nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen: "Ausdrücklich festhalten möchten wir, dass es bislang keine Belege für den Zusammenhang der lokalen Beben mit dem Betrieb der Geothermieanlage gibt", betont der Sprecher der Bayernwerk AG: "Die Anlage schalten wir ab, um dem Wunsch der Gemeinde nachzukommen und besorgten Bürgern etwaige Ängste zu nehmen." In der Kälte müssen die Poinger deshalb nicht sitzen bleiben. Die Versorgung der Menschen bleibe sichergestellt, sie erfolge durch ein Blockheizkraftwerk auf Erdgasbasis, so der Unternehmenssprecher.

Poing In Poing bebte erneut die Erde
Ebersberg

In Poing bebte erneut die Erde

Am Samstagabend ist ein Knall zu hören und ein deutliches Vibrieren zu spüren. Jetzt wird untersucht, ob die Geothermie das Beben verursacht hat.   Von Barbara Mooser

Das Erdbeben am Samstagabend hat die Bewohner der betroffenen Region östlich der Landeshauptstadt offenbar gehörig verunsichert: Etwa 110 Anwohner vor allem aus Pliening, Poing und Kirchheim haben beim Erdbebendienst Bayern inzwischen Berichte über das Beben abgegeben und ihre Erlebnisse geschildert. Was die Stärke des Erdbebens angeht, so differieren die Angaben der verschiedenen Erdbebendienste etwas: Während das Geoforschungszentrum in Potsdam die Magnitude mit 2,4 angibt, liegen die Messungen des Erdbebendienstes Bayern etwas darunter, etwa bei 2,2. Das Erdbeben war damit minimal stärker als die beiden Beben, die Ende 2016 bereits einmal Poing erschüttert haben. Damals war eine Magnitude von 2,1 gemessen worden.

Inzwischen haben die Seismologen auch das Epizentrums des Bebens genauer lokalisiert, es liegt nördlich von Poing auf Plieninger Gemeindegebiet, in etwa zwischen Pliening und Landsham. Entstanden ist es laut Joachim Wassermann vom Erdbebendienst Bayern in einer Tiefe von etwa drei Kilometern, "plus/minus", wie er sagt. Beide Faktoren legen erneut die Vermutung nahe, dass es die Geothermie sein könnte, die das Beben ausgelöst hat. Denn in der Nähe wird das abgekühlte Wasser in die Erde zurückgeleitet, dadurch könnten nach Einschätzung der Seismologen durchaus Spannungen im Untergrund gelöst werden und die Erde in Bewegung geraten.

Bereits bei den Beben 2016 hatten es Vertreter der Bayernwerk AG allerdings als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die Geothermie an den Beben in der Region schuld ist. Vom Bergamt Südbayern wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, um eventuelle Zusammenhänge zu klären. Im Oktober soll dieses Gutachten des Leibniz-Institutes für Angewandte Geophysik in Hannover vorliegen. Die Gemeinde hat unterdessen alle Poinger aufgefordert, Schäden, die durch das Erdbeben verursacht sein könnten, zu melden. Die Kontaktadresse: Gemeinde Poing, "Erdbebenschaden", Rathausstraße 3, 85586 Poing, E-Mail: post@poing.de, Telefon (08121) 97 94-0. Die Gemeinde will diese Meldungen an das Unternehmen weiterleiten.

Erdwärme Endspurt in 4800 Metern Tiefe

Erdwärme

Endspurt in 4800 Metern Tiefe

Die Bohrung für das Geltinger Geothermiekraftwerk ist fast abgeschlossen. Ob dort Wasser fließt, muss ein Pumptest zeigen   Von Claudia Koestler