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Nahverkehr:Trambahn-Kapazitäten: Breiter oder länger?

Trambahnkreuzung in München, 2020

Vielerorten, wie hier vor dem Münchner Hauptbahnhof, wären breitere Straßenbahnen wohl kein Problem. Mancherorts aber schon, fürchtet zumindest der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Mobilitätsausschuss berät die Verbreiterung von Trambahnen, die zu einer Erhöhung von Kapazitäten und Komfort führen soll. Laut ADFC gefährdet das aber an einigen Engstellen in der Stadt die Radfahrer.

Von Andreas Schubert

Wem gehören die Straßen? Die Aufteilung des öffentlichen Raums wird in der Stadt seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Jetzt kritisiert die Fahrradlobby die Pläne der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), in Zukunft auch breitere Trambahnen einzusetzen, um mehr Passagiere befördern zu können. Die Radler befürchten, dass ihnen zu viel Platz weggenommen wird.

An diesem Mittwoch entscheidet der Mobilitätsausschuss über die Fortschreibung des Nahverkehrsplans, der auch die Kapazitäten der Tram zum Thema hat. Weil es hier etwa um breitere Züge geht, ist der Fahrradklub ADFC alarmiert. "Schmalspurradwege infolge extrabreiter Trams benachteiligen Radfahrende massiv und widersprechen dem Bürgerbegehren Radentscheid", teilt Andreas Schön, Vorsitzender des Münchner ADFC, mit. "Schon heute ist es gerade an Eng- und Haltestellen eine große Herausforderung, Lösungen für den Radverkehr zu finden." Schön hält die Vorteile von breiteren Straßenbahnen für gering. Für den Ausbau des Tram-Netzes, den er durchaus als wichtig betrachtet, müsse auf längere statt auf breitere Trams gesetzt werden. "Nur so kann der knappe Straßenquerschnitt optimal und fair unter allen Verkehrsarten aufgeteilt werden", sagt Schön.

Bei der MVG ist schon länger von breiteren und längeren Zügen die Rede, da nach Angaben des Verkehrsunternehmens auf vielen Strecken eine weitere Taktverdichtung nicht mehr möglich ist. Von den 2030er Jahren an könnte die Standardbreite neuer Züge von 2,3 Meter auf 2,65 Meter wachsen, dies gab die MVG vergangenes Jahr als Perspektive bekannt. Dafür müssten aber auch die Gleise der entgegenkommenden Trambahnen weiter voneinander entfernt liegen als bisher. Der sogenannte Gleismittenabstand müsste von heute 2,75 auf 3,05 Meter erweitert werden. Das wiederum geht nicht überall in der Stadt, sodass die breiten Bahnen nur auf bestimmten Strecken zum Einsatz kommen könnten.

Die derzeit größten Trambahnen der MVG sind vierteilige, 37 Meter lange und 2,3 Meter breite Züge mit Platz für 215 Fahrgäste. Um die Kapazität zu erweitern, sollen schon bald 48 Meter lange Züge aus zwei- und dreiteiligen Einheiten zum Einsatz kommen, etwa auf der Linie 20 in der Dachauer Straße und anderen Strecken. Einige Strecken, wie etwa die 2016 eröffnete nach Berg am Laim, sind bereits für diese Länge ausgebaut. Von Ende der 2020er Jahre an könnten dann auch sechsteilige, 54 Meter lange Züge in München fahren. In diesen fänden bis zu 325 Passagiere Platz. Die West- und Nordtangente und die Tram Münchner Norden werden bereits entsprechend geplant.

Würden die Fahrzeuge zusätzlich auch noch breiter, würde sich nach Angaben der MVG der "Fahrgastfluss" im Fahrzeug und die Verteilung der Fahrgäste verbessern, insgesamt steige damit neben der Kapazität auch der Komfort. Busse etwa böten eine Breite von 2,55 Metern, die U-Bahn sogar 2,90, so die MVG. Bis die MVG ihr Tramnetz auf eine Regelbbreite von 2,65 Metern umstellt, würde dies etwa 20 bis 30 Jahre dauern und im Zuge von Netzerweiterungen und -erneuerungen geschehen. Laut MVG werden zum Beispiel bereits die Tramnetze von Bremen, Dresden, Chemnitz oder Rostock nach und nach umgebaut. In München sind bereits die beiden Streckenneubauten nach St. Emmeram und die Linie 23 entsprechend trassiert.

In München befürchtet der ADFC allerdings, dass zum Beispiel bei der geplanten Tram-Nordtangende durch den Englischen Garten die Radwege im Bereich der Haltestellen wegen Platzmangels auf eine Breite von nur noch einen bis eineinviertel Meter schrumpfen würden - was laut MVG aber weniger an der Breite der Fahrzeuge, sondern eher an den örtlichen Gegebenheiten liegt.

Die Ziele der Verkehrswende können nach Einschätzung der Radaktivisten auch ohne breitere Trambahnen erreicht werden, etwa indem bis zu 75 Meter lange Züge eingesetzt und Haltestellen entsprechend angepasst werden. Das wäre die momentan in Deutschland zugelassene maximale Länge. Doch die MVG plant nicht damit. Der Einsatz so langer Züge sei häufig aufgrund der räumlichen Situation "nicht zielführend".

© SZ vom 09.02.2021/van/syn
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