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Ebersberg:In Poing bebte erneut die Erde

Geothermieanlage Poing

Was die Ursache der Beben war, ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Es laufen aber Untersuchungen, ob die Geothermieanlage in Poing das Beben ausgelöst hat.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Am Samstagabend ist ein Knall zu hören und ein deutliches Vibrieren zu spüren. Jetzt wird untersucht, ob die Geothermie das Beben verursacht hat.

Für viele Poinger war es ein gehöriger Schreck am Samstagabend: "Wir saßen beim Essen und empfanden erst etwas wie Druck auf den Ohren, dann fühlte es sich an, als würde sich der Boden wie durch eine Welle unter uns anheben - Stuhl, Eckbank - , einige saßen auf der Couch nebenan und empfanden das Gleiche", berichtet ein Poinger auf einer privaten Homepage, auf der man Erdbebenereignisse melden kann.

Ein anderer schreibt: "Zuerst hörte man eine Art Druckwelle und danach vibrierte das ganze Fünfparteienhaus. Es fühlte sich an, als wäre in der Nachbarschaft etwas explodiert." Erneut hat am Samstag gegen 19.20 Uhr ein Erdbeben Poing erschüttert, es soll eine Magnitude von 2,4 auf der Richterskala gehabt haben.

Auch bei der Polizei gingen am Samstagabend viele beunruhigte Anrufe vor allem aus dem nordwestlichen Bereich der Gemeinde ein: Mehrere besorgte Bürger teilten mit, dass Gläser in den Schränken vibriert und Hängelampen leicht gependelt hätten. Auch die Polizisten selbst hatten den Stoß in ihrem Dienstgebäude gespürt. Personen seien nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt worden, so die Polizei, eine Anwohnerin habe an ihrem Haus aber zwei Mauerschäden im Dachgeschoss festgestellt.

Damit wäre es etwas stärker als die anderen Beben in Poing

Laut dem Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam hatte das Beben eine Magnitude von 2,4 auf der Richterskala und wurde in einer Tiefe von zwei Kilometern ausgelöst. Damit wäre es etwas stärker als die anderen Beben, die Poing bereits erschüttert haben.

Denn die Bewohner der Gemeinde erleben so etwas nicht zum ersten Mal: Im Herbst und Winter 2016 hatte der Erdbebendienst Bayern sogar vier leichte Beben hintereinander registriert. Zwei von ihnen waren so leicht, dass sie kaum zu spüren waren, die beiden anderen allerdings beunruhigten die Poinger nicht nur durch einen lauten Knall, der ihnen voranging, sie rüttelten die Bewohner der Gemeinde auch mehrere Sekunden lang gehörig durch. Damals war eine Magnitude von 2,1 auf der Richterskala gemessen worden.

Ist die Geothermie schuld am Erdbeben?

Was die Ursache der Beben war, ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt. Für die Seismologen beim Erdbebendienst Bayern - und auch ihren Kollegen in Österreich - gibt es aber im an sich tektonisch stabilen Münchner Umland im Prinzip nur eine mögliche Erklärung: die Geothermie. Seit 2012 wird in Poing die Erdwärme genutzt; das Wasser, das am westlichen Ortsrand Poings heiß aus der Tiefe geholt wird, wird an der Plieninger Gemeindegrenze in einer Reinjektionsbohrung zurück in die Erde geleitet.

Nach Angaben von Fachleuten ist es durchaus möglich - und in der Vergangenheit auch schon häufig vorgekommen - dass sich durch das abgekühlte Wasser Spannungen im Inneren der Erdschichten entladen. Die Bayernwerk AG, die die Geothermie betreibt, hatte diese Einschätzung allerdings bereits 2016 in Zweifel gezogen. "Die festgestellten Seismik-Ereignisse können in aller Regel nichts mit der Geothermie Poing zu tun haben", sagte ein Sprecher damals. Am Sonntag bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass das Beben auch auf den eigenen Messeinrichtungen registriert worden sei. Mutmaßungen zur Ursache wolle die Bayernwerk AG aber nicht abgeben.

Für Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) muss eine Klärung der Ursache aber nun ganz oben auf der Prioritätenliste stehen: "Es geht um Transparenz." Wenn Fachleute der Ansicht seien, dass die Beben beherrschbar und ungefährlich seien, dann müsse das auch fundiert begründet werden. "Meine Sorge sind die Menschen und ihre Sicherheit", unterstreicht der Bürgermeister.

Ohnehin sollte inzwischen bereits eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik in Hannover vorliegen, das im Auftrag des Bergamts Südbayern als Genehmigungsbehörde von Geothermieanlagen die Erdbebenereignisse untersuchen sollte. Ursprünglich hatte man die Ergebnisse bereits im Juli erwartet, die Veröffentlichung war allerdings verschoben worden. Nun sollen die Ergebnisse voraussichtlich im Oktober vorgelegt werden. Das Bergamt Südbayern hat bereits angekündigt, nach Vorliegen des Gutachtens über mögliche "sinnvolle und belastbare Nachforderungen" an den Betreiber zu entscheiden.

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