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München:10 000 Motorradfahrer demonstrieren gegen Fahrverbot

Demonstration gegen drohende Fahrverbote am Wochenende - München

Tausende Biker sind am Samstag in München unterwegs, vor allem auf dem Mittleren Ring kommt es zu Verkehrsbehinderungen.

(Foto: dpa)

Obwohl die Behörden eine für diesen Samstag geplante Demonstration untersagt haben, behindern Tausende Biker den Verkehr in München. Ein wichtiger Tunnel musste zeitweise gesperrt werden.

Von Linus Freymark und Jakob Wetzel

Obwohl die Behörden die angemeldete Demonstration untersagt hatten, waren am Samstag Hunderte, wenn nicht Tausende Motorradfahrer in Kolonnen auf dem Mittleren Ring in München unterwegs. Die Polizei spricht von bis zu 10 000 Fahrern, wobei in der Schätzung auch Biker enthalten sein können, die nichts mit der Demonstration zu tun haben. Zunächst war von rund 6000 Teilnehmern die Rede. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten kam es zu Protesten von Motorradfahrern. Mit den Aktionen protestierten Biker gegen drohende Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen.

Wegen der Vielzahl an Motorrädern kam es insbesondere auf dem Mittleren Ring in München zu einigen Staus und Verkehrsbehinderungen. Die Polizei leitete den Verkehr so gut es ging um, Autofahrer wurden gebeten, den Mittleren Ring zu meiden. Wegen einiger kleinerer Verkehrsverstöße kam es zu Anzeigen. So versuchten einzelne Biker etwa, den Verkehr eigenmächtig zu regeln. Zudem versuchten einige Motorradfahrer Teile des Rings zu blockieren. Man habe diese Fahrer jedoch "kommunikativ" zum Weiterfahren bewegen können, teilte die Polizei mit.

Wegen des technischen Defekts eines Motorrads musste der Luise-Kiesselbach-Tunnel am Vormittag zwischenzeitlich gesperrt werden. Gegen Mittag wurde er wieder freigegeben, rund um den Luise-Kiesselbach-Platz kam es jedoch zu Staus. Gegen 12.15 Uhr fuhren die ersten Biker aus der Stadt heraus, gegen 14 Uhr normalisierte sich der Verkehr wieder weitgehend.

Motorraddemo in München

Das Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen sei nicht in Ordnung, findet Kirsten aus Nürnberg.

(Foto: Jakob Wetzel)

Die Biker wehren sich gegen eine Bundesratsinitiative, die im Streit um Motorradlärm beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen will. Das sei "nicht in Ordnung", findet etwa Kirsten aus Nürnberg. Sie steht am Samstagvormittag mit ihrer Maschine auf dem Wittelsbacherplatz in München, immer wieder fahren andere Biker vorbei. Kirsten macht gerade eine Pause, möchte sich aber gleich den Demonstranten anschließen. Ihren Nachnamen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, sie wolle im Beruf nicht erkannt werden, sagt sie. "Ich arbeite in der Pflege, ich habe unter der Woche wenig Zeit, um zu fahren." Die meisten Motorradfahrer verhielten sich vernünftig. "Man kann nicht einfach das Motorradfahren untersagen, nur weil Einzelne fahren wie die Henker", sagt sie.

"Wir springen doch nicht von Motorrad zu Motorrad und küssen uns"

Über die Absage der Stadt ärgert sie sich. Die Motorradfahrer hätten ein Recht zu demonstrieren. Zuerst hätten sie auf der Theresienwiese demonstrieren wollen, doch schon das sei untersagt worden, deswegen überhaupt der Korso. "Wir wollen gehört und gesehen werden!" Die Teilnehmerzahl der Demo aber sei im Vorfeld übertrieben worden, klagt sie. Dann seien von der Stadt Auflagen gekommen wie die, unter dem Helm einen Mundschutz zu tragen und eineinhalb Meter Abstand zu halten. "Wir springen doch nicht von Motorrad zu Motorrad und küssen uns. Und natürlich halten wir Abstand. Wir wollen ja leben!"

Obwohl die Behörden die Demonstration in München untersagt hatten, entschieden sich die Biker nach einer Diskussion in den sozialen Netzwerken dafür, zu fahren - wenn auch, anders als geplant, ohne Plakate und Banner. Ursprünglich wollten die Veranstalter eine Demonstration mit rund 8000 Teilnehmern anmelden. Einem Sprecher der Stadt München zufolge begrenzte das KVR die Teilnehmerzahl jedoch "wegen massiver Sicherheitsbedenken und zu erwartender enormer Verkehrsbehinderungen" auf 1000 Biker und bot an, die Demonstration auf Sonntag zu verlegen. Dadurch, so der Sprecher, wollten die Behörden verhindern, dass der "Verkehr am Mittleren Ring und vielen angrenzenden Bereichen zum Erliegen" komme. Weil die Veranstalter der Vorgabe jedoch nicht Folge leisten wollten, wurde die Demonstration am Freitagnachmittag untersagt.

Vekehrsminister Scheuer lehnt Fahrverbote ab

Auch anderswo übertrafen die Demonstrationen die Erwartungen: So kamen in Friedrichshafen am Bodensee rund 5000 Motorradfans zu einem Demo-Korso zusammen, in Stuttgart trafen sich nach Angaben der Polizei bis zu 8000 Biker; auch dort kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Angesichts der Proteste hat Bundesverkehrminister Andreas Scheuer (CSU) seine ablehnende Haltung gegenüber weiteren Verschärfungen und Verboten für Motorradfahrer bekräftigt. "Wir haben ausreichende, geltende Regeln", sagte Scheuer. "Die Biker zeigen bei den Protesten ihre Haltung gegen Verschärfungen und Verbote. Das ist auch meine Haltung. Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen." Das Bundesverkehrsministerium erklärte auf Anfrage, die zuständigen Straßenverkehrsbehörden könnten die konkrete Lage vor Ort am besten einschätzen und aus Lärmschutzgründen im Einzelfall entsprechende Maßnahmen anordnen. Sie hätten zum Beispiel bereits jetzt die Möglichkeit, die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken zu beschränken oder den Verkehr umzuleiten.

© SZ.de/lfr/jps
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