Lauterbach über Corona-Welle in München: "Das wäre nicht nötig gewesen"

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Lauterbach über Corona-Welle in München: Menschen feiern auf dem Oktoberfest in München

Menschen feiern auf dem Oktoberfest in München

(Foto: MICHAELA REHLE/REUTERS)

In München steigen nach gut zwei Wochen Oktoberfest die Corona-Fallzahlen stark an. Die Gesundheitsreferentin der Stadt geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Kritik kommt vom Bundesgesundheitsminister - per Twitter.

Von Verena Wolff

Zwei Wochen nach Beginn des Oktoberfests - und einen Tag vor dem Wiesn-Ende - sind die Corona-Zahlen in München wie befürchtet hoch: Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist am Sonntag eine Inzidenz von 768,7 für die Stadt München aus. Der Wert ist etwas geringer als noch am Freitag (792,8). Das ist nach RKI-Angaben der Tatsache geschuldet, dass kaum noch Gesundheitsämter über das Wochenende aktuelle Zahlen übermitteln.

Die Stadt München meldet am Samstag 12 412 Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen. Wie viele sich auf dem Oktoberfest oder im Umfeld der Wiesn angesteckt haben, ist nicht bekannt. Dass Bierzeltbesuche oft zu höheren Inzidenzzahlen führen, haben bereits zahlreiche kleinere Volksfeste gezeigt, etwa beim Straubinger Gäubodenvolksfest.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich zum Anstieg der Inzidenz in München während der Oktoberfestzeit per Twitter zu Wort gemeldet: "Das wäre nicht nötig gewesen wenn vor dem Einlass Selbsttests gemacht worden wären. Auf 2-3 Euro wäre es bei den Preisen pro Mass nicht angekommen." Schon vor Wiesn-Beginn hatte er sich für freiwillige Selbsttests ausgesprochen. Lauterbach betonte, dass es Zeit für Maßnahmen für die kalte Jahreszeit wird: "Die Entwicklung zeigt aber, was passieren wird, wenn die Länder mit der Maskenpflicht im Innenraum zu lange warten."

Die Münchner Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) geht davon aus, dass die tatsächlichen Infektionszahlen "vier- bis fünffach höher" seien. Denn in die Statistik des RKI geht nur als "Fall" ein, wer eine durch einen PCR-Test bestätigte Corona-Erkrankung hat. Die Dunkelziffer sei groß, so Zurek, weil nicht jeder, der Symptome habe, auch einen PCR-Test mache.

Der Anteil der Patienten, die in München mit Covid-19 auf Intensivstationen liegen, bleibt allerdings gering - sie liegt nach Auskunft des Divi-Intensivregisters am Sonntag (Stand: 10.18 Uhr) bei 7,28 Prozent. 30 Menschen befinden sich demnach mit dem Virus aktuell auf einer Intensivstation, am Freitag waren es 23. Von 422 Intensivbetten in München sind aktuell 384 belegt.

Im gesamten Freistaat liegt der Inzidenzwert am Sonntag bei 692,5 und damit etwas höher als am Freitag (654,8). Auch hier werden wegen Nachmeldungen durch die Gesundheitsämter die Zahlen erst Mitte der kommenden Woche wieder aktuell sein.

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