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Corona und Oktoberfest:Die Wiesn wird fehlen

Oktoberfest 2019

So war es 2019: Bedienungen stehen im Hofbräu-Zelt beim traditionellen Kehraus auf den Tischen, halten dabei Wunderkerzen in den Händen und feiern damit das Ende der Wiesn.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Die Absage des Oktoberfests ist vernünftig. Sie zeigt aber auch: So schnell wird die Corona-Krise nicht überwunden sein. Das bedeutet nicht nur Verzicht auf ein Vergnügen, sondern auch auf viel Geld.

Kommentar von Franz Kotteder

Selten dürfte den beiden ein öffentlicher Auftritt trotz des zu erwartenden Beifalls so schwer gefallen sein wie dieser: Mit einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Bayerischen Staatskanzlei beendeten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) alle Hoffnungen, dass das diesjährige Oktoberfest doch noch stattfinden könnte.

Eine Überraschung war das für niemanden mehr, nach all den Entwicklungen der Corona-Krise, und kaum einer hätte noch Verständnis dafür gehabt, wenn die Stadt München als Veranstalterin eisern an der Ausrichtung des größten Volksfests der Welt festgehalten hätte. Aber trotzdem bedeutet die jetzt vollzogene Absage einen tiefen Einschnitt für das gesamte öffentliche Leben, weil er vor allem eines ausdrückt: Man kann nun auch den Rest des Jahres streichen und bestenfalls 2021 ganz neu anfangen.

Knapp fünf Monate wären es noch gewesen bis zum Beginn der Wiesn am 19. September, das ist eigentlich eine lange Zeit. Aber keinesfalls lange genug, um halbwegs sicherzugehen, dass das Zusammentreffen von mehr als sechs Millionen Menschen auf engstem Raum an nur 16 Tagen nicht eine neue, gewaltige Welle der Pandemie auslösen würde. Das alles wäre ja nicht Ischgl und Heinsberg hoch zwei, sondern es wäre Ischgl und Heinsberg hoch drei oder vier. Wenn man im Nachhinein betrachtet, welche furchtbaren Auswirkungen ein einziges Champions-League-Fußballspiel für Bergamo hatte, dann muss man nicht mehr lange darüber nachdenken, ob die Entscheidung von Söder und Reiter richtig war oder falsch.

Und dennoch: So routiniert in seiner Selbstsicherheit Söder inzwischen den Krisenmanager gibt, selbst ihm war anzumerken, dass es hier auch um eine symbolhafte Handlung ging. "Wir leben in anderen Zeiten", sagte er, und das bedeutet: Es wird noch viele Monate lang keine Normalität einkehren - mindestens so lange nicht, solange es kein effektives Heilmittel gibt und keinen Impfstoff, mit dem man der Pandemie beikommen kann. Und diese Botschaft geht natürlich weit hinaus über die Nachricht, dass in diesem Herbst feuchtfröhliche Abende mit tobenden Massen in einem überlauten Bierzelt leider ausfallen müssen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen erst einmal die Stadt München, dort profitiert man jedes Jahr von einem Umsatz, der direkt auf dem Volksfestgelände und indirekt in der ganzen Stadt um die 1,2 Milliarden Euro ausmacht. Das ist selbst für eine reiche Kommune viel Geld, und dementsprechend angegriffen sah der Münchner Oberbürgermeister am Dienstagmorgen auch aus. Es geht da eben doch um mehr als um eine Handvoll großer Wiesnwirte und Geisterbahnbetreiber, um die man sich wenig Sorgen machen muss. Das Signal lautet vielmehr: Corona gefährdet nicht nur unsere Gesundheit, es geht uns allen auch an den Geldbeutel. Und zwar noch lange.

© SZ.de/fema
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