Münchner Filmfest Kulturreferent Küppers greift Söder scharf an

Da war Söders Welt noch in Ordnung: der bayerische Ministerpräsident auf dem roten Teppich vor dem Mathäser-Kino, flankiert von Schauspielerin Veronica Ferres (links) und Filmfest-Chefin Diana Iljine.

(Foto: dpa)
  • Bei der Eröffnung des Münchner Filmfests hat der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers Ministerpräsident Markus Söder scharf angegriffen.
  • Küppers zielte dabei unter anderem auf die Rhetorik des Ministerpräsidenten.
  • Der anwesende Söder konterte die Attacke betont gelassen.
Von Christian Mayer

Der Münchner Kulturreferent ist kein Mann der lauten Worte, er arbeitet gerne konsensorientiert und sachbezogen. Bei der Eröffnung des Münchner Filmfests am Donnerstagabend im Mathäser-Kino hat Hans-Georg Küppers jedoch für mehr Aufsehen gesorgt als je zuvor in seiner elfjährigen Amtszeit. Als Repräsentant der Stadt München sprach Küppers erst über Bert Brecht, dessen Dreigroschenoper im Eröffnungsfilm "Mackie Messer" von Regisseur Joachim A. Lang in opulenten Bildern inszeniert wird. Bei der Moritat von Mackie Messer gebe es ja die berühmte Liedzeile: "doch das Messer sieht man nicht", eine Art Leitmotiv für den Gangster Macheath und seine Bande. "Irgendwie habe ich da an unseren Ministerpräsidenten gedacht." Ein Eklat? Schließlich saß Markus Söder vorne im Saal.

Der Kulturreferent holte dann noch einmal kräftig aus, als er auf die Rhetorik des Ministerpräsidenten zu sprechen kam: "Zuletzt haben wir oft gehört: "Bayerisch denken heißt größer denken. Ich wäre angesichts der politischen Lage froh, wenn nicht größer, sondern überhaupt gedacht wird." Küppers musste die Auseinandersetzung innerhalb der Union um abgelehnte Asylbewerber in der EU, den 63-Punkte-Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer und die kompromisslose Haltung der CSU gegenüber Kanzlerin Angela Merkel gar nicht explizit ansprechen: Jeder im Publikum wusste ohnehin, was und wer gemeint war.

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Eine solche Attacke erlebt man selten bei Filmfesteröffnungen in München, die von der charmanten Leichtigkeit der Leiterin Diana Iljine geprägt sind. Stadt und Freistaat, die beiden Hauptgesellschafter, nutzen die Veranstaltung sonst für ein gemeinsames Marketing, ein Bekenntnis zum Filmstandort Bayern, ansonsten gibt es noch ein paar Komplimente und Verbeugungen vor den internationalen Ehrengästen. Ganz anders dieses Mal: Küppers setzte den Ton. Die Zeiten sind wohl zu politisch aufgeladen und die Kombattanten zu gereizt, um entspannt mit einem Glas Prosecco in der Hand nur über Filmästhetik zu diskutieren. Spannend war daher die Frage, wie Markus Söder auf das Brecht-Zitat vom gezückten Messer reagieren würde. Söder hatte zuvor beim Einlaufen im Mathäser sichtlich Spaß mit den Fotografen gehabt, er verursachte dabei sogar einen regelrechten Gäste-Stau, weil er den roten Teppich gar nicht mehr verlassen wollte.

Betont gelassen konterte Söder dann allerdings die Attacke des Kulturreferenten: "Vielen Dank für die häufige Erwähnung meines Namens." Küppers habe eine schöne Liebeserklärung an das Filmfest gemacht, "aber noch nicht ganz an mich". Er selbst sei ein großer Cineast, sagte Söder, das Münchner Filmfest mit seinen 185 Filmen aus 43 Ländern "pure Emotion". Auch deshalb wolle er die Veranstaltung künftig mit zusätzlichen drei Millionen Euro im Jahr stärken, um im Wettbewerb mit Berlin mithalten zu können - eine Ankündigung, mit der er diese Woche die gesamte Filmbranche überrascht hatte. "Berlin ist ja ganz schön, aber München ist schöner", sagte Söder.

Ein Kulturreferent, der nicht nur die leisen Töne mag: Hans-Georg Küppers bei seiner Eröffnungsrede am Donnerstagabend.

(Foto: Getty Images)

Wenig verwunderlich, dass es beim Premierenempfang im Bayerischen Hof vor allem um die beiden Kontrahenten ging. Alt-OB Christian Ude fand Küppers' Rede "exzellent, witzig und erfrischend - aber ich bin seine Ironie ja noch von früher gewohnt". Der Ministerpräsident habe "relativ souverän reagiert, obwohl er sichtlich nicht amüsiert war", sagte Ude. Ob Küppers auch deshalb so deutlich war, weil er keine weitere Amtszeit mehr anstrebt und keine Rücksicht mehr nehmen muss, wen er verärgert? Gut möglich, vermuteten einige Gäste.

Fast schon Nebensache bei der Party war der aus vielen Brecht-Zitaten und Kurt-Weill-Songs montierte Eröffnungsfilm, den manche für eine etwas zu bemühte Fleißarbeit halten, andere für eine unterhaltsame Hommage. "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" mit Lars Eidinger, Tobias Moretti und Hannah Herzsprung in den Hauptrollen bietet jedenfalls eine Chance: Wer sich gerne mit Brecht munitioniert, um die Gegenwart zu interpretieren, findet hier reichlich Stoff. Ja, der Haifisch, der hat Zähne.

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