München:Die Inzidenz steigt, die Dunkelziffer auch

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München: Draußen ist das Ansteckungsrisiko geringer als im vollen Festzelt.

Draußen ist das Ansteckungsrisiko geringer als im vollen Festzelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im Gesundheitsausschuss gesteht man sich ein, dass der erwartete Schub bei den Corona-Fallzahlen durch die Wiesn eingetreten ist. Allein am Mittwoch meldet das Gesundheitsreferat offiziell 3000 neue Infektionen.

Von Nicole Graner

Es ist Gesundheitsausschuss, und der Corona-Sachstandsbericht nach drei Jahren Pandemie "leider", wie Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek sagt, zur "Routine" geworden. Dieses Mal sind einige Ausschussmitglieder nicht da oder via Bildschirm dazugeschaltet - Corona macht auch diesem Gremium zu schaffen.

Und so geht es wieder einmal um die stark steigende Inzidenz in München. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Donnerstag eine Sieben-Tages-Inzidenz von 695,8. "Wir sind gut dabei", sagt die Referentin und macht gleich auch klar, dass die tatsächliche Zahl "vier- bis fünffach höher" sei. Die Dunkelziffer sei groß, nicht jeder der Symptome habe, mache einen PCR-Test, lieber daheim einen kostengünstigeren Schnelltest.

Allein am Mittwoch hat das Gesundheitsreferat 3000 neue Infektionen an das RKI gemeldet. Nimmt man diese Zahl mal vier, wären es schon 12 000 Corona-Neuinfektionen. Mal fünf: 15 000. Dass die Wiesn großen Anteil daran hat, bezweifelt niemand im Gremium. Man müsse einfach "so ehrlich" sein, sagt Hans Theiss (CSU). Auch wenn man den Zusammenhang mit den steigenden Inzidenzen und der Wiesn nicht wissenschaftlich belegen könne, sei es nun mal so. "Wir haben das gewusst."

Eine Halbzeit-Wiesn-Bilanz will Beatrix Zurek daher auch nicht ziehen. Aus Sicht des Gesundheitsreferats habe sich aber auf jeden Fall bewährt, dass es jetzt in der Wiesn-Klinik der Aicher Ambulanz einen Computertomographen (CT) gebe. Bis zum Donnerstag hätten, so erklärt der Oktoberfest-Sprecher der Aicher Ambulanz, Markus Strobl, "120 Patientinnen und Patienten ins CT" gemusst. Davon habe es, so Strobl weiter, 16 Befunde mit Weiterleitung ins Krankenhaus gegeben. "Das ist eine deutliche Entlastung für die Krankenhäuser", sagt Zurek. Vor der Pandemie kamen die meisten Patienten mit Kopfverletzungen sofort in die Notaufnahme der Krankenhäuser.

Immer mehr Corona-Fälle in den Krankenhäusern

Die Krankenhäuser verzeichnen unterdessen immer mehr Corona-Fälle. Allerdings, betont Zurek, sei die Belegung der Intensivbetten noch nicht "sprunghaft" gestiegen. Auch hofft sie, dass es nicht zu starken, coronabedingten Krankheitsfällen beim Personal komme. "Noch haben die Krankenhäuser alles gut im Griff." Vorherrschend sei, so Zurek, zu 90 Prozent die Variante BA 5. Der Subtyp BJ 1 spiele keine Rolle. In geringer Zahl sei diese Variante in Österreich nachgewiesen. Die Sorge vor weiteren Varianten bestehe fort. "Wir werden das genau weiter betrachten." Auch in den Unterkünften und anderen Einrichtungen sei das Corona-Geschehen noch "moderat".

Nach wie vor hat die Stadt München mit immerhin 101 Betreibern zahlreiche Teststellen. Täglich stehen 76 000 Tests zur Verfügung. Abgerufen würden, so Zurek, täglich nur 3700. Allerdings sei das Test-Volumen angestiegen. Auch 116 Apotheken bieten immer noch Test-Möglichkeiten an. Geimpft werde unter anderem mit mobilen Teams ebenfalls in Alten- und Service-Einrichtungen, in der Pfennigparade, im evangelischen Pflegezentrum Sendling, sogar in den Stadtvierteln vor jeder Bürgerversammlung, im Gasteig, im ehemaligen Sport Münzinger und im Olympia-Einkaufszentrum - alles bleibt beim Alten. Passend zur Botschaft, die Zurek mantraartig immer wieder wiederholt: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei".

Sorge bereitet Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek, wie auch Stadtratsmitglied Angelika Pilz-Strasser (Grüne), die herannahende Influenza-Welle. "Auch die wird uns noch sehr beschäftigen", sagt Zurek. Und wirbt sofort dafür, sich auch dagegen impfen zu lassen.

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